Vor nicht allzu langer Zeit veröffentlichte der Tiroler DJ und Producer Chrisfader, Member der Crews LA Splisz und Ghostbusters, eine EP, welche den Titel „Scratchmusic" trägt. Diesen Tonträger nahm ich einmal genauer unter die Lupe, und was es dazu zu erzählen gibt, könnt ihr in diesem Review nachlesen.
Bei diesem Tonträger handelt es sich um eine EP, die acht Tracks umfasst und die, nebenbei erwähnt, nur im CD-Format erschienen ist. Das achte Lied auf dieser EP - ein Track von LA Splisz - ist eigentlich ein Bonus-Track und unterscheidet sich insofern von den anderen sieben Tracks, als dass es sich hierbei um das einzige Lied auf dem Tonträger handelt, bei dem zum Mikrofon gegriffen und gerappt wird. Die anderen Lieder sind reine Scratch-Tracks und schon in der Introduktion der CD wird klargestellt, dass es sich bei diesen Liedern um Gedichte handelt, die nicht aus Worten, sondern aus einzelnen Klängen bestehen. So erzählen die meisten dieser Tracks eine eigene Geschichte - dabei bedient sich Chrisfader diverser Sprachsamples und Scratch-Techniken und schlüpft in die Rolle eines Erzählers, dessen Mund die Hände und die Plattenspieler sind und dessen Sprache das Turntablism ist.
Alle acht Tracks der EP wurden mit einer Ausnahme von Chrisfader selbst produziert. Einer dieser Tracks wurde nämlich von ihm gemeinsam mit Kap'n KuTT produziert. Letzterer tritt bei diesem Track gleichzeitig auch als Feature auf und lässt gemeinsam mit Chrisfader die Plattenteller rotieren. Kap'n KuTT ist das einzige Feature auf dieser EP, allerdings ist weniger eben doch oft mehr, denn Chrisfader hätte sich hierzulande kaum einen besseren DJ als den zweifachen ITF Austrian Champion in der Kategorie Scratching für ein Feature bei einem Scratch-Track aussuchen können. Beide DJs harmonieren in diesem Lied sehr gut miteinander und schütteln einige feine Scratches aus dem Handgelenk. Auch in den anderen Scratch-Tracks zeigt Chrisfader, der selbst gerade erst ITF Austrian DJ Champion 2006 geworden ist und nebenbei noch einige andere ITF-Titel besitzt, technisch hochwertiges Plattengekratze. Bemerkenswert ist dabei einerseits sein gutes Timing beim Scratchen und andererseits, dass die Scratches sehr gut zu den großteils langsamen und gemütlichen Beats passen - oftmals so gut, dass sie mit diesen verschmelzen und ein Bestandteil dieser werden.
Der Bonus-Track ist ein Storytelling-Track, bei welchem sich Staffolo und Dirty Sanchez am Mic die Ehre geben und ihre tiefgründigen Lyrics über einen geschmeidigen Beat kicken, der aber dennoch zum Kopfnicken anregt. Dieses Lied zeichnet sich zwar in erster Linie durch seine Message aus, doch sind die beiden MCs sowohl flow- als auch reimtechnisch auf einem hohen Level.
Fazit: „Scratchmusic" ist eine feine EP, die Freunden der Kratzmusik eine helle Freude bereiten sollte. Es gibt insgesamt keinen Track, der den anderen in irgendeiner Weise nachsteht: Man kann sich diese EP also durchaus von Anfang bis Ende anhören, ohne dass man von einem der Tracks gelangweilt würde. Mit einer Länge von etwas weniger als einer halben Stunde hat „Scratchmusic", dafür, dass es eine EP ist, auch eine beachtlich lange Spielzeit. Bei Tonträgern, die so eine hohe Qualität aufweisen, wünscht man sich oftmals, sie hätten eine längere Spielzeit, doch ist, wie weiter oben bereits erwähnt, weniger oft mehr, und so gibt es bei „Scratchmusic" keine unnötigen Filler, die das Gesamtbild dieser CD trüben könnten.
Damit ihr euch selbst ein Bild von dieser EP machen könnt, dürft ihr euch hier ein etwa dreineinhalbminütiges Snippet davon herunterladen.

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