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Kamp & Whizz Vienna - Versager Ohne Zukunft
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Kamp & Whizz Vienna - Versager Ohne Zukunft
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icon [REVIEW LP] Kamp & Whizz - Versager ohne Zukunft

Senorita, am 23.02.2009

pfeilreihe
 

 „Scheiß auf Storytelling. Das ist Stolitelling.“

Kamp, der meinen Walkman doch noch überlebt hat, lädt zum letzten musikalischen Abendmahl und lässt mir nicht viel übrig zum (Ver)reißen. „Versager ohne Zukunft“ ist der bedeutungsschwangere Titel des ersten und letzten Studioalbums der Wiener Freestyle-Legende.

Kamp muss man zuhören… und danach einweisen lassen. Wer dem Helfersyndrom erlegen ist, wird ihn vor sich selbst retten wollen. Denn so positiv und voller Sonnenschein die Beatvibes sein mögen, so düster und depressiv wirkt das Gesprochene. Dieser bewusst gesetzte Kontrast schafft es, dass man sich ein bisschen vorkommt wie Alice im Wunderland, die dem Osterhasen „Hasenzahn" nachläuft. Doch gerade wenn man sich denkt: „dieser Typ gehört psychiatrisch betreut", zeigt Kamp mit einer von Ironie triefender Textpassage, dass man den Galgenhumor nicht allzu ernst nehmen darf. Die für Wien charakteristische Morbidität zieht sich wie ein roter Faden durch alle 19 Tracks. Gerappte Suizid-Fantasien, die perfekt in das jeweilige Thema integriert werden, stehen wohl symbolisch für den Abschied von Rap.

Die österreichische Prominenz wird so oft in den Songs verwurstet, dass sich einem unweigerlich das Bild von einem, den ganzen Tag vor "Hi Society" sitzendem Verrückten aufdrängt. Um die Komplexität der Textstrukturen von Kamp wirklich erfassen zu können, muss man ihm sehr gut zuhören, auch wenn sich das Raptempo nicht wirklich verändert hat.
Whizz, von dem ausnahmelos alle Beats stammen, dürfte dies erkannt haben und lässt Kamp kein einziges Mal den ganzen Track lang zu Wort kommen. Samples wunderschöner, souliger Frauenstimmen und treffende Cuts von diversen Djs, ermöglichen dem Zuhörer immer eine kleine Verschnaufpause und bieten Gelegenheit, über soeben Gehörtes nachzudenken.

Beim ersten Track „Der Anfang vom Ende" trumpft Whizz mit einem genialen Soulsample auf, welches passender nicht hätte sein können (I'm a Loser).  Kamp rappt darüber, dass er sooft gewatscht wird, dass er im „Message" eine eigene „Klatsch"-Spalte bekommt. Worterspielereien sind seit jeher die Stärke des Wieners. Wenn man sich das Booklet ansieht, sollte man den Jungs eigentlich schon allein für die Titelgebung ein Denkmal setzen. „Kein Tag für Eva" (das Highlight des Albums) wird im nächsten Lied „Ein Tag für Eva".  Nr. 1 überzeugt vor allem durch das geniale, Whizz untypische Sample (kein Soul) und experimentelle Drum-Arrangement. Während Kamp beim Ersten fast aufs Mikro kotzt und danach die Welt verdammt,  springt er beim Zweiten fröhlich gähnend aus dem Bett und geht nach Schönbrunn joggen.

Bei „So Sorry" kommt Kamp wieder mit einer großen Portion Selbstironie und meint auf sein Album bezogen: „Dafür willst du nicht zahlen, mein Leben ist ein mieser Streifen, wie soll die Filmmusik charten?" Würde das Leben des No-Future-"Kid" verfilmt werden, wäre der Hauptdrehort wahrscheinlich das Wiener Roxy, das einige Male Schauplatz feuchtfröhlicher Storys ist. Nach diesem Album wird den Besitzern wohl auch klar werden, warum dort ständig spurlos Stoli-Gläser verschwinden...

„Was hab ich gerade gemacht?" ist ein Liebeslied, bei dem Whizz ein Sample verwurstet, das auch schon die Beginner verwendet haben, jedoch verwendet er einen anderen Teil und macht damit einen mehr als dopen Beat daraus. Was ich persönlich sehr anstrengend finde sind die drei „Liebeslieder" die noch dazu (knapp) hintereinander kommen. Denn die bereits besprochene Nummer 12 und weiters 10 und 13 widmet Kamp seiner Exfreundin und selbst ich glaube, dass ich jetzt mehr von ihrer Beziehung weiß, als ich wissen wollte. Wenigstens sieht er's selbst ein: „Vielleicht hab ich's beendet aus Zerstörungfreude. Oder wie kommt's, dass ich wie Curse rumheule?"

Als „Stolibub" rappt er, wie der Titel schon erahnen lässt, über sich selbst, auf einem jiggyangehauchten Doubletimebeat, und Whizz zeigt wieder mal, wie genial er produzieren kann. Lines wie: „Schau meine Karriere an – hier Lupe und Pinzette" oder „Ich bleib die Nummer 1 bei Vorher-Nachher-Spots" beweisen, dass es auch lustig sein kann sich selbst zur Zielscheibe zu machen.

Wem es nicht reicht von Kamp lediglich zu wissen, wie seine Boxershorts aussehen, und wer mehr über das Innere erfahren möchte, der bekommt hier die Möglichkeit an seinem Leben „teilzuhaben". Denn der 26-Jährige trägt sein Herz auf der Zunge und legt einen Seelenstriptease hin, den ihn in Österreich mal einer nachmachen muss. Er beweist außerdem wieder einmal, wie gut Rap eine bildhafte Sprache steht, eine, die man sich früher vielleicht beim „Gute Nacht-Geschichten-vorlesen" gewünscht hätte. Fans von „d.K.d.t.B" werden hier vielleicht ein bisschen, lieb gewonne Charactere wie Rosmarie, Helmut, Santa Klaus oder Hasenzahn vermissen, doch Kamps Meinung dazu sagt er ganz klar: „Scheiß auf Storytelling. Das ist Stolitelling."

Was soll man da noch sagen? Wer dieses Album nicht kauft, ist hier entweder auf der falschen Seite, oder einfach nur ignorant. 

 

 


Kommentare

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Yes!!!!

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posted by Zinus187
Stoli 4life

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posted by Estefano
kamp is king!

AW:

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posted by tesch
  deFFinitly...

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posted by DJ Stress
Hammer-Scheibe. ...das wirdn Klassiker, bzw. das vielzitierte Denkmal.

flip

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posted by flip
schönes review, noch bessere platte. instant classic!

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posted by FlowzenKing
Sounds nice, anghört wirds auf jeden Fall!

hehe

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posted by Burnee
na da darf ma ja gespannt sein

AW:

hehe

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posted by Burnee
  jetzt glaub ichs dir ohjaaaa