Eine Legende besagt, sieben einzigartige Künstler haben sich zu einer Einheit zusammengeschlossen, um unter dem Namen Kanj'aimusic das Phänomen der flächendeckenden Verbreitung schlechter Musik verbal zu bekämpfen, seien sie gemeinsam schließlich unbesiegbar. Begonnen habe das Spiel bereits, eingeleitet durch ein Mixtape mit dem Titel „Die Lieder der außergewöhnlichen Gentlemen".
DJ KingFu bildet zusammen mit den Rappern Alex22, Gis, Mr.Aight!, Nandi, O.G.L. und The W.F. die sieben Pfeiler von Kanj'aimusic. Vor kurzem feierten sie nach zahlreichen gemeinsamen Live-Auftritten ihr erstes Release. Schon vorm Einlegen dieses Tonträgers in den CD-Player fällt das ziemlich edle Cover-Design auf und bereits in den ersten Minuten, die man diesem Mixtape widmet, fällt die für ein in Eigenregie veröffentlichtes Release überraschend hohe Klangqualität auf.
Im Intro erklärt Nandi klipp und klar, wie viel Schweiß in diesem Mixtape stecke. Dass dies auch wirklich der Fall zu sein scheint, wird schon beim ersten Reinhören klar: Die Texte sind großteils sehr durchdacht und sollen auch etwas aussagen. So hat „Die Lieder der außergewöhnlichen Gentlemen" sehr viele deepe Momente, die hier und da sogar für Gänsehaut sorgen. Inhaltlich ragt besonders der tiefsinnige Gis heraus, doch auch Alex22 und Nandi wissen diesbezüglich zu überzeugen. Eher in Richtung Representer- und Fun-Rap gehen die Texte der anderen drei MCs. Mr.Aight! leistet dabei solide Artbeit am Mic und auch O.G.L. und The W.F. bieten gute Raps, wobei ich mir bei den Lyrics dieser beiden Herren eine Spur mehr Komplixität gewünscht hätte. Es liegt mir aber fern, die MCs von Kanj'aimusic ihren Style betreffend in irgendwelche Schubladen zwängen zu wollen!
Zu den Features: Mortal NMI von der Rhyme D-Sign Crew überzeugt durch technisch einwandfreien Doubletime-Rap, Sebelian glänzt durch gefühlvolle Gesangspassagen. Für die nötige Abwechslung auf dem Mixtape sorgen Tombo von der Band Cheesevibes samt seines Reggae-Styles sowie die Mundart-Raps von Michael Kane.
Die Beats auf diesem Tonträger finde ich insgesamt ganz gut, doch hinterlassen sie teilweise einen etwas bitteren Nachgeschmack bei mir. Das Mixtape ist nämlich zu einem hohen Prozentsatz unglaublich melodisch, was ich nur gutheißen kann, doch gleichzeitig ist mir der eine oder andere Beat etwas zu lasch. Ein wenig druckvollere Drums und bzw. oder etwas präsentere Basslines hätten einigen Produktionen sicherlich gut getan. Die elektronischen Beats auf dem Mixtape finde ich zwar ganz nett produziert, doch klingen sie mir zu synthetisch, als dass ich wirklich viel damit anfangen könnte. Dass die Beats insgesamt aus verschiedenen Federn stammen, das ist zu erahnen, doch sind auf dem CD-Cover diesbezüglich keine Details zu finden. Die Scratches auf dem Mixtape stammen von DJ KingFu sowie den Smart Bros und sind durchwegs gut gelungen, wenn auch technisch eher simpel gehalten.
Fazit: Dieses knapp 80-minütige Mixtape kann sich durchaus hören lassen, es hat aber leider einige kleine Schwächen. Viele Tracks sind zwar sehr gut gelungen und beweisen, wie hoch das Potenzial von Kanj'aimusic ist, doch in anderen Tracks wiederum wird gerade dieses Potenzial leider nicht vollends ausgeschöpft. Einige zwar immer noch ganz gute, aber insgesamt doch weniger interessante Tracks trüben somit das Gesamtbild des Mixtapes - doch auch wenn ich beim Anhören dieses Tonträgers einige Lieder hin und wieder dank der „Skip Forward"-Taste auf meinem CD-Player gerne überspringe, laufen bei mir auch viele Tracks auf Heavy Rotation! Empfehlen würde ich „Die Lieder der außergewöhnlichen Gentlemen" also allemal, und so verweise ich an dieser Stelle auf das Snippet von diesem Mixtape, damit ihr euch auch selbst ein Bild von der Kanj'ai-Musik machen könnt.


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