Big J, der Linz zu „Brooklinz" machte und damit die Street Credibility der Stadt auf ein Hundertfaches ansteigen ließ, bringt nun unter „Black Wallstreet Europe" Solo-Debut „Brooklinz Finest" raus.
Der aus Linz stammende Rapper hat sich im HipHop-Mikrokosmos nicht nur Freunde gemacht - sei es wegen dieser Chakuza- der The Game-Sache, oder die Art wie er sich „öffentlich" gibt.
Doch bei Musik geht es gottseidank nicht nur um das Image einer Person - im besten Fall dreht sich alles um die Kunst - nicht den Künstler.
J zeigt auf seinem Debut musikalische Vielfältigkeit, es klingt nach experimentieren und keinen Fick mehr geben. Ich konnte keinen roten Faden finden - aber natürlich dreht sich alles sehr viel um Big J und die Connection zur Black Wall Street, außerdem ums Kiffen, falsche Freunde, Liebe, Geld, Fame... es geht um Js Leben - oder vielleicht das, dass er gerne hätte. Ein paar Nummern später nimmt er auf einem sehr fetten Flip-Beat zu dem Thema „dass er es nicht real keeped" und in der Szene kursierenden Anschuldigungen Stellung: „Was soll ich machen wenn mein Leben so ist? Denn ich hab eben diese Themen auch wenn jeder mich disst..."- doch schon bei der dritten Nummer rappt er darüber wie er Scheine zur Bank bringt, von Bitches und seinen Freunden in New York. Klischeerap oder? Ich skippe.
Beim nächsten Track geht's schon wieder darum wie toll J ist und wie weit er gekommen sei - ich kann mir diese „ich habe es geschafft- Scheiße" nicht mehr geben und skippe erneut. „Born in the Gudda" ist erster Hoffnungsschimmer - Whizz Vienna bringt J dazu, das Beste aus sich herauszuholen und mich zum ersten Mal zum bouncen.
Während man sich bei den Tracks davor oft fragt ob das nun lustig oder ernst gemeint ist kommt die Ironie hier nun endlich heraus, sprich - hier passt alles - Flow, Stimme, Text, Beat. Viel versprechend geht es gleich mit „Kannst du's fühlen" weiter - ein Track der an alte Verbale Systematik-Zeiten erinnert. Der Linzer spricht über die Beweggründe seiner musikalischen Identität und überzeugt mit grenzenloser Ehrlichkeit wahrscheinlich auch den größten Hater. Ich glaube ihm an dieser Stelle diesen „Shit der vom Herzen kommt".
Weiter geht's mit „Ein und Alles" - ein obligatorischer Lovesong auf dem eine gepitchte Whitney Houston mit „You are everything" die Thematik vorgibt. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Dame für die der Track geschrieben wurde beim ersten Mal Hören Tränen in den Augen hatte ... auch wenn nicht jeder „das Kaufen von Chanel-Ketten" als Zeichen der Liebe sieht.
Im folgenden Track wird mit Elephant Man schweres Geschütz aufgefahren. Ich wage es nicht über die Musik des Dancehall Gottes zu urteilen - J zeigt auf jeden Fall, dass er sich die richtigen Features aussucht und geht daneben nicht komplett unter - der Track hat Clubpotential. Überraschend kommt bei „My Soul" ein Digga Mindz-Beat, der Grundlage für ein - wie der Name schon sagt - Soul-Tribut ist in dem J, die Namen diverser Soul-Legenden in einen Text einbaut. Bei „Angeblich" steuert erneut Flip einen Beat bei, mit einem Sample das man irgendwo mal bei Eminem gehört hat - und der Soundtruck schlägt hier Dr. Dre um Längen.
Auch wenn mich „Angeblich" thematisch zu sehr an „Hab Gehört" erinnert kann ich dem Most Hated die Entscheidung so einen Song aufs Album zu packen, nicht verübeln - schließlich gibt es in der Tat sehr viel Gerede und Gerüchte die klar gestellt werden sollten, und J überzeugt hier, flowtechnisch und lyrisch.
Mit dem einzigen österreichischen Rap-Feature Def Ill und dem, im Dancehall nicht unbekannten General Levy geht es weiter. Bereits nach den ersten Kicks sitz ich bouncend da und packe die Dopeness des Generals überhaupt nicht mehr - auch J und Def Ill befinden sich hier in vertrautem Terrain und zeigen das mit entsprechenden Skills. Dieser Tune ist der Hit von „Brooklinz Finest" und wird mich bestimmt noch einige Zeit begleiten.
Zusammenfassend bin ich vor allem lyrisch nicht sehr überzeugt und nach dem Hören eher verwirrt als musikalisch befriedigt. Gemessen an der restlichen Qualität des österreichischen Raps, ist „Brooklinz Finest" kein schlechtes Album, aber es gibt auch Doperes.


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