Seit dem Release der Bloodclath Bauerncrew Demo 2005 sind zwei Jahre ins Land gegangen und dennoch war es nicht still im (um) Hinterland. Man perfektionierte Live-Auftritte und während die Crew-Djs Abillity und Hooray die Mixtapes Forth & Back / Viere & Zruck und Stahlstadt Flavour unters Volk brachten, kümmerten sich Akinyemi und Sirius um die Schreibarbeit für das geplante Debut Zwa Seiten.
Am 15. September 2007 ist es dann soweit: Hinterland veröffentlicht ein Album, bei dem man sich darauf konzentriert, dass jedes Ding Zwa Seiten hat: der Mensch, das Leben, Hiphop und selbst Sprache, denn auf dem Release, das nicht ein Skit enthält, finden sich sowohl Mundart Raps als auch 4 hochdeutsche Tracks. Für das Artwork der 17 Nummern starken CD zeichnet sich einmal mehr Regim (IFOS), für Mischung und Mastering in erster Linie, der von der Antwort bekannte Dokta GC verantwortlich.
Beim ersten Durchhören fällt sofort auf, dass es sich bei Zwa Seiten um ein nachdenkliches Album handelt, was sich sowohl in der Wahl der Beats als auch der Themen niederschlägt. In Wir vergessn ned geht es um den im österreichischen Gedankengut tief verwurzelten Rassismus und die typischen Klischees mit denen Ausländer nach wie vor konfrontiert werden. Der von Akinyemi selbst produzierte Track wartet mit einem Sample auf, das an Kruder und Dorfmeister erinnert und wird vor allem durch seinen zweiten Part zu einer flashigen Sache. Bei Alle schafft GC eine harmonische Kombination aus einem schönen Sample und einer harten Bassdrum und bietet die perfekte Untermalung für eine melancholische Nummer über Zivilcourage. Beim von Roleee Solo produzierten Die andere Seite featuring Wort:Wörtlich entsteht ein Stück Alltagswahrheit nach dem Motto „Shit happens" auf einem chilligen Beat mit lateinamerikanischem Gitarrensample.
Aber selbst bei Hinterland muss ein bisschen Representing sein: so stellt man sich im Titeltrack Zwa Seiten auf einem Digga Mindz-Beat vor, der durch ein eingängiges Sample zum Ohrwurm werden kann, holt im Souldiertrack Hillbilly Anthem Average dazu und schmeißt bei Namenlos, produziert von Flip [Texta], mit eben diesen um sich: "o.k, das Verherrlichen von Reefer is a Talent, nochamal und ich brech dir das Kiefer wie Sutherland." Die Say My Name Cuts in der Hook stammen von DJ Dan. Neben den bereits erwähnten wartet das Album aber noch mit Features von Def Ill bei Blackbooks, von Muff, dem Frontman der Linzer Punkband Random, bei Loss mi und von GC beim Dialekttrack Bauernregeln auf. Die zweitgenannte Nummer von DJ Abillity wird vor allem durch das an Underwater Love erinnernde Sample und die gesunge Hook interessant und verdient ein Hinhören. Produktionstechnisch auch nennenswert: der Schluss mit lustig Remix von Whizz Vienna, Blackbooks und Daham von Loco und I remember / i deng zruck, das von Flamming Mo produziert wurde und wo man sich an die eigenen Anfänge erinnert. Bei 32 Runden und beim Bluadsauga Remix legt Def Ill selbst Hand an. Erwähnenswert ist eventuell noch, dass letzterer bereits als Titelmusik zum gleichnamigen Film von Oliver Jungwirth fungierte.
Gesamt liefert Hinterland ein respektables Erstlingswerk ab, dass nicht nur stumpfe Hip Hop Klischees bedient, sondern auch zum Nachdenken anregt. Interessant ist allerdings, dass sämtliche hochdeutschen Tracks viel runder und harmonischer wirken als jene im Dialekt. Vielleicht ein Hinweis, den man bei zukünftigen Produktionen berücksichtigen beziehungsweise als Ansporn nehmen kann. Erhältlich ist das Album sowohl bei den Künstlern selbst (erreichbar via MySpace oder per eMail hinterland(at)gmx.net) als auch auf Goalgetter.at vorerst nur auf CD.
Tracklist
01. Zwa Seiten
02. I Spit
03. Schluss mit lustig RMX
04. Wir vergessen ned
05. Alle
06. Die andere Seite (feat. Wort:Wörtlich)
07. Hillbilly Anthem (feat. Average)
08. Namenlos (feat. DJ Dan)
09. Blackbooks (feat. Def Ill)
10. Loss mi (feat. Muff/Random)
11. Daham
12. I Remember / I denk z'ruck
13. 32 Runden
14. Bauernregeln (feat. GC)
15. Schluss mit lustig
16. Schau echt
17. Bluadsauga RMX


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