Am vergangenen Samstag war es also so weit: Dephjoe hat sein langerwartetes Baby vor einer begeisterten Masse im Wiener Planetarium zur Welt gebracht. Geplant war es schon seit Ewigkeiten doch nach etlichen Rückschlägen ist sein erster Longplayer "Hey Playa" auf dem Label Supercity erschienen.
Einfach hat er sich es nicht gemacht, als Kind der Austro-Rap 90er in denen er mit der Symbiose erste Erfahrungen im Rapbiz gesammelt hat. In einer Zeit, in der die Musikindustrie deutschsprachigen Rap als ihr Liebkind entdeckte und den gesamten Markt mit Millionen zuschüttete. Für einen jungen Künstler, der von seiner Umgebung und A&Rs mit Schulterklopfen bedacht wurde, erweckten sich da bestimmte Begehrlichkeiten. Doch wie Dephjoe soweit war, brach das Kartenhaus zusammen, und statt des Durchbruchs stand "everyday struggle" am Programm. Da er aber von seinem Tun überzeugt war, gab er nicht auf und veröffentlichte zwischenzeitlich eine Maxi (Bohemian Rapzodeez) und mit Mezuian eine EP (Nenn mich Deph).
Knapp 10 Jahre nach dem seine Stimme zum ersten Mal auf Vinyl erschien (mit der Symbiose auf "Boombap - Teil 3 vom Ei"), kommt jetzt "Hey Playa", ein 14-Track-Debut, dass für Österreich einzigartig ist. Die Produktionen, die von Brenk, Fid Mella, DJ Buzz und Main Loop stammen, erinnern sehr stark an den elektro-souligen US-Sound made in Detroit. Auch bei den Lyrics hört man den Einfluss von Slum Village & Co.: auf diesem Album wird nicht nur gerappt, wenn es die Nummer verlangt, wird im Hintergrund gesummt oder die Hookline gesungen. Dabei wird auf Rapfeatures komplett verzichtet, das einzige Feature ist weiblich und zwar die singende "L'enfant Terrible" aus dem Supercity-Umfeld.
Eigentlich könnte Deph Joe mit seinen Erfahrungen mehrere autobiografische Alben füllen, doch seine Lyrics gehen einen anderen Weg. Er erzählt vom hier und jetzt und bleibt trotzdem zeitlos. Die Frauen, die Parties, das Umfeld, es gibt genug worüber man rappen kann, und man hat das Gefühl, dass diese Texte vor fünf oder zehn Jahren aktuell waren, im hier und jetzt aktuell sind und auch noch in ebenso ferner Zeit aktuell sein werden. Es kann durchaus auch mal beim Anhören passieren, dass der Kopf den Inhalt ausschaltet, man sich der Musik hingibt, und die Stimme als Teil des Instrumentals ansieht. Das ist bestimmt kein Beweis für Inhaltsleere, mehr ein Plädoyer für Musik als ein Ganzes. Es verschwimmen die Grenzen zwischen Album und Liveauftritt. Bestes Beispiel war der Auftritt bei der Releaseparty: Die Crowd nickte mit dem Kopf, schwingte mit den Hüften und was bei Konzerten dieses Genres eher selten ist, Männlein und Weiblein gingen gleichermaßen ab.
Hey Playa ist seiner Zeit im deutschen Sprachraum sicher vorraus, ein innovatives Album mit feinstem Sound, dass das Zeug zu einem zeitlosen Klassiker hat.
Um einen kleinen Einblick in das Album zu bekommen, könnt Ihr Euch hier das Video zu "Party Girl" ansehen:


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