"Also wir machen auf jeden Fall Rap-Musik. Wir haben Paul Blaze als Produzent. DJ Desue hat Beats gemacht. Aber wir haben halt eine Sängerin. Das geht ein bisschen mehr in die Pop-Richtung, weil wir auch ein anderes Publikum ansprechen..." Benjamin
"Das mit dem österreichischen Markt weiß jeder – das ist kein Geheimnis!" Sharon
"Was ich sicher sagen kann ist, in Wien gibt es so so viele Rapper. Offiziell anerkannter Rapper zu werden ist schwierig, aber du hast im Untergrund stetig neue Rapper. Die Leute entscheiden sich von heute auf morgen Rapper zu werden." Dragan
"Ich habe mir Lieder von Wu-Tang, Biggie, Big L und so angehört... und dann bin ich so auf die kroatische Szene gestoßen." Marko
Wie seid ihr zur Musik gekommen? Was war euer erster Kontakt mit HipHop und wann seid ihr selbst aktiv geworden?
Benjamin: Ich bin mit neun in die USA gezogen und habe dann mit dreizehn angefangen Biggie im Radio zu hören.
Sharon: Mit neun Jahren habe ich das Singen entdeckt. Dann war lange Pause und mit siebzehn habe ich dann wieder begonnen. Mit knapp neunzehn war ich bei "Rap Stars" – das war eine Casting Show für Rap und Soul – dort wurde ich Zweite und das war eigentlich der Anfang. Habe viele Leute kennengelernt, die Rap machten und Tracks machen wollten. So hat es sich dann ergeben, dass ich über die Jahre mal hier und mal da war. Aber das war alles eher englisches Zeug...
Dragan: Ich bin so mit zwölf, dreizehn auf HipHop gekommen – als ich in den 10. gezogen bin, hörte der Freundeskreis auch Ami-Rap und Sachen aus Deutschland. Bald darauf habe ich selbst begonnen Texte dazu zu schreiben, habe Beats dafür bekommen. Ich würde sagen, am Anfang schreibt man halt klischeehaft irgendwelche Texte, aber mit der Zeit entwickelt sich irgendwie diese Fähigkeit, dass man Sachen verarbeitet, die einen bewegen. Ich rappe über vieles trauriges, emotionales - einfach das, was mir auf dem Herzen liegt.
Marko: Ich habe mir Lieder von Wu-Tang, Biggie, Big L und so angehört... und dann bin ich so auf die kroatische Szene gestoßen. Hab selbst angefangen zu schreiben.
Habt ihr auch schon vor dieser Sendung aktiv an Battles/Jams teilgenommen?
Marko: 2006 haben wir auch ein Label gegründet – „Sfu-Records", falls dir das was sagt. Ist auch recht gut gelaufen. Wir haben auch ein paar tausend Alben verkauft damals. Ich hab also auch schon zuvor gerappt. Nicht auf Battles, aber eben mit meiner Crew. Damals im Atrium Anfang 2000 - Balkan Express. Ich war schon in der Wiener HipHop-Szene aktiv sozusagen.
Dragan: Ich hab halt kleinere Sachen gemacht.. Nichts Großartiges. Eher auf Youtube und Facebook, weil du dort eine größere Zahl an Menschen ansprechen kannst.
Wie seid ihr zur Show gekommen?
Dragan: Mich hat ein Fan da angemeldet. Dann hab ich meine eigenen Sachen da hin geschickt. Darauf kam eine Antwort. Ich weiß nicht, ich konnte mir nicht viel darunter vorstellen. Du denkst dann an so Sachen wie Casting, Pop-Stars. Du lernst Sido kennen. Aber es kommt dann anders – positiv! Ich muss sagen, wir haben freie Entscheidungsmöglichkeiten gehabt. Wir wurden nicht beeinflusst in unserem Handeln, in unserem Denken.
Benjamin: Es war dann ein bisschen anders, aber gut!
Marko: Viele Leute reden ja – „das läuft alles nach Skript!". Ich kenne ja schon lange eine Mitarbeiterin von hiphop.at und die kann auch bestätigen, dass das alles wirklich so in meinem Leben passiert ist.
Dragan: Du bist plötzlich in den Medien mit einer Geschichte und jetzt gibt's die Leute, die sagen für sich: „Mann, das ist heftig wie man aufwachsen kann." Dann hast du die Leute, bei denen auch der Neid mitspielt, die sagen: „Ist eh alles geschauspielt – ich scheiß auf dich!"
Sharon: Ich bin da so reingerutscht...
Dragan: Im Strip Lokal...
