Nazigold, gelöcherter Käse und feine Schokolade. Die Schweiz hat jedoch durchaus mehr zu bieten. Alleine in Sachen Eventkultur können wir uns gehörig was abschauen von unserem Nachbarn. Hier gibt es quasi jedes Wochenende Konzerte, unzählige Parties, Jams oder ähnliches. Um euch einen Eindruck zu vermitteln war ich letzten Freitag und Samstag für euch unterwegs...
Luzern liegt etwa eine knappe Stunde von Zürich entfernt, eine nette kleine Stadt am See. Rahzel war pünktlich um 23 Uhr Ortszeit on stage und lieferte eine solide 100 Minuten Show ab, mit dabei der Rocksteady Dj JS-1 der ja für seine Fingerfertigkeiten bekannt ist, jedoch viel zu wenig davon in der Show zeigte. Wir trafen die 2 nach dem Konzert zu einem entspannten Interview im Backstage:
J: Rahzel, schön mit dir zu sprechen, was ist es ein gefühl auf der ganzen Welt Konzerte zu spielen, du bist gerade in der Schweiz, wie fühlst du dich?
R: Touren und Konzerte auf der ganzen Welt spielen ist einfach ein wundervolles Gefühl, die verschiedenen Leute aus verschiedenen Ländern zu treffen ist toll, hier wissen die Leute über Hip Hop bescheid, in Amerika ist das anders.
J: Wo siehst du die gravierenden Unterschiede zwischen U.S. und Europa?
R: Ich glaube der Unterschied ist der Kommerz. In Europa, Asien und Australien haben die Leute einfach mehr Respekt für die Herkunft von Hip Hop, Funk zb.
(JS One, bärtiger Rocksteady Dj, kommt rein und entschuldigt sich da er die Mc Donalds Bestellung aufnehmen muß)
R: Ich nehme Chicken Strips, 2 Fish Mac aber ohne Sauce, nur Käse, ah und die Barbecue Sauce nicht vergessen!!!
Sorry, ich bin hungrig, für mich ist es schön Hip Hop zu teilen, hier sind Leute die 15 oder 16 sind, es ist cool meine Erfahrung auf der ganzen Welt zu teilen. Natürlich haben wir auch die True Heads in Amerika die Hip Hop lieben, aber die breite Masse ist einfach größer. Hoffentlich kommen diese Leute auf uns und sehen was wir machen.
J: Du bist ja schon lange dabei, welche Veränderunen siehst du, wie siehst du die Entwicklung?
R: Hip Hop hat sich so sehr verändert. Einiges zum Guten und sehr viele Sachen zum Schlechten. Bei Hip Hop ging es eigentlich immer darum Spaß zu haben, eine gute Zeit zu haben, lachen, musik hören, heute ist es zu streng! Ich komme von der Afrika Bambaataa Zeit, mit seinen Breaks so etwas gibt es heute nicht mehr. Heute gibt s nur noch einen Style, nichts neues passiert. Alles ist wie Making The Band, ein Konstrukt so wie......?
J: Tetris?
R: Ja genau, alles so zusammengewürfelt, nichts ist mehr natürlich, ich verstehe bis zu einem gewissen Grad das Business Business ist, du hast ein Formular für Erfolg, aber das steht halt nicht für Kreativität, der Grundstein von Hip Hop oder auch Blues, Jazz, Funk, Reggae....
Heute geht’s nur noch um Geld, Geld, Geld, nichts gegen Geld, aber wenn der ganze Fokus darauf liegt ist es ein Problem. Wir verlieren die Essenz, mit der heutigen Musik, es geht nur noch um Verkäufe. Es ist wie Essen, wenn du es gut kochst schmeckt es herrlich aber wenn du es überkochst schmeckt es nicht mehr!
J: Sowie Mikrowellenessen! Du bist einer der alten Hasen, wie würdest du Real Hip Hop definieren.
