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icon Wholetrain - Der Film

jizza, am 09.07.2007

pfeilreihe
 

Vergangenen Freitag feierte "Wholetrain", ein Film von Florian Gaag über junge Graffiti-Maler, seine Kinopremiere in Österreich. Wir waren dabei und möchten Euch einen kurzen Appetizer auf diesen Film sowie ein Interview mit dem Drehbuchautor, Regisseur, Maler und Musiker Florian Gaag bieten. Denn Wholtrain ist nicht irgendein Video über das Bemalen von Zügen sondern ein liebevoll und realitätsnah erzeugter Spielfilm für die gesamte HipHop-Gemeinde, der noch dazu mit einem hochkarätigen Soundtrack bestückt wurde.

Wholetrain ist zur Zeit in Kinos in Wien, Linz und Graz zu sehen. Infos zu Vorstellungen und Beginnzeiten gibt es hier.

Zur Geschichte:

Im Mittelpunkt stehen vier Maler - David, Timo, Elyas und Achim - die neben ihren Alltagsproblemen nur eines im Sinn haben: Graffiti. Im Wettstreit mit einer anderen Crew, die übrigens vom rappenden DJ Roger Rekless (Vier Zu Eins) angeführt wird, ist es ihr Ziel die Züge in ihrer Stadt mit Graffitis zu verzieren. Das Battle mit der anderen Crew führt dazu, dass es sie fast jede Nacht in die Yards der lokalen Verkehrsbetriebe treibt, und das weckt natürlich auch das rege Interesse der Polizei. Denn die hat David schon einmal erwischt, wodurch er eine Bewährungsstrafe ausgefasst hat.

Timo hat da ganze andere Probleme, der junge Vater ist mit der Vaterrolle komplett überfordert, da er selber noch nicht erwachsen geworden ist. Seine Impulsivität verstrickt ihn immer wieder in Schlägereien oder Probleme mit der Polizei. Elyas, der Paranoide der Gruppe, hat ein Problem damit, dass David den jungen Schüler Achim als Rookie in die Crew geholt hat. Die Geschichte nimmt ihren Lauf und für den Zuschauer gibt es einen packenden Eindruck in diese urbane Subkultur.

Über den Film:

Wholterain ist keine Hollywoodproduktion sondern ein deutscher Film, der mit einem Budget von nur 700.000 Euro auskommen musste. Trotzdem reiht sich dieser Film in eine Reihe von europäischen Spielfilmen ein, die durch eine gute Geschichte und Liebe aller Beteiligten zum Produkt die Millionen anderer Monsterprojekte locker wettmachen. Florain Gaag, der selbst einmal aktiver Maler war hat ein authentisches Werk abgeliefert mit dem sich wohl jeder User hier identifizieren kann, da man sicher die eine oder andere Situation schon am eigenen Leib oder im Bekanntenkreis erlebt hat.

Im Film werden etliche Züge bemalt. Die Schauspieler dieses Films erhielten dabei Unterstützung von Malern wie Neon, Cenmoz, Won, Pure & Ciel. Durch einen Zufall konnte man Kontakte mit den Warschauer Verkehrsbetrieben aufbauen, denn in Deutschland - der Rest des Filmes wurde in München gedreht - und Österreich wollte sich kein Betrieb bereit erklären seine Züge bemalen zu lassen. Einfacher Grund: Angst vor Nachahmern, obwohl die Züge nach den Aufnahmen wieder gereinigt wurden.

Der Soundtrack:

Florian Gaag ist nicht nur Mastermind des Films gewesen, er hat auch den Soundtrack in Eigenregie produziert. Dabei hat er kräfitige Unterstützung von namhaften US-Rappern bekommen, die er für das Projekt motivieren konnte thematisch passende Songs zu schreiben statt einfach irgendwelche Nummern herzugeben. Ein kleiner Auszug der Rapper: KRS One, Afu-Ra, Grand Agent, Planet Asia, O.C., Freddie Foxxx, El Da Sensei um nur einige zu nennen.

Das Interview mit Florian Gaag:

hiphop.at (h): Wie lange hast Du an dem Film gearbeitet (von der Idee bis zur Fertigstellung)?

Florian Gaag (F):Vom ersten Wort im Drehbuch bis zur Premiere von WHOLETRAIN auf der Berlinale 2006 sind fünf Jahre vergangen. Aber die Arbeit ist längst noch nicht beendet. Ich bin mit den Film auf internationalen Filmfestivals unterwegs , versuche Distribution in den von mir bereisten Ländern zu bekommen, stelle gerade den Soundtrack fertig und kümmere mich um alle weiteren anfallenden Belange.

h: Was sind Deine Bezüge zum Malen?

F: Ich habe 1984 angefangen zu malen und war bis in die 90er Jahre aktiv. Darüberhinaus verbindet mich seit dieser Zeit ein nicht nachlassendes Interesse mit der Kultur.

h: Haben die Hauptdarsteller einen Grafitti-Bezug gehabt? Bzw. wie schnell haben sie das Malen für die Filmszenen gelernt

F: Mike Adler (David im Film) ist der Einzige, der auf eine Graffiti-Vergangenheit zurückblicken kann. Alle anderen hatten in irgendeiner Form schon mal Kontakt zu Kultur oder Szene, haben getaggt oder kannten Writer. Aber natürlich war keiner als Maler auf dem Niveau der in WHOLETRAIN gezeigten Bilder. Wir haben sie deshalb vor dem Dreh in einem dreiwöchigen „Seminar“ unterrichtet, ihnen die wichtigsten Bücher und Filme nahegebracht. Neon und Ciel haben sie in Zeichen- und Mal-Techniken eingeweiht. Wir sind auch mit ihnen ins Yard gegangen um diese spezielle Atmosphäre zu vermitteln.

h:Wie sind die Kontakte zu den Warschauer Verkehrsbetrieben zustande gekommen, deren Züge ja im Film bemalt wurden und dann auch durch Warschau gefahren sind?

F: Der Kontakt nach Warschau ist über einen Freund entstanden, mit dem ich in New York Film studiert habe. Einer seiner Kollegen hat in Warschau eine Filmproduktion gegründet, mit der wir für WHOLETRAIN zusammengearbeitet haben. Diese Filmproduktion hatte einen sehr guten Kontakt zu den dortigen Verkehrsbetrieben, beziehungsweise wusste genau, wie man mit den entscheidenden Behörden ins Geschäft kommt...

h: Wie hoch war der Anteil von professionellen Schauspielern in dem Film? Den "guten" Polizisten aus der Soko kennt man ja vom Fernsehen, dass Roger Rekless, Schauspieler ist, wäre mir neu.

F:Ich habe die meisten „erwachsenen“ Rollen mit professionellen Schauspielern besetzt. Die Haupt- und Nebendarsteller sind alle Autodidakten, lediglich Mike Adler macht jetzt eine Schauspielausbildung. Mir war es mir wichtig, mit Leuten zu arbeiten, die nicht durch eine klassische Ausbildung gegangen sind, mit Sprachtraining und all den anderen Techniken, die zwar für eine gewisse Klarheit in der Darstellung sorgen, oft aber dem Spiel die Spontaneität und Seele nehmen.

h: Woher kennst Du die professionellen Maler? Wie viel Einfluss hatten sie auf den Film?

F: Die Münchner Maler, also Neon, Cemnoz und Won, sind Kollegen aus alten Tagen. Ciel ist ein jüngerer, extrem talentierter Maler, den ich über Neon kennengelernt habe. Und auch der Kontakt zu Pure, einem New Yorker Old Schooler, der zur Zeit der Dreharbeiten in München gelebt hat, kam über Neon. Wir haben uns vorher alle zusammengesetzt und die Konzeption der Bilder durchgesprochen. In Einzelheiten der Gestaltung hatten sie aber freie Hand. Auf Drehbuch und Umsetzung bzw. Ästhetik des Films hatten die Maler keinen Einfluss.

h: Im Q&A (Florian hat nach der Premiere dem Publikum ein paar Fragen beantwortet) hast Du gemeint, dass bei den Szenen wo David seine Wut mit Tags rauslässt nicht alle Flächen legal getaggt wurden. Habt Ihr da keine Angst gehabt, dass ihr da Probleme bekommen hättet?

F: Nein.

h: Du hast auch eine wesentliche Rolle am hervorragenden Soundtrack gehabt, der nämlich von Dir geschrieben und produziert wurde. Seit wann produzierst Du? Hast Du schon andere Sachen vor dem Soundtrack veröffentlicht?

F: Ich habe mir vor ca. 15 Jahren ein Keyboard mit Sequencer gekauft, später einen Atari-Computer und habe so hobbymäßig vor mich hingebastelt. Als ich 1994 zum Studium nach New York gegangen bin, hatte ich keine Zeit mehr zum Musik-Machen. Für WHOLETRAIN habe ich meine alte Leidenschaft dann wieder aufgenommen.

h: Wie ging sich der Soundtrack zeitlich neben dem Filmproduzieren aus und erzähl noch mal kurz wie der Kontakt zu den US-Rappern zustande gekommen?

F: Zeitlich war diese Doppelbelastung kaum zu bewältigen, da wir parallel auch schon angefangen hatten, den Film zu mischen und die Premiere kurz bevorstand. Mit jedem der auf dem Soundtrack vertretenen Artists war das Procedere der Kontaktaufnahme und Zusammenarbeit unterschiedlich. Manche habe ich bei Shows abgepasst, andere in New York aufgesucht, zum Teil hat mir der New Yorker Writer Ket mit Kontakten ausgeholfen. Ich habe dann jedem einzelnen Szenen aus dem Film gezeigt und erklärt, was ich mir inhaltlich für die Lyrics wünschen würde.Spätestens als sie den Vibe des Projektes verstanden hatten, waren sie sehr offen. Ich bin wirklich froh, dass es in relativ kurzer Zeit dann doch so reibungslos abgelaufen ist.

h: Wann wird der Soundtrack käuflich zu erwerben sein?

F: Mit den Veröffentlichungsterminen ist das ja so eine Sache...Ich habe gerade noch zusätzliche Tracks mit Akrobatik und El Da Sensei aufgenommen und plane die Veröffentlichung für Herbst / Winter 2007. An dieser Stelle auch noch mal die herzlichsten Shout-outs an die Kollegen, mit denen ich für den Soundtrack kollaboriert habe: Roger Rekless, der alle Cuts beigesteuert hat, Tom Batoy, in dessen Studios wir aufnehmen durften und die Hitfarmers, mit denen ich bei Mixing und Engineering zusammengearbeitet habe.

h: Was erwartest Du Dir von Deinem Film international und auch in Österreich? Gibt es schon konkrete Pläne was nach den Kinovorstellungen passieren wird? Planst Du eine DVD oder wird der Film bald im Fernsehen sein?

F: Ich würde mir wünschen, dass WHOLETRAIN noch in einigen Ländern in die Kinos kommt. Das internationale Feedback ist ohnehin schon sehr gut. Gerade in Amerika, speziell in New York, wird der Film extrem gut angenommen und viele Maler, die maßgeblich für Entstehung und Verbreitung der Kultur verantwortlich sind, halten WHOLETRAIN für den besten filmischen Beitrag zum Thema. Das bedeutet mir natürlich viel. In Österreich wäre es schön, wenn der Film eine gewisse Präsenz und über das Szene-affine Publikum hinaus auch andere Leute erreichen würde. In großen Teilen der Bevölkerung herrschen ja nach wie vor völliges Unverständnis und Ignoranz der Kultur gegenüber. Wenn der Film hier einige Türen öffnen könnte, würde mich das freuen. WHOLETRAIN wird auf DVD erscheinen, ein Veröffentlichungstermin steht allerdings noch nicht fest. Im Fernsehen wird WHOLETRAIN frühestens 2008 ausgestrahlt (Anm. d. Red: Der deutsche Sender ZDF ist mit seier Reihe "Das kleine Fernsehspiel" Co-Produzent des Films).

h: Was waren die schönsten und was die schlechtesten Erfahrungen während der Produktion des Films?

Die schönste Erfahrung ist, ein Team von talentierten Mitarbeitern gefunden zu haben, mit dem ich in genau dieser Zusammensetzung gerne für mein nächstes Filmprojekt zusammenarbeiten würde. Die schlechtesten Erfahrungen haben mit Menschen zu tun, die nicht kreativ, aber in anderer Form in das Projekt involviert sind.

h: Das Budget für Deinen Film lag bei 750.000 Euro. Das hört sich für einen Normalsterblichen nach viel an ist aber im Filmbusiness relativ wenig. Dadurch hast Du wahrscheinlich viele Leute zu ehrenamtlicher Arbeit überzeugen müssen? Lief das einfach und wie motiviert man Leute dazu?

F: Das Budget lag bei ca. 700.000 Euro, und es ist nicht nur relativ wenig, sondern für einen Film dieser Größenordnung schlicht und ergreifend viel zu wenig. Wir mussten an allen Ecken und Enden sparen. Fast alle haben für einen Bruchteil ihrer üblichen Gage gearbietet, ich habe völlig auf mein Gehalt verzichtet und alles in den Film investiert. Da mein Team ein ausgesprochenes Soul-Team war und jeder Einzelne an den Film geglaubt hat, war da natürlich schon mal eine Grundmotivation. Aber wenn du dann nach dem dritten Nachtdreh um vier Uhr morgens bei Nieselregen und klammen Temperaturen zwischen zwei Zügen kauerst und die Produktion verkündet, dass sie keine Überstunden für das Team bezahlen wird, muss man sich schon mal was einfallen lassen...

h: Du hast gesagt, dass Dir nach dem Film Drehbücher zu "typischen" Jugendfilmen wie Skaten oder BMX angeboten wurden. Warum hast Du die abgelehnt?

F: Weil bei den meisten Filmproduktionen im deutschsprachigen Raum keinerlei Sensibilität dafür vorhanden ist, was authentische Dialoge ausmacht und wie man eine Subkultur integer in einem Spielfilm abbildet. Außerdem habe ich nicht die geringste Lust darauf, in die Schublade „Spezialist für Jugendfilme“ sortiert zu werden. Dafür sind meine Interessen zu vielseitig.

h: Was sind Deine nächsten Pläne? Welche Story würde Dich am meisten reizen?

F: Momentan konzentriere ich mich darauf, den WHOLETRAIN-Soundtrack fertigzustellen und habe gerade begonnen, an einem neuen Album zu arbeiten. Ein neues Filmprojekt werde ich wohl frühestens 2008 angehen, sitze auch schon über einem Drehbuch. Um Details preisgeben ist es aber noch zu rudimentär.


Kommentare

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ja klar du halbidiot

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posted by rozz.bua
denkt man ncoh ein wenig weiter oder zurück dann kann man auch seine schlüsse ziehen. ein fullcolorwholecar mit 30000000 farben und so ... ist eigentlich wenig authentisch... aber bitte grins ich halt ... über dein behindertes posting.

die frage bleibt aber aufrecht. authentisch????

authentisch?

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posted by jaboo
man möge sich einen gedanken mehr machen, und annehmen das es sich bei dem bild um ein sogenanntes "behind the camera" bild handelt. also ein bild hinter den kulissen. ein bisschen mehr humor, ein bisschen mehr hirn und schon grinst man bei so einem bild.

autentisch?

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posted by rozz.bua
man möge sich das letzte bild ansehen