"Hoamatland, Hoamatland, di han i so gean...!" Zumindest, wenn ein Release dieser Art zufällig auf meinem Schreibtisch landet, kommt bei mir, meines Zeichens Exil-Oberösterreicherin, Provinz-Nostalgie auf. Der heimatliche "Mastaplan" stammt von Braunauer Beatwunderkind Feux und Reichenauer Raptalent Mirac, die damit gemeinsam auf CD debütieren. Neben Intro (1), Outro (12) und Interlude (8) kann man sich auf 9 aussagekräftige Nummern aus dem Duzz Down San Camp freuen, erhältlich über Goalgetter.at.
Während mich der Opener „Die Show" (02) auf Grund der nervenaufreibenden Interferenz-Sounds zuhause stresst wie sonst nix, hatte ich unlängst die Gelegenheit, zu bemerken, dass die Nummer live doch ziemlich fetzt. Im klassischen Representer trumpft Mirac mit Lines wie „Kumm, stopf, inhalier, mei Reim is Kunst Stoff, dei Reim a Schundfleck auf DIN A4!" auf und meint lakonisch: „Freind wean zu Feind, waun sa si nimma gspian, sGame a Theaterspü, i bin zu real dafia!" Ähnlich instrumental überfordernd trotz schön gezauberter Atmo wirkt der Track „Opfer Täter" (07) mit Polifame.
Was Feux an den Beats im positivsten Sinne verbricht, fasst das Intro von "Hektik" (09) kriminell gut zusammen: Alfred Hitchcocks Music to be murdered by. Gedroppte Bomben wie der Titelgeber „Mastaplan" (03), „Hardcore Nuclear" (05) feat. Def Ill und zuvor genannter, zeigen ein breites Spektrum: es bumst, klopft, bounct und groovt. Instrumental etwas souliger wird es bei „Vielleicht, vielleicht" (06), wo Mirac mit der Ungewissheit hadert.
Neben der szenekritischen Nummer „Game over" (11), für die man den Jamaikaner Joseph Cotton einfliegen ließ, geht's thematisch meist ums Leben an sich: so beschäftigt sich beispielsweise „Tage" (10) feat. Hinterland mit den unvermeidlichen Schattenseiten.
Mag manch einer Miracs Hauptleistung darin sehen, die teils phänomenalen Beats von Feux in keiner Weise zu stören, sondern sich schön ins musikalische Gesamtbild einzufügen, wäre ihm damit allein Unrecht getan. Technisch einwandfrei und sprachlich ambitioniert überfordert er nicht, bringt witzige Vergleiche und nette Punches wie „Brauch ma nimma länga diskutiern, i hätt docht a MC, plötzlich steht a Bitch vor mir!" Die meines Erachtens fetteste Nummer des Albums „In the dark" (04), in der Feux im Beat den Charakter von The Streets‘ „Blinded by the lights" in der besten Form subsummiert, die ich bis dato gehört habe, vollendet Mirac mit einer lyrischen Umkehrung der Thematik. Sängerin Shuanise in der Hook bildet das Sahnehäubchen in Perfektion.
Fazit: Feux & Mirac haben ihn: den Mastaplan, wie man ein aussagekräftiges Erstlingswerk zaubert, für das man sich in keiner Weise schämen muss. Wer's bis jetzt immer noch nicht hat, dann aber flott!!!
Tracklist
- Intro feat. DJ Chrisfader
- Die Show
- Mastaplan
- In the dark feat. Shuanise
- Hardcore Nuclear feat. Def Ill
- Vielleicht, vielleicht
- Opfer Täter feat. Polifame
- Interlude
- Hektik
- Tage feat. Hinterland
- Game over feat. Joseph Cotton
- Outro


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