Während die Fangemeinde noch lautstark die Nachpressung des restlos ausverkauften Vorjahres-Albums „Mad Pattern Creationz 2" fordert, hat das umtriebige Allround-Talent Digga Mindz schon das nächste Gusto-Stückerl aus der MPC gezaubert. Seit 27.4.2009 erhältlich, gehen die 8 Tracks und 4 Remixes der in Vinyl-Optik gehaltenen „Drama"-EP neben Familie und Freunden an „jedn echtn Hip Hop Kopf!"
Wer dem geneigten Head mit Killer-Bässen die Boxen zerfetzt, klärt der „Producer-on-the-Mic" im ersten Track: „Wer!?"(01) verpackt witzige Anekdoten, nicht ganz so klassische Representer und eine Spur Selbstironie in einem von Mandolinen akzentuierten Kopfnicker-Beat - D-Mindz Classic! Ebenso ehrlich, aber überraschend ernsthaft, wirkt im Vergleich dazu die biographische Nummer „Lebn" (08). Während die Nüchternheit das Inhaltliche noch persönlicher wirken lässt, verströmt der Beat eine perfekt inszenierte Unruhe. Der technisch solide Remix (12) von Texta-Member Flip kreiert hingegen eine Hollywood-Attitüde, die nicht so ganz zum Kärtner passen mag.
Mit ziemlicher Sicherheit findet sich die eine oder andere Szene-Gestalt in „Red net" (07) wieder, nicht namentlich natürlich, wohl aber in der Wesensart. Gemeinsam mit Illmindz-Crew-Kollegen und Petschonen-Krieger Def Ill rechnet Digga Mindz mit jenen ab, „de olle redn und nix wissn" und haut dabei gewaltig in die Drums. Ersterer, der junge Wilde aus Linz, überzeugt in der Hook mit seiner immens kräftigen Stimme und ist auch bei der Rückkehr der Elefanten (Anm.: Digga Mindz - MPC 2 [2008] - 09 - Elephantz ft. Def Ill, Violative Cause) in "Stomp" (04) am Start. Schon beim ersten Part sitzt jede Line des Battle-Tracks und spätestens zur Hook sieht man Hannibal über die Alpen kommen, um jeden, Kritiker, schlechte Rapper, Politiker, Hiphop-Redakteure, Labelchefs, zu dramatischen Violinen in den Boden zu stampfen.
Inhaltlich ähnlich gestrickt sind auch die Nummern „Drama" (02) feat. Stixx, „Schluss mit Thugsn" (05) und „Letzta Vasuch" (06) feat. 5Finga. Wie erwartet überzeugt „Markanz" Stixx durch ebenso gewalttätige wie intelligente Raps - sein überzogen harter Stil perfektioniert die vom Beat ausgehende dramatische Stimmung und gemeinsam richtet die blutrünstigere Version von Pinky und Brain ein battletechnisches Massaker an, das seinesgleichen sucht. Loco spielt beim qualitativ gleichwertigen Remix (09) mit Claps und reduziertem Instrumental-Volumen. Die Klavier-gestreichelte Nummer „Schluss mit Thugsn" (05) wirkt bei Whizz' klangvollem „Faxn"-Remix (11) anfangs etwas überladen bzw. ungewohnt in Kombination mit Puristen Digga Mindz, die ungewöhnliche Symbiose flasht jedoch bereits nach einer kurzen Eingewöhnungsphase.
Wo Digga Mindz drauf steht, ist Battle-Rap drin? Wohl wahr, aber nicht völlig. Nicht nur zwischen den Zeilen findet sich ein wie belanglos hingepfeffertes Häufchen Gesellschafts- und Systemkritik: In „Ka Wort" (03) geht's nicht nur Posern im Rap, sondern auch Medien, Kirche und Staat an den Kragen - „Glaube nicht ein Wort!", wie es im genial ausgewählten Sample heißt, das den chillig-puristischen Beat harmonisch in Szene setzt. „I hea da ned zua, es gibt kan Grund um zu horchn, mir kummts so vor ois vasuacht ma jedes Mol uns untn zu hoitn!"
Abgesehen von der etwas enttäuschenden Nummer mit 5Finga, der sich flowtechnisch noch nicht ganz am selben, mittlerweile gefestigten Level bewegt wie Digga Mindz und den Lautstärke-technisch aus der Reihe tanzenden Remixes - auf die Gefahr hin, dass der Bass die Boxen zerf*ckt, hätte man insgesamt etwas lauter aufnehmen können - schließt die „Drama"-EP nahtlos an „MPC2" an. Für Liebhaber von Battle- und Dialekt-Rap ein Pflichtkauf - erhältlich über http://www.myspace.com/diggamindz und http://www.myspace.com/boombokkz.
Tracklist
- Wer?!
- Drama ft. Stixx
- Ka Wort
- Stomp ft. Def Ill
- Schluss mit Thugsn
- Letzta Vasuch ft. 5Finga
- Red Net feat. Def Ill
- Lebn
- Drama [Loco Rmx]
- Stomp [Feux Rmx]
- Schluss mit Faxn [Whizz Vienna Rmx]
- Lebn [Flip Rmx]


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