Lange hat man auf den "missing link" zwischen analoger und digitaler Welt warten müssen. Nach heftigen Spekulationen liefert Stanton nun endlich das von holländischen Hackern entwickelte Final Scratch, mit dem man digitale Musikdateien via Plattenspieler abspielen kann.
Die Idee ist so einfach, wie revolutionär. Man verbindet das bestehende DJ-Setup (zwei Plattenspieler und einen Mixer) mit dem „Scratch-Amp“(Abb.), den „Scratch-Amp“ via USB-Interface an den Computer. Zwei speziell codierte Platten liefern der Software das Trägersignal (ähnlich dem guten, alten analog-Modem Geräusch) um mp3´s so abzuspielen, als würde gerade das Vinyl davon am Plattenteller liegen. Das System ist soweit ausgereift, daß es die Musikdateien nicht nur abspielt, sondern Scratches und Juggles auch möglich sind! Unterstütze Formate sind mp3, wav, aiff und Audio CD´s, letzteres ist aber nicht scratch-tauglich.
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Final Scratch Setup |
Die Vorteile stehen im Prospekt: Bandscheibenvorfall, verursacht durch exzessives Plattentaschentragen sollte der Vergangenheit angehören. Ab sofort reicht ein einziges Notebook um hunderte Tracks für das Set im Club im Repertoire zu haben. Mit einer komfortablen Suchfunktion findet man in sekundenschnelle den nächsten Track.
Dein Lieblingsvinyl wird nicht mehr abgenutzt, da der Sound von Festplatte kommt. Das Einzige, das alle paar Monate ausgetauscht werden sollte, ist das Vinyl mit dem Trägersignal, damit das Timing zwischen Plattenspieler und Software reibungslos funktioniert. Extra Soundkarte wird nicht benötigt, das erledigt alles der Scratchamp mit erstaunlich niedriger Latenz.
Der Hauptvorteil liegt aber meines Erachtens im (Heim-)Studiobetrieb und der Musikproduktion. Instrumentals, Raps, Gesang, Soundeffekte, etc stehen dem DJ sofort nach der Aufnahme „auf Vinyl gepreßt“ zur Verfügung.
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| Aufbau |
Scratch-Amp |
Nach erfolgreicher Installation und Neustart präsentiert sich ein aufgeräumter Desktop mit drei Icons für folgende Programme:
- Final Scratch, das „Kernstück“. Hier werden dem rechten, bzw linken Plattenspieler die Tracks zugewiesen. In einem Fenster sieht man die Wellenform der Datei, wenn man sie vorher in der Recordbox erzeugen läßt. Eine Funktion, an die man sich gewöhnen könnte; nicht selten habe ich mich dabei ertappt auf diese Grafik zu starren, da es einen guten Überblick verschafft, wo man sich befindet, bzw. wohin man „spinnen“ muß. Cue-Points, Markierungen etc sind bei der Software nicht vorgesehen.
- In der Record-Box kann man Soundfiles sortieren, gruppieren, Audio Cd´s encodieren und „stripen“. Das ist die Funktion um die grafische Wellenform der Datei erzeugen zu lassen. Dieser Vorgang dauert aber leider eine Ewigkeit!
- Update: Hier kann man die neuesten Updates und Bugfixes von finalscratch.com einspielen.
Die Installation war bei mir leider alles andere als problemlos. Ich konnte das System erst am vierten Rechner installieren. Der Support der Finalscratch.com Homepage verspricht eine Antwort innerhalb von 24 Stunden, mir wurde erst nach drei Tagen geantwortet. Deswegen empfiehlt sich das intensive Studium der „approved Computers“ und der Systemvoraussetzungen vor der Anschaffung:
- Final Scratch arbeitet unter Linux, das bei der Software inkludiert ist und beim Setup automatisch installiert wird.
- Die vorhandene Windowsinstallation leidet nicht darunter. Beim Neustart entscheidet man mittels Bootmenü zwischen Final Scratch und Windows.
- Momentan ist nur eine PC Variante erhältlich, an der Mac-Version wird aber gearbeitet.
- Dj Setup mit zwei Plattenspielern und einem Mixer
- Intel (oder kompatibel) CPU 500MHz oder schneller
- 128 Mb RAM
- USB port
- CD-Rom Laufwerk (boot enabled)
- Mind. 2,5Gb freien Festplattenspeicher mit “fat” Filesystem, denn mit NTFS funktioniert es nicht
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Screenshot Final Scratch |
Fazit:
Auf Grund massiver Installationsprobleme gibt es keine Höchstpunkteanzahl. Ansonsten ist es ein revolutionäres Gerät, das die DJ-Szene sicher nachhaltig verändern wird. Es ist das Bindeglied zwischen analoger Welt der Platten und digitaler Welt der mp3´s. Es gab ja schon einige Versuche in diese Richtung z.B. den Vinylcutter von Vestax, der aber für den Normalverbraucher unerschwinglich ist, oder den Pioneer CDJ-1000 (scratcht CD´s), der von der Szene aber, da CD-Player, eher mit Skepsis begegnet wird.
Die Frage stellt sich, ob dieses Gerät der Musikindustrie weiters zusetzen wird, denn jetzt besteht auch für den „Scratch Dj“ die Möglichkeit, anstatt gekaufter Platten illegal runtergeladene mp3´s in sein Set einzubauen. Die Notwendigkeit im Plattenladen Geld auszugeben, verschwindet unaufhaltsam. Junge Djs können sich in ein paar Downloadsessions die gleiche „Plattensammlung“ zulegen, wozu man früher viel Zeit und Geld benötigt hat.
Allerdings werden auch neue Möglichkeiten eröffnet. Der gerade gebastelte Beat oder Track kann kurz danach im Club gespielt und Publikumsreaktionen getestet werden. Eigens kreierte Mixelemente können in die Routines eingebaut werden, der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wohin die Musikindustrie gehen wird, weiß momentan wahrscheinlich niemand so genau, die Zukunft wird es weisen. Final Scratch wird auf jeden Fall mit von der Partie sein.
Das Testgerät wurde uns von http://www.friendlyhouse.at/ zur Verfügung gestellt. Vielen Dank an dieser Stelle!













