Tactik, die junge beattechnische Hoffnung aus der Mozartstadt, released Anfang September sein Debut-Album „The Raw Essence", mit neun vielversprechenden Tracks.
Während Salzburg in den letzten Jahren (hiphoptechnisch) vor allem negativ in’s Gerede kam (man erinnere sich an die „heißen Buben“...), wehrte sich das High5-Entertainment inkl. Demolux und sorgte mit energetischen Lifeshows und qualitativer Musik dafür, dass nun auch die, als „nicht ernstzunehmende ‚Bonzen’-Stadt" bekannte Szene, Gehör findet. Salzburg darf stolz sein!
Tactik hat sich für sein Debut niemand geringeren, als die besten Rapper des Landes an Bord geholt. „Tintenkiller“, avanciert sich aufgrund des Beats, des Rappers und des Vibes zu meiner Lieblingsnummer. Was sonst soll passieren, wenn man die vielen sehr schönen Punchlines eines Linzers, „der schon als 10 Jähriger gerappt hat“, mit den göttlichen Cutz von Chrisfader auf (m)einen (lieblings) Tactik Beat legt? Boombap schön wieder mal von dir zu hören..
Ein synthielastiger Nintendo-Party-Beat vereint bei „100 Pro 50 für jeden“ das altbekannte Duo Thaiman & Demolux. Der Rap könnte auch von 2000 sein, der Beat auch und das ist nicht negativ gemeint.
„Härtetesta“ der Possetrack. Auf einem mystischen, sehr fetten Beat liefern sich Raptoar, (der mir zuvor unbekannte) T-SER, Mirac, Demolux, „Obi Gspritzt Kenobi“ und Def ill ein Stelldichein. Interessant ist hier vor allem Appletree, den ich zum ersten Mal auf Mundart rappen höre. Lines wie „ I stups dei Freindin au im Facebook“ (OGK) oder „Oida i bin soziophob und I horch kane Vamus. Online-Freind san kana Freind weil denen gfoit ollen nur mei Status.“ (Def ill) bezeugen, Social Media sind (nun) auch im Rap angekommen.
Bei „L’hiver“ (franz. Winter) mischen sich asiatische und türkische Samples mit dem französischen und dem türkischen Raps von Amenofils und Nasihat. Eine willkommene Abwechslung.
„Denk dran“ – Gitarrensamples, Frauengesangsample und eine poppige Hook. Die vermeintlich deepe Nummer übers Leben, stellt die Kuschelnummer dar, bei der du deine Freundin in den Arm nehmen und dein Feuerzeug herausholen kannst.
„Split Personality“ – nach einem Filmsample Intro verwandelt sich das Ganze in einen Banger Kopfnickerbeat mit Dancehallelementen und einer viel besseren Hook als bei der Nummer zuvor. Eine schöne, runde Sache.
„Pink Elephantz“ – ein minimalistischer Beat mit orientalischen Samples, ein bisschen Synthie und versetzten Drums. Demolux passt viel besser auf diesen Beat und auch Def Ill glänzt, vor allem lyrisch: „Es is nur a Buchstab zwischen Rapper und Raper.“
„Er, Sie, Es“ – Appletree, der mich hier an Olli Banjo erinnert, bekommt von Chrisfader wunderschöne Cutz und singt sogar ein bisschen auf einem detroitigen Synthiebeat mit Claps. „Kinder ruft die Polizei!“ Es geht um Hoes und die inzestuöse Rap-Szene. „Ich und du hurst, er, sie, es hurt..“
So nun zurück zum Mann der Stunde – Mister Tactik. Der Salzburger beweist uns mit der "Raw Essence" (im Gegensatz zu einigen (!) Rapper/Innen), dass man das Rad nicht neu erfinden muss um dopen Scheiß zu liefern. Der Junge weiß wie’s geht und braucht sich und seine Beats auch nicht vor alteingesessenen Producern verstecken. Oder wie sagt es Kollege Thaiman? „Die rohe Essenz. Tighte delivery in hoher Frequenz“. Dieses Album wäre vermutlich auch allein mit Chrisfaders Cutz, also als instrumentales, besser als der restliche Scheiß da draußen.
COP THAT SHIT! – außer ihr wollt wieder Jahre warten bis etwas herauskommt, dass es wert ist gekauft zu werden..


MUX MOOL











