Gestern abend war es soweit, die lang erwartete Premiere des Dokustreifens von Lona Luna und Maniok "Mehr Als Tausend Worte" feierte seine Weltpremiere im Wiener Schikanederkino. Geschätzte 250 Personen nutzten die Gelegenheit um bei freiem Eintritt diesen Film über Rap in Österreich zu sehen und nachher gemeinsam zu feiern. Ein Jahr arbeiteten die zwei Macherinnen an diesem Streifen und begleiteten einige österreichische MCs in ihrem künstlerischen Leben und das ganze ohne einen einzigen Cent an Förderung oder Sponsoring.
Gleich vorweg: In diesem Film kommen MCs vor, die manch ein Forumsbenutzer abfällig als "Ökos", "Studentenrapper" oder "Rucksackträger" bezeichnet. Die Protagonisten sind aber realer in ihrer Sprache und ihrem Tun als die so angehimmelten Straßenrapper deren Fans hier gerne die Klappe weit aufreissen. Es geht um MCs nicht um Rapper. Wer sich also für diese Art Rap nicht interessiert, braucht gar nicht mehr weiterlesen, denn in "Mehr Als Tausend Worte" geht es weder um Gewalt, Machoplatitüden und Diskriminierung.
Begleitet werden die MCs Manuva, Kamp, Deph Joe, p.tah, Kayo, Thaiman, Jack Untawega, Benedikt Walter, Bauxl, Dokta G.C. und Mista Wisdom sowie die Producer Brenk, Fid Mella und Whizz Vienna und DJ Vektor. Nach einer gerappten Vorstellungsrunde der geht es in die Wohnungen/Studios, und die Jungs erklären einiges über ihre Herangehensweise an neue Tracks. Dabei geht es um die Frage ob der Text auf die Beats gelegt wird oder die Beats zum Text produziert werden. Fid Mella stellt ein Sample vor und wie er es in einen Beat einbaut. Manuva stellt sein "schlaues" Buch vor in dem er sich Textfetzen aufschreibt und beschreibt die schwierige Beatauswahl am Beispiel von drei Beats, die er über einen seiner Texte legt. Am entspanntesten wirkt Kayo der im Plastikstuhl vor einer Hecke im Garten sitzt und erklärt. Gerade dieses Bild muß für Strassenrapfans als Bestätigung all ihrer Klischees wie die Faust aufs Auge passen.
Der nächste Schritt beschreibt die Aufnahme. Der leicht angetrunken wirkende Whizz Vienna erklärt die etwas chaotische Herangehensweise der VOZ-Crew, die durch ein Zettelwirrwarr von Kamp bestätigt wird. Man sieht Deph Joe beim Einrappen seiner Texte. Zwischendurch sieht man immer wieder die etwas hektisch wirkenden Linzer Tonträger-Jungs Jack Untawega und Benedikt Walter, die ihre Meinungen zu Rap als eine Art Balkon-Muppets abgeben und dabei die Lacher im Kinosaal immer auf ihrer Seite hatten. Das diese MCs kein ungebildetes Pack sind, bestätigt sich bei den Aussagen über Reimstrukturen und Textfindung. Vor allem bei den Erklärungen von Mista Wisdom kann es durchaus passieren, dass der eine oder andere Seher aussteigt.
Der dritte Teil begleitet die Künstler zu ihren Konzerten. Dieses Element zeigt leider die Schwachstelle dieser No-Budget-Produktion: Die Tonqualität ist bei manchen Konzertmitschnitten manchmal mehr als lausig und trotz der schlechten Tonqualität dann manchmal auch zu langwierig.
Lona Luna und Maniok ist eine liebevolle Dokumentation über einen Teil der österreichischen Rapszene gelungen. Zur Zeit sind sie noch auf der Suche nach weiteren Kinos in denen der Film gezeigt werden kann. Wer ihnen dabei helfen will, kann sie über die myspace-Seite des Films kontaktieren, auf dem auch die Trailer zu sehen sind. Eine DVD soll dann folgen.


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