R: Kreativität. Ganz einfach! Wir schauen nach vorne und wollen etwas neues, etwas anderes machen. Wenn man heute von Neu spricht ist es nur eine andere Person die das selbe wie der Typ davor macht. Das ist nicht neu. Es ging darum neue Standards zu setzen, die Messlatte höher zu legen, heute sind alle gleich, alle sehen gleich aus, jeder klingt gleich. Krs, Public Enemy, X-Clan, sie haben alle über ähnliche Dinge gesprochen, ihr Sound hingegen war aber völlig verschieden.
JS 1: Was machen die Rapper heutzutage noch: sie schreiben die Texte nicht selbst, sie machen die Beats nicht, sie machen das Artwork nicht, sie machen die Choreographien nicht, was zum Teufel machen die? Schau dir De la Soul, Public Enemy, A Tribe called Quest an, die haben alles selbst gemacht. Wenn du also das Album kaufst, dann hörst du ihr Ding, Led Zeppelin haben auch alle ihre Alben selbst gemacht, nicht irgendein anderer Typ, und sie sind dann auf der Bühne gestanden und haben geposed. Wenn du deinen Shit nicht selbst machst, was machst du eigentlich, dann bist du Model!
R: Früher waren alle verschieden, haben aber dennoch Grundthemen angesprochen: Regierung, Probleme der Gesellschaft,.... Heute geht’s nur noch um: ich habe eine Waffe, ich habe eine kugelsichere Weste, ich habe eine Kette, ich habe große Felgen, ich habe einen Benz, ich habe einen Bentley.....ich meine okay, und was jetzt, erklärst du mir wie ich das alles bekomme, nein, du zeigst mir was du hast, supertoll! Hip Hop hat sein Ego aber da geht es um etwas anderes. Schau dir Biz Markie an, Humor, Wortspiele, Cleverness. Hör die 50 Cent an, er reimt so einfach aber die Leute sind verrückt danach, dabei hat er nichts neu erfunden. Hör dir Pharaoe Monch an, er lässt dich überlegen, keiner kann so klingen wie er, oder Rakim, heute geht’s nur noch um Ärsche, Felgen und Eyecandy, niemand denkt mehr mit dem Geist sondern nur noch mit den Augen.
JS 1: In den frühen 90ern haben alle RnB gehasst, wirklich jeder, dann kam Puffy und dachte sich wie machen wir Hip Hop leichter zugänglich für Radio, MTV usw. Mary j. Blige kam, sie kann gut singen, aber sie hat nichts mit Hip Hop zu tun, und machte auf Hip Hop – RnB, plötzlich liefen diese Lieder im Radio, und jeder musste es so machen, Songs für Ladies, ein paar Jahre später wollten dann die Labels und Radios auch nur noch Songs für Ladies, auch die Club Promoter, keiner durfte mehr Wu-Tang oder Mobb Deep spielen, man kam mit Sneakers und Caps nicht mehr in die Hip Hop Clubs, What the fuck? Heute ist es kaum noch auseinander zu halten: Hip Hop – RnB, Ne-Yo ist kein Hip Hop das ist irgendein Homo der auf der Bühne herumspringt. Mobb Deep machen keine Girl Songs, das sind die Typen die mit Waffen an der Ecke stehen, die wirklch Großen Namen stachen immer durch Originalität heraus: Rakim, Public Enemy, Run DMC, Atcq, heute klingt jeder gleich.
J: Wo siehst du Hip Hop in 10 Jahren, wie sieht die Zukunft aus?
R: Im Endeffekt geht es um das Geld, wenn jemand kein Geld macht wird er etwas daran ändern wollen, am ende des Tages geht es um das Geld.
J: machst du es des Geldes wegen?
R: ich liebe was ich mache, ich sage immer ich arbeite und bekomme Geld dafür. Aber ich möchte die Leute inspirieren und sie mit einem guten Gefühl aus dem Konzert lassen, ich möchte meine Fans nicht entäuschen, das ist mir weit wichtiger als Geld.
JS 1: In 10 Jahren sitze ich auf einer Insel und höre mir meine alten Platten an, während Timbaland in Berlin mit engen Rip Shirts Techno Musik macht. Es wird noch mehr Dance, Techno und House Musik werden, es ist ja jetzt schon fast so, Weißt du warum, wegen der Samples! Heute will keiner mehr Samples verwenden da es zu teuer ist. Stell dir Rakim über Timbaland Beats vor, mit Synthies das geht doch nicht. Aber fuck it, ich mach mein Ding, es gibt das Internet.
J: Wann kommt dein neues Album Rahzel
R: Es soll nächstes Frühjahr erscheinen.
J: igendwelche Details?
R: nein keine Details, ich will einfach die Herkunft von Hip Hop wahren, mich auf die Beats und Beatbox konzentrieren, in 10 Jahren werde ich immer noch die Kinder lehren, da fängt alles an, denn du kannst eine 25 jährige nicht von Britney Spears zu Hip Hop konvertieren deswegen fangen wir bei den 5 jährigen an. Die nächste Generation erziehen, irgendjemand muß es ja machen.
JS 1: Ich kaufe mir einen weißen Anzug, weiße Sonnenbrillen und nehme Tanzstunden. Jam Master Jay wäre unglücklich wenn er noch hier wäre!
J: Das ist ein schönes Schlusswort, Danke für das Interview!
R: No Problem.
Samstag 21ter Oktober Rote Fabrik Zürich Guilty Simpson, Black Milk, Sean Price
Die Rote Fabrik ist ein legendärer Ort in Zürich der wohl jedem hier ein Begriff ist. Etwas ausserhalb liegt dieser alte Backstein Gebäude Komplex direkt am See. Hier gibt es nicht nur Ateliers, Büros und ein Cafe, nein es gibt noch dazu 2 tolle Konzerträume wo oft gleichzeitig zwei verschiedene Veranstaltungen laufen. So passiert letzten Samstag, ich musste erstmal aufpassen nicht unabsichtlich zur Electro Party zu gehen, die dicken Beats von der andren Halle ließen mich aber schnell meinen Weg finden. Um ca. 23 Uhr machte Guilty Simpson den Anfang der seine komplette Show auf J Dilla Beats rappte und dem Verstorbenen Tribut zollte, solide Detroit Reime auf teils sehr experimentellen Dilla Beats ein wahrer Ohrenschmaus. Als nächstes gab sich der Young Gun Black Milk die Ehre, der mit einer energiegeladenen Performance wohl die besten Live Qualitäten des Abends hatte und größtenteils Songs von seinem Album: „Popular Demand“ spielte.
Kurz nach Mitternacht war es dann soweit. In den Reihen des Publikums konnte man laute PÜÜÜÜÜ! Schreie vernehmen, als die etwas heisere Brooklyn Legende gemeinsam mit seinem Back up/Hypeman Ruste Juxx die Bühne betrat. Beide in Jeans, XXXL White Tee, und Denim Blue fitted New York Cap, ein göttliches Bild. Auch wenn der Boot Camp General nicht gerade der aktivste Live Performer ist, konnte er jedoch alleine durch Stimme und Flow das Publikum überzeugen. Auch der etwas schmächtigere Ruste Juxx bestach durch exakte Back Ups, sicke Rap Parts und einer unglaublich krassen Stimme und war ein absoluter Mehrwert für Sean und die Show. Alles in Allem ein gut besuchter Hip Hop Jam der mir bewiesen hat dass die rote Fabrik den wohl besten Live Sound von Zürich bietet. Für jeden Österreicher der jetzt neidisch geworden ist, die ÖBB fährt ab 60 Euro Wien-Zürich hin und retour, na dann rein in den Zug. Artists die in den nächsten Wochen kommen: Wyclef Jean, O.C., Zion I, Nas....

FAT JOE live!! 15Jahre JUICY!










