Es gibt Rap. Es gibt lustigen Rap (siehe K.I.Z). Es gibt unfreiwillig lustigen Rap. Und dann gibt es da noch Rap, der in keine dieser Kategorien fällt sondern...aber ziehen wir den Schluss nicht gleich am Anfang.
Cyko City Mobb, bestehend aus den drei Mitgliedern Don Leon, MCP und 8Dime legen hier mit K.O. System ihr zweites Album nach "Blackjack" vor - laut Don Leon's Myspace schon 2006 veröffentlicht, allerdings war der Moment in dem ich die CD zum reviewen in die Hand gedrückt bekam der erste überhaupt in dem ich diesen Namen gehört habe. Um doch vorzugreifen: Jeder, dem es ähnlich geht hat meiner Meinung nach nichts verpasst, im Gegenteil. Aber gehen wir ein wenig näher aufs Album ein: 18 Titel umfassend, davon Intro, Outro und zwei Skits. Ergibt 14 Tracks auf denen die Jungs aus Salzburg ("SBG", wie man es heutzutage anscheinend der Realness wegen nennen muss, aber das kennen wir ja schon aus diversen youtube Videos und dem Sandkastenkrieg hier im Forum wem die Mama das schönere Schauferl gekauft hat) uns ihre Version des "Rapgames" näherbringen.
Was das Album prägt sind die durchwegs sehr ähnlich klingenden Synthiebeats - auch wenn man da eigentlich bei mir schnell offene Türen einrennt, hier fehlt dann doch die Expertise - auch, weil die Klangqualität öfters zu wünschen übrig lässt, zumindest die Stimmen sollten doch passend abgemischt und nicht zu leise sein.
In die Aufmachung des Albums wurde anscheinend auch ein wenig mehr Zeit investiert - herausgekommen ist dabei ein Cover und ein Booklet mit Einzelfotos der drei Herrschaften (sogar ein wenig auf Hochglanz getunet), welches auf den "harten" Eindruck den diese vermitteln (wollen) gut abgestimmt wurde. Namebelt hochhalten, mit dem Zeigefinger auf den Betrachter deuten (und hoat schauen, natürlich) sowie Ketterl und mir nicht näher bekannte Handgesten präsentieren inklusive. Das ganze in Grautönen gehalten, ich nehme mal an weil das den beabsichten 'Street Flavour' besser vermitteln sollte. Achja, die Sonnenbrillen sind auch nicht schlecht, nur geht da halt der Eindruck des Gangsterblickes verloren (höhö). Alles in allem: Äußerst Hiphop, das Ganze!
Widmet man sich nun dem Inhalt des Albums genauer wird man zuerst einmal von einem Jean-Claude van Damme Sample begrüßt (aus "Bloodsport"?), der einem zur Einstimmung ein wenig über 500 Straßenkämpfe erzählt. Es muss unvorstellbar ruff zugehen auf den Straßen Salzburgs denkt sich der Hörer, und das wird ihm dann auch auf den folgenden Tracks gerne und oft erzählt, für mehr Inhalt hat es dann allerdings anscheinend nicht gereicht. Da auch die Rapskills der drei Herrschaften bestenfalls technisch solide, vom Einfallsreichtum der Themen und der Reime aber eher nach "wir haben nichts zu erzählen, tuns aber trotzdem" klingen bleibt nicht viel über um den kritischen Hörer zu beeindrucken - aber gehen wir doch noch ein wenig ins Detail.
"Zeig Respekt" handelt gleich zu Beginn einmal davon, dass man den drei Herrschaften gefälligst selbigen erweisen sollte. Nicht schlecht, vor allem am Anfang eines Albums komplett unbekannter Rapper! Ich dachte immer, Respekt müsse man sich verdienen, aber der kommt anscheinend von selber wenn man den Cyko City Mobb repräsentiert - vor allem mit Lines wie "Fick euch durch wie einen nassen Fetzen" (?????). Da hat "Seht wie wir in Mösen pudern, wir sind jetzt die größten Luden" doch noch mehr Street Credibility vermittelt, aber aufpassen dass die Mama nicht hört was für Musik man da produziert!
"Alboom" macht uns vertraut mit dem langwierigen Entstehungsprozess vertraut "recorded in drei Wochen" und der internen Qualitätskontrolle: "Hier ist unser Album, also friß oder stirb". Hmmm...naja, solange ich es nicht nochmal hören muss...
"Fäuste in die Luft" erzählt uns wie "die Streets bangen" und die Jungs "mit ihren Gees hängen" - wo und warum wird nicht näher erläutert, ist aber auch nicht nötig. Hier wird einem auch einer der vielen Zweckreime präsentiert: "kommt sich real vor" auf "Zielrohr" und ähnliche Spompanadln.
Ansonsten darf der geneigte HipHopper gerne der Aufforderung nachkommen: "Hebt die Fäuste in die Luft und schreit dann: Fick die Welt!" Definitiv ein Burner auf der Jugendzentrumbühne.
"K.O. System" bringt dann auf einem Beat, der wie die verlangsamte Version eines 08/15 Trance Tracks klingt die ganze Härte der Formation näher - hätte ich nicht im ersten Titel des Albums gehört das das "hier kein Ghetto ist" hätte ich es dann doch fast Angst bekommen...fast. Der dritte Part ist außerdem nur schwer zu verstehen - wäre dies ein Album welches ich gut finde, hätte mich das gestört. Eine vierte Woche Produktionszeit zu investieren hätte da nicht geschadet.
"Man hasst uns" zeichnet sich neben der abermals mangelhaften Klangqualität dann vor allem durch die Eingangsline "Ihr könnt uns nicht das Wasser reichen wie Kinder in der dritten Welt" (Respekt Jungs, wenn schon politisch korrekt dann ordentlich!) und die überzeugte Ansage "Rap ist mein Reich, Fotzen!" aus. Da bleibt nichts mehr zu sagen!
"Ein starkes Team" lässt den Hörer zuerst fast vor Neid erstarren, welchen Reichtum die drei Hustler aus Salzburg mittlerweile durch das Rapgame schon angehäuft haben müssen: "Haben jetzt Markenjeans und den Gewinn in den Taschen". Oida. Markenjeans! Man merkt, hier sind "echte Männer am Track, die nicht nur den Harten mimen".
Wäre mir nie eingefallen das zu behaupten - spästens jetzt nicht mehr.
"Kurzer Prozess" zeigt, wie man zum Bedienen des Reimschemas auch immer schön simple englische Wörter, die sich gut in den HipHop Kontext fügen verwenden kann. Es wird fröhlich auf "rich", "cunt" oder "fist" gereimt (was gleichzeitig eine 1A Inhaltsangabe ergibt und mir mehr Geschreibsel erspart).
"Fahr auf Chrom" ist wieder einmal klangtechnisch ein wenig schwer verständlich und, was auch öfters passiert, leiser als der vorhergehende Track. Aber, drauf geschissen, wer braucht schon vernünftiges Mastering wenn man "jeden Tag mit den Homes durch die Stadt" cruisen kann? "Das ist für Gangster in Jeeps und Cadillacpimps", wie sie auf den Straßen SBGs ja bekannterweise in Legionen unterwegs sind- und die Dorfjugend auf der Vespa freut sich sicher auch.
"Von wegen relaxt" zeigt mit, dass SBG anscheinend ein verdammt düsteres Pflaster ist - so düster, dass auch endlich eine "die Kinder weinen" Line her muss, das hat auf dem Album sowieso noch gefehlt. Und ehrlich gesagt, mich wundert es nicht dass die Kinder weinen - und wer jetzt meint dass liege am Album selbst, oh nein! In SBG gibt es schließlich nur "Hass und Krieg" zwischen den "kalten grauen Mauern".
"Kampfbereit" schlägt in die ähnliche Kerbe - Anscheinend staut sich nicht nur in Compton, sondern auch hierzulande so einiges auf, was dann natürlich auf den "Straßen" rausgelassen werden muss - zum Glück hat man ja noch die Homies, die einen beim Stress supporten.
Auf "Crunk City" erreicht dann das Niveau einen neuen Tief- und die Peinlichkeit einen neuen Höhepunkt. Nur soviel sei gesagt, und da kann ich zu meiner größten Freude eine perfekt passende Line aus dem Track selbst nehmen: "Ihr seid Gangster höchstes im Vergleich zum Micky Mouse Club".
Ein lichter Moment der Selbsterkenntnis?
"Backdafuckup" lassen wir mal aus und gehen gleich über zu "Bis zum Ende": Hier besingen unsere Hustlergees ihre HipHop-Homiefreundschaft, an Platitüden und billigen Metaphern herrscht hier natürlich auch kein Mangel. "Ich stütz dich so wie Krücken" wird nur getoppt von dem 100% "Original" eingespielten Knastanruf a la "He Alter, ich sitz im Häfn, hol mich hier raus - Klar Bruder" (oder wars "Homie"? Egal).
Fazit: Respekt an die Jungs aus SBG, die in ihrem Alter anscheinend schon den gesamten Lebenslauf eines schwer struggelnden Gees aus den Salzburger Projects hinter sich gebracht haben. Es scheint, als hätte ich den harten Hustleralltag in österreichischen Provinzhauptstädten unterschätzt - aber man lernt ja nie aus!


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