Zur Zeit ist der ursprünglich aus Kärnten stammende Produzent und MC Digga Mindz wohl einer der gefragtesten Beatbastler überhaupt. Es gibt kaum ein erfolgreiches, österreichisches Album in den letzten zwei Jahren, an dem er nicht die Finger im Spiel gehabt hätte: Raptoar - Roar, Gerard MC - Rising Sun, Pervers - D.A.W.W.F., Def Ill - Der rote Faden, um nur einige zu nennen. Mit dem aktuellen Release Mad Pattern Creationz 2 veröffentlicht er ein verdammt basslastiges Werk und bannt neben 2 instrumentalbepakkten Interludes 19 beattechnische Gnackwatschn auf CD.
Der einzige Solotrack Erstenz (01) bildet das Intro der Platte und zur Person Digga Mindz, pre-released als Video vom Illmindz-Crew-Kollegen Def Ill. Das Ausnahmetalent übernimmt auch gleich die Features auf Dungeon Keepaz (04) mit Cuts von Loco, Kummen und spucken (08) - der Boombokkz-Crew-Track auf dem auch der Exilkärnter Säbjul, Emwo, Skull & Koma vertreten sind, den Banger Elephantz (09) mit der kanadischen Crew Violative Cause, Pickig grian (10) - der nicht nur Kifferherzen höher schlagen lässt, sondern auch noch durch die einheitliche Reimstruktur flasht, dem aus einschlägigen Live-Auftritten bekannten Rotz Bluat (17) und der melancholischen Nummer Stuam (18). Den Bonustrack Majorlabel Bukkake (21), wos sinngemäß richtig zur Sache geht, pimpt der Vater aller Hustler: Iceberg Ill.
Wer die thematische Einfältigkeit bekriteln mag, dem seien besonders die Gastauftritte von Säbjul bei Fia imma (02) und Maskn (05) ans Herz gelegt, der immer wieder Battlerap mit Hirn und Weitsicht auf Platte bringt. So geht's bei Fia imma (Video von Keos Prod.) nicht nur um Hiphop, sondern Freundschaft und bei Maskn darum, sich selbst (nicht) treu zu bleiben. Benedikt Walter legt die Messlatte mit Taxidriver (20) wie gewohnt außerhalb jeder Wertung an, sei es durch den einzigartigen Stil oder die durchdachten Texte. Trotzdem bleibt es ein Album, das sich in erster Linie mit Rap beschäftigt: angefangen bei Punchlinez (03), wo Digga, Jack Untawega - wenn auch nicht in Hochform, so glücklicherweise pre-slangsta - & Kayo die Punchline gekonnt zum Maß aller Dinge erheben, Mehr brauchzt ned (13) mit BauXL, der ein paar Seitenhiebe in die eine oder andere, gewollte oder ungewollte Richtung verteilt, und Ez iz auz (12) mit Gerard MC - in Mundart. Der Track mit dem intern als Markanz (Vgl. Mark I) bekannten Nachwuchstalent Stixx klingt genauso wie er heißt: Schädlbasisbruch. Rap ist Krieg - Digga & Stixx die Phalanx.
Der Track mit Psywalker & Slangsta-Member MOZ ist der Big Ben der Platte. Soll heißen: neben den Glocken im Beat macht die Nummer den meisten Wirbel ohne die Beste zu sein, jedoch bei stilistischer Verbesserung von MOZ seit dem eigenen Release. Einzig Fucked Up In Austria kann man nach einmaligen Hörem auf Grund der Performance der Gäste skippen: eine nette Momentaufnahme, die jedoch skilltechnisch nicht an den Rest anschließen kann.
Trotz der eingangs erwähnten Kritik bezüglich Themenvielfalt, ist das vorliegende Album genau das, was man vom Producer-on-the-Mic Digga Mindz erwarten konnte: es ist real. Beattechnisch überhaupt nicht zu bemängeln, merkt man an den harmonischen Melodien, dass jemand am Werk ist, der weiß, wie man mit Samples und Instrumenten umgeht, ohne synthetische Diarrhoe zu kriegen oder kitschig zu werden. Doch selbst abseits von den Beats, braucht sich der Kärntner Wahlwiener nicht zu verstecken: mit gnadenloser Ehrlichkeit, simpler Übertreibung und teils genialem Wortwitz macht er auch als MC eine bessere Figur als manch selbstgekrönter King of Rap.
Es hat möglicherweise nur die Aussagen eines Mannes gebraucht, um das Ansehen Kärntens in der ganzen Welt zu schmälern. Offenbar braucht es auch nur das Album eines Beatproduzenten, um selbiges wieder herzustellen: Kaufpflicht!
Tracklist
01. Erstenz
02. Fia imma ft. Säbjul
03. Punchlinez ft. Jack Untawega, Kayo
04. Dungeon Keepaz ft. Def Ill, Loco
05. Maskn ft. Säbjul
06. Schädelbasisbruch ft. Stixx
07. Zwischenstopp Ans
08. Kummen und Spuckn ft. Def Ill, Säbjul, Emwo, Skull & Koma
09. Elephantz ft. Def Ill, Violative Cause
10. Pickig grian ft. Def Ill
11. Mördah ft. Koma
12. Ez iz auz ft. Gerard MC, DJ Hooray
13. Mehr brauchts ned ft. Bauxl
14. Panik ft. MOZ
15. Fucked up in Auztria ft. Tash, Cronik und Prodz
16. Zwischenstopp Zwa
17. Rotz Bluat ft. Def Ill
18. Stuam ft. Def Ill
19. Mealin ft. Raptoar
20. Taxidriver ft. Benedikt Walter
21. [Bonustrack] Majorlabel Bukkake ft. Iceberg Ill