Sharon: Sie haben mich gefunden...
Dragan: An der Stange...
Sharon: Aber es war das erste Mal in einem Strip Club!
Dragan: Jajaja! Ich hab gehört, sie ist chronische Striptease Tänzerin! [Lachen]
Sharon: Nein, es war wirklich das erste Mal im Strip Club. Ich bin nur reingegangen, weil ich wusste, da geht es um den Gesang und da wird eine Kamera sein. Ich wurde um 10:00 Uhr nachts angerufen, um 11:00 war ich dort und am übernächsten Tag bin ich schon ins Loft eingezogen - ich konnte nicht mal drüber nachdenken...
Seht ihr euch als ein Teil der HipHop-Kultur?
Benjamin: Also wir machen auf jeden Fall Rap-Musik. Wir haben Paul Blaze als Produzent. DJ Desue hat Beats gemacht. Aber wir haben halt eine Sängerin. Das geht ein bisschen mehr in die Pop-Richtung, weil wir auch ein anderes Publikum ansprechen...
Marko: Da wird man gleich verurteilt – "Ihr seid nicht mehr real!"
Dragan: Wir bearbeiten das, was uns auf dem Herzen liegt. Wenn du z. B. den Song „Immer Schlimmer" hörst – wir bearbeiten auch so Sachen wie Politik, was vielen Leuten auf der Seele liegt. Einfach Sachen, wo die Zuhörer mitfühlen können und sagen: „Hey, das stimmt!".
Benjamin: Auf der anderen Seite haben wir aber auch poppigere Nummern drauf, was aber vor allem den Grund hat, dass wir ein Publikum ansprechen, dessen Horizont über HipHop hinausgeht.
Sido hat euch ja des Öfteren mit den Black Eyed Peas verglichen. Stört euch das? Machen die Black Eyed Peas gute Musik?
Marko: Die zweite Frage beantworte ich einfach mal mit ‚Nein'. Cooler HipHop sind für mich so Sachen wie Mobb Deep.
Benjamin: Guck mal – Black Eyed Peas – du hast du halt die Vorstellung von drei Jungs und einem Mädchen. Wen hast du da sonst noch? Die Fugees vielleicht.. es geht da halt um die Formation.
Dragan: Und unsere Musik hat nichts mit den Black Eyed Peas gemeinsam – absolut nichts!
Die Projektleiterin des ORF, Stefanie Groiss, sagt: „Es sollte den Kandidaten nicht eine Star-Illusion vermittelt werden – der österreichische HipHop-Markt ist zu klein, um dauerhaft davon leben zu können."
Benjamin: Wir haben eben auch in Deutschland gechartet!
Sharon: Diese Illusion wurde uns auch gar nicht gemacht!
Dragan: Es wurde uns klar gemacht, dass wir nur durch eigene Arbeit etwas erreichen können, und selbst das ist nicht sicher. Es kommt immer darauf an, wie sehr der Hörer von deiner Musik überzeugt ist.
Benjamin: Niemandem wurde gesagt: „Ihr geht jetzt hier als Millionäre raus."
Sharon: Das mit dem österreichischen Markt weiß jeder, das ist kein Geheimnis!
Benjamin: Wir sitzen jetzt hier gemeinsam an einem Tisch – ich denke ohne die Sendung wäre das nicht so!
Hat euch das Label auch schon eine Zusage für ein zweites Album gegeben?
Benjamin: Das Album ist jetzt mal im Laden und vom nächsten wird die Rede sein, wenn's so weit ist.
Dragan: Für uns ist jetzt mal der Eurovision Songcontest das Wichtigste. Wir treten ja am 24. Februar für Österreich da auf. Das ist schon mal klasse!
Marko: Anstatt dass die Leute haten und sagen „Aha, was?! Rapper gehen zum Eurovision Songcontest?!".
Dragan: Die sollten uns lieber unterstützen! Es werden andere Nationen auch darauf aufmerksam gemacht. Wenn ihnen gefallen hat, was sie gesehen haben, gehen sie vielleicht auf Google und geben „Austrian HipHop" ein, oder auf youtube...
Marko: Aber in Österreich gibt es eben was Rappen anbelangt, sehr, sehr viele neidische Leute...
Dragan: Was ich sicher sagen kann ist, in Wien gibt es so so viele Rapper...offiziell anerkannter Rapper zu werden ist schwierig, aber du hast im Untergrund stetig neue Rapper. Die Leute entscheiden sich von heute auf morgen Rapper zu werden.
Marko: Was für ein Untergrund?
Dragan: Du siehst jetzt den ersten Erfