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Total Chaos - Worte & Beats
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Total Chaos - Worte & Beats
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Total-Chaos
Goalgetter
Intonation-Records
DJ Vadim
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icon Am Anfang war das Wort - dann kam der Beat

soho3, am 10.06.2002

pfeilreihe
 

Am 06.05.2002 erschien das langerwartete, zweite Album von TOTAL_CHAOS (aka Manuva und DBH) mit dem fast trocken anmutenden Titel "Worte & Beats" auf Intonation-Recordings. Auf Reisen von Tirol über München nach Wien jahrelang gereifte Erfahrungen spiegeln nur andeutungsweise das wieder, was sich hinter dem Titel des Albums verborgen hält und geradezu einladet, entdeckt zu werden. Ein Album, das man sich erarbeiten muss.

Fast scheint es so, als wäre das Jahr 2002 das Jahr der etablierten österreichischen HipHop-Größen. Denn nach Platten von Schönheitsfehler, Texta und den Waxolutionists melden sich nun auch Total-Chaos nach etlichen Jahren seit ihrem ersten Album und zahlreichen Maxis wieder zu Wort untermalt mit Beats.

Auf kaum einen Tonträger aus Österreich war ich bisher so neugierig wie auf das zweite Album von Total-Chaos, hatten sie mit ihrem ersten Album "Werwaswannwiewo" die Messlatte für österreichischen Rap schon sehr hoch gelegt. Dieses Album gilt nach wie vor als wegweisendes Album im österreichischen HipHop und hat sie auch (nicht nur durch die Mithilfe von Ill Will) über die Grenzen hinweg bekannt gemacht.

Man hat es in den Jahren zu was gebracht, sei es der Sprung zu einem Major-Label, das gemeinsame Studio mit den Waxolutionist, die Mailorder "Goalgetter" oder das gemeinsame Musiker Projekt "Supercity-Soundsystem".

Nun liegt sie vor mir - "Worte & Beats". Das Cover in dezentem Grau und schlicht - wie der Titel des Albums - im Design eines Ghettoblasters, was die Vermutung nahe legen würde, es ginge um die Rückkehr zum Wesentlichen, etwas Puristischem, back to the basics des HipHop - doch weit gefehlt. Hinter den 14 Nummern verbirgt sich mehr, als man durch Cover und Titel erwarten würde.

Aus dem wilden Westen in den etwas ruhigeren Osten übersiedelt, merkt man die musikalischen Einflüsse auf dieser Platte schon deutlicher als auf den Veröffentlichungen zuvor und das obwohl nur bei einer Nummer das "Supercity Soundsystem" ein Instrumental beigesteuert hat.

Wer allerdings Sounds im Stil von "Werwaswannwiewo" oder Club taugliche Stücke wie "Energie" sucht, der wird enttäuscht sein, denn selbst "Energie" ist auf diesem Album nur in der chilligeren Remix Version enthalten.

 

Schon nach der Intro-Nummer "Let it shine" (feat. Aminata) wird einem klar, dass Total-Chaos gereifter sind als jemals zuvor und dass es ihnen nicht darum geht, zwanghafte HipHop-Klischees zu erfüllen, um bei der HipHop-Hörerschaft gut anzukommen. Das Album ist definitiv eine durchdachte Message-Platte (insofern erfüllt es die "back to the basics" Theorie), aber es stellt zugleich auch keinen Anspruch, etwas anderes außer ihre eigene Meinung vermitteln zu wollen.

Einige der Tracks wie "Das Mic", "Gute Gründe" oder "Energie" kennt man vielleicht schon von den Maxis. Zugleich ist das Album aber definitiv ein gut durchdachtes Konzept-Album und die Reihung der Tracks nicht zufällig. Die Stimmung der Tracks wechselt sich ständig ab, die Texte mal persönlich, mal kritisch, mal leicht esoterisch und nachdenklich.

Hin und wieder erinnert mich der Stil des Albums an die Last Poets - vor allem bei der Nummer "Hauptsache". Sehr persönliche, fast schon philosophisch anmutende Ansätze von Kritik an der Mediengesellschaft, dem Internet-Hype, der zu schnell gewordenen Welt, in der Ruhe schon zum steuerpflichtigen Luxusgut mutiert zu sein scheint.

Gäste auf dem Album sind neben der schon vorhin erwähnten Aminata, Skaraab (von Symbiose), Thaistylee und Flip (von Texta). Die Instrumentals stammen Manuva, DBH, DJ Vadim, Holunder (Blumentopf), Slime, Ill Will und Supercity-Soundsystem.

Hier das gesamte Track-Listing:

  1. Let It Shine feat. Aminata
  2. Worte & Beats feat. Skaraab
  3. Pass Auf
  4. Das Mic feat. Thaistylee
  5. Soul Samurai
  6. Atempause
  7. Hauptsache
  8. Gute Gründe
  9. Jahrgang 73
  10. Energie 360° RMX
  11. Bitte Bitte
  12. Fehlerfrei feat. Flip & Thaistylee
  13. Level Zero
  14. Generation Copy Paste

Fazit:
Mit Sicherheit eine Platte, die man mehrmals hören muss, um alle Stimmungen einzufangen.

Ein Album das stimmungsabhängig ist und das sicher nicht geplant war, um es als Ganzes durchzuhören. Literarisch gesehen kein Roman, sondern eher wie ein Buch mit Kurzgeschichten.

Einen Punkt habe ich abgezogen, weil dies ein rein subjektiver Review ist und ich mir persönlich sogar noch mehr von dem Album erwartet hatte. Besonders von Manuvas Texten habe ich mir wesentlich mehr erwartet, da "Werwaswannwiewo" bei mir geradezu Kult-Status hat und Manuva weit mehr auf Lager hat, als er auf diesem Album unter Beweis stellen konnte. Wäre diese subjektive Erwartungshaltung meinerseits nicht gewesen, hätte ich mehr als die Höchstpunktezahl vergeben müssen.

Objektiv gesehen, wage ich allerdings zu bezweifeln, dass "Worte & Beats" ein Verkaufsschlager wird, da man dieses Album wirken lassen und öfters hören muss.

Wem aber Supercity-Soundsystem oder die Waxolutionist gefallen, der wird mit dieser Platte mehr als gut beraten sein. Eine der wenigen Platten, die auch nach mehrmaligem Hören nicht ihren Reiz verliert.


Kommentare

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