Als der damals 17 jährige Def Ill 2006 mit “dem roten Faden” (Petschonen) debutierte, wurde er von vielen voreilig in eine politsch linke Hippie-Schublade geschoben. Trotz des herausstechenden Talents des Rappers, das sich schon Jahre davor abzeichnete (höre “Verstanden” auf Textas "Blickwinkel", 2002), bekam dieses klassische HipHop Album wohl nie die Aufmerksamkeit, die es wahrscheinlich verdient hätte. Unabhängig davon, hat sich der linzer Petschonen- und Boombokkz-Member, im Laufe der Jahre, in die Köpfe der österreichischen Szene gerappt und sich für einige zum „besten Rapper Österreichs“ entwickelt. Auch Loco, der im Dunklen Beats für den Teufel und weitere finstere Gestalten produziert und für Cutz zuständig ist, wird den Meisten ein Begriff sein. 2009 erscheint nun „der rote Faden“ der Vergangenheit A-seitig und die „i gib kan Fick“-Gegenwart B-seitig. Interessante Idee.
Weiß man nicht wie der „neue“ Def Ill klingt könnte manch einer vielleicht glauben auf der B-Seite rappt der ältere, deepere Bruder. Denn während sich der rote Faden noch stark mit HipHop-Themata auseinander setzt, wird die zweite Seite um einiges ruffer und abstrakter. Auch wenn ich jetzt nicht näher auf die A-Seite eingehe, muss auf jeden Fall der Hit (!) “afraid” featuring dem legendären Daddy Freddy erwähnt werden, die Club Nummer.
Die B-Seite verdeutlicht Def Ills (und Locos) Scheiß Drauf-Attitüde. Loco liefert den düsteren Soundtrack für den Film den Def Ill schiebt. Ein Film voll finsterer Gedanken, Verfolgungswahn, Justice und Ausbruchsversuchen aus dem Gefängnis das er sich selbst erdacht hat. Der (mittlerweile) Mann weiß Rap als sein Ventil zu nutzen und nimmt den Hörer mit in die Abgründe seiner Seele. Er saugt die Realness von Locos groovenden und durchgängig dopen Boom Bap Beats auf und spuckt sie mit intelligenten Texten und dopen Flows auf die Platte zurück.
Während sich der gemeine HipHopper beim Titel „Gfickt“ wahrscheinlich einen Gang Bang-Track erwartet, geht es zwar wirklich um Sünde aber das in einem viel größeren gesellschaftlichen Kontext. Wie sagt schon Evidence? - "start every verse with something to quote". "HipHop hat mein Leben gefickt" – der begnadete Storyteller hat die Fähigkeit den Hörer zu fesseln und ein „so geht’s mir auch“ Gefühl auszulösen.
Böse wird’s bei „last man standing“, und das nicht nur wegen Loco’s blutrotem Beat oder dem zeitlosen Taktloss Cut. Der Downtempo Gnackbrecher liefert Def Ill die richtige Atmosphäre um ein Maximum an Überzeug herauszuholen. Der Linzer lässt in einer Clockwork Orange Stimmung in der "Korova Milkbar" „Mutterficker verbrennen“ und den Track wie einen Aufruf zur Revolte schmecken.
Auch wenn mittlerweile die letzte Nummer “Immer” mein neuer Lieblingstrack ist, bleibt “Süchtig” auf jeden Fall das Highlight der B-Seite. Der Petschonen-Häuptling zaubert aus einem Klassiksample einen minimalistischen Beat, der Def Ill eine mystische Soundunterlage liefert und erzeugt ein Gefühl wie eine Fahrt in der Geisterbahn. Bei diesem Track spricht der junge Rapper das aus, was eine ganze Generation erlebt, fühlt und denkt. Genau das macht auch seinen Rap aus – wir alle sind Def Ill.
Holt euch den Scheiß!
co-written by O.M.


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