...lautet ein piefkinesischer Ausspurch, den ich meiner Kindheit in Deutschland nur zu oft gehört habe. Anscheinend wird dieses Wort aber auch in Österreich verwendet, denn wie sonst kommt eine heimische Band auf so einen Namen für sich?
Meschugge ist zwar als Band ein Neuling auf der österreichischen Rapkarte, die Bandmitglieder Rapha.L (Beats), Luc.Azz aka Mamut (Text) und DJ Dan (Cuts) sind aber Linz-Rap-Kennern seit 10 Jahren ein Begriff. Meschugge ist nämlich neben Engelstaub, die 2005 das Album "Im Jahr des Drachen" veröffentlichten, das zweite "Abfallprodukt" der Brotlosen Kunst (ehemals Waiszbrohd).
Konsequent wie auch schon die Vorgängerprodukte ist das Erstlingswerk von Meschugge "Milde Aggression" keine einfache Kost. So wie es mir mit den Sachen der Brotlosen Kunst Ende der 90er Jahre ging, wird beim Ersthörer am Anfang wahrscheinlich eine Assoziation wie "Was ist denn das bitte?!?" entstehen. Aus dem Ersthörer wird aber bei genauerem Hinhören ein Mehrfachhörer, der dann das Ganze langsam zu verstehen beginnt. Modernen bildenden Künstlern ist es wahrscheinlich bei der Ausstellung ihrer Bilder zu Beginn des 20. Jahrhunderts ähnlich gegangen. Gehen wir also in medias res und werfen einen Blick auf die "Milde Aggression":

Das Album besteht aus 13 Tracks und beginnt mit einem Outro-Track namens "Abschiedsparty" und erst dann folgt mit "Brainstorm" die Introduction. Die Raps sind das wohl gewöhnungsbedürftigste. Denn Betonung und Reime entsprechen eben nicht dem klassischen Raphörerverständnis. Was sich am Anfang nach banalen Kinderreimen anhört, ist einfach der Style der das ganze Ding vom 08/15 Raprelease unterscheidet. "Wenn Rap zu Dir spricht, hörst Du besser hin" lautet das Credo des gleichnamigen Tracks der sich mit dem Gehabe von HipHops beschäftigt.
Interessant ist auch die Aufeinanderreihung von Warm und Kalt, die sich durch das gesamte Album zieht. Kritik an der kalten Gesellschaft, die sich auf Materialismus begründet, folgt ein Track namens "Eiszeit", in dem Mamut seine unterkühlte Beziehung zur Liebe trotzdem mit dem Wunsch nach Wärme beschreibt. Prinzipiell dürften gerade die Liebeslieder nach einer gescheiterten Beziehung wohlgefallen finden (Hookline beim "Migräne Song": "Verlass mich, geh aus meinem Kopf, bitte nimm doch Abschied, ich hass Dich").
Die Beats sind elektronisch orientiert und begnügen sich mit wenig Samples. Die düstere Stimmung wird durch diese sehr drumlastigen Beats unterstrichen. Mein persönlicher Favorit ist "Der Letzte Tanz", eine Nummer, die trotz und gerade wegen des dunklen Textes clubtauglich ist sowie "Fifty/Fifty" eine Ode an die Rapmusik, die wohl die positivsten Aussagen am ganzen Album beinhalten.
Releast wurde das Album natürlich am Texta-Label Tonträger Records und ist im guten Fachhandel sowie in größeren Ketten auf Einfach-Vinyl und CD erhältlich.


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