Es ist ein versiffter Abend in Wien, der mich unter anderem auch ins vollgepackte Ra'mien führt. Dort unten rennt ein bulliger Typ rum und versucht CDs aus einem Plastiksackerl zu verkaufen. Den ersten Verkaufsversuch wehre ich ab, denn Leute, die einem irgendetwas aus Sackerln andrehen wollen, gibt's genug (Stichwort: billige DVDs von Kinoblockbustern). Ein Bier später komme ich aber doch mit ihm ins Gespräch.
Kid Pex heisst der resolute, selbstbewusste Verkäufer, und nachdem ich mich als hiphop.at-Redakteur oute, beschwert er sich bitter, dass sein Album hier noch nicht reviewt wurde. Doch wie heisst es so schön: "Durch's Reden kommen die Leit zsam", und so hielt ich wenige Minuten später sein Mixtape "Gastarbeiterlife" in Händen, dass hiermit sein verdientes Review bekommt.
"Gastarbeiterlife" ist das Solo-Debut, des in Kroatien geborenen Kid Pex, der in den frühen 90ern mit seiner Familie nach Wien gezogen ist. Eine klassische Geschichte dieser Stadt entwickelt sich. Einflüsse von zwei Kulturen können einen jungen Menschen verwirren oder auch beflügeln. Kid Pex entwickelt früh eine Liebe zum HipHop und beginnt anfangs auf Deutsch zu rappen, doch mit der Zeit entscheidet er sich für seine Muttersprache Kroatisch.

Jetzt ist es für mich schwierig kroatische Raps zu beurteilen, doch auch wenn mir von ihm angeboten wurde bei der Übersetzung zu helfen, lehnte ich das Angebot ab, denn erstens ist Rap eine Sprache, die man nicht unbedingt wortwörtlich verstehen muß, und zweitens gibt es ja auch deutsche Parts auf diesem Mixtape. Slawische Sprachen sind einerseits wahrscheinlich die Schwersten um Flow zu übermitteln, durch die Wortsstämme vermitteln sie aber indirekt auch eine gewisse Härte. Kid Pex schafft es perfekt seine Muttersprache on point einzusetzen, die Raps drücken durch seine Sprache Härte aus, für einen Strasserapper ein wichtiges Merkmal.
Die Beats - unter anderem von N-Jin, DMC, Faun, Serial G und Freshmaker - sind großteils elektronisch angehaucht und spiegeln den derzeitigen Trend weg von Samples hin zu Synthies wieder. Die Produktionen sind sehr sauber, auch wenn Strassenrap die Dreckigkeit der Sprache durchaus auch im Beat vertragen würde, aber das ist ein generelles Problem, nicht nur bei diesem Album.
Laut CD-Booklet kommt bald ein richtiges Album, auch wenn dieser 19-Track-Silberling schon das Prädikat Album verdient. Vielleicht werden beim Album dann weniger Features dabei sein, denn "Gastarbeiterlife" ist vollgepackt mit Gästen. Während gerade zum wiederholten Mal mein Lieblingstrack "Tschuschen Machen Geld RMX" - ein schönes 50 Cent-Cover - läuft, noch ein kurzes Fazit: "Gastarbeiterlife" von Kid Pex demonstriert eindrucksvoll wie viel Kraft und Energie im Künstler steckt, und wenn er seinen Weg richtig geht, wird es nicht so schnell still um ihn.
TRACKLIST (Hier das Snippet)
1.Intro (Beat: N-Jin)
2.Dodji u Bec / Komm nach Wien feat StvdB (Beat: DMC)
3.Twista
4.Zurka, tulum, party (Beat: Phlow)
5.Da bin i kod kuce feat Faun (Beat: Faun)
6.Stalno high
7.Gastarbeiterlife (Beat: Frades)
8.2 hustler feat Madin Zupreme
9.Skit (Rap-Definition)
10.Hip Hop, Hip Hop (Beat: Gebrüdah)
11.Na krivoj zurci feat Bloody & Dare (Beat: Phlow)
12.Wien, Du Punk feat Mag-D
13.Vienna City rider
14.Echter Tschuschenshit feat Luluvic (Beat: Dr. Drunkadelic)
15.Zasto / Wieso feat ADMC (Beat: Ill Eagle)
16.Skit
17.Jebite se svi
18.Gastarbeiter-Crunk feat Serial G (Beat: Serial G & Neroin)
19.Myspace-Preview Track (Beat: Freshmaker)
20.Tschuschen machen Geld (RMX) feat Nockout


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