RAF Camora dürfte und sollte jedem ein Begriff sein, der sich nur im entferntesten mit Österreichischem Hip Hop beschäftigt. Raf Camora ist vielseitiger Musiker, Rapper und Producer, studierter Tontechniker, singt Hooks auf Französisch und spielt außerdem Keyboards und Gitarre. Grund genug sich sein neues Album "vorzunehmen".
Sein neustes Werk „Nächster Stopp Zukunft“ ist eine Mischung aus all seinen Fähigkeiten kombiniert mit pumpigen Beats, unter anderem von Beatlefield, Irievibration, dem Wiener Mezuian und Tobstarr.
Features steuern u.a. Nazar, Joshimziu, der „ersguterjunge“ Chakuza, Konshens, Sonnik Boom und D-BO bei. Das Album sowie das Cover sehen genial aus, irgendwie ist es immer wieder interessant, auch Studiofotos bzw. Fotos der Arbeitsumgebung der/des Künstlers zu sehen. Somit wirkt das Foto auf der Rückseite des Booklets, mit einem schlafenden Raf, witzig und cool zugleich. Auch das sonstige Design der Super Jewel Box CD Hülle ist fein gemacht und lädt zum Kauf ein.
Los legt Raf mit der Nummer „3 MAL“, welches ein balkanartiges/griechisches Sample beinhaltet und in welcher Raf gleich seine französischen Wurzeln vorführt, nämlich in einem fein gesungenem französischem Refrain. Die 2. Nummer „YO“ wiederum kommt auf einem Elektrobeat daher und wirkt deutlich härter als „3 MAL“.
In „Winner“ fällt sofort der geil gesungen Refrain auf, sowie der leicht Synthie-angehauchte Beat.
Bei „Worte“ zeigt Raf, dass ihm Reggae nach wie vor deutlich liegt und Irievibrations legt hier mit Raf´s Keyboard Skills einen pumpenden chilligen Reggea Beat hin.
Überhaupt fällt wieder Raf´s Ironie in seinen Texten auf, immer wieder kombiniert mit genialen Punchlines und Doubles. Während andere Rapper versuchen, so hart wie möglich zu klingen, kommt es bei Raf viel natürlicher und geschmeidiger rüber, egal ob er über Fünfhaus, Berlin oder Reggae rappt. Kleiner Tipp am Rande: Der Krokodil Track is genial!!!
Textlich ist „Go“ mit seinen Double Parts und dem gesungenen Feature von Konshens sicher einer der favorisierten Tracks des Albums, obwohl der R`n`B angehauchte Beat persönlich nicht unbedingt gefällt.
„Fakkermusik“ ist wieder ein Representer Track, wobei hier der Beat nicht ganz überzeugt. Hier kommt ein „Melodyne“ bearbeitetes Sample vor, welches allerdings irgendwie ein wenig stört (wobei hier aber vielleicht auch die Art von Effekt einfach schon total totgehört ist). Nazars Stimme macht alles wieder gut und auch RAF ist textlich schnell und perfekt unterwegs.
Zu Track 7 sei gesagt, dass man ihn einlegen sollte, sobald man mal zu später Stunde oder auch mal tagsüber mit seinen Jungs oder einer feinen Lady im Auto unterwegs sein sollte. Hier kommt absolutes „Cruiser“ Feeling auf.
Ein Track, welcher ebenfalls zu den Favoriten des Albums zählt, ist „Rest in Peace“ feat. Joshimizu, in welchem Raf mit seiner Wien Hip Hop Vergangenheit mehr oder weniger abrechnet. Der Beat ist verträumt langsam und beinhaltet feine Atmo Sounds. Fünfhaus representing!!!
Sehr genial ist der Beat, welcher das feature mit D-Bo untermalt. Hier ist sowohl Rafs Stimme und D-Bos Refrain Part sehr interessant komprimiert und wirkt mystisch und sehr präsent zugleich.
Track 11 „Risiko“ ist wieder ein sehr ruhiger und zum Nachdenken anregender Track, welcher Raf einer anscheinend verflossenen Liebe widmet.
Alles in allem liegt wieder ein sehr breit gefächertes Album von RAF, dem Wahlberliner, vor, welches von Reggea über dicke Synthie Beats bis hin zu gitarrenlastige Tracks alles abdeckt was eigentlich derzeit in der Hip Hop Welt existiert. Raf bleibt - wie schon am letzten Album - dem „Schmäh“ in seinen Texten und seiner Zweideutigkeit treu und beweist eindrucksvoll, dass er zu den wenigen wirklich guten Mc`s in diesem Land zählt und braucht sich auch vor Konkurenz aus dem (guten) Nachbarland Deutschland nicht scheuen.


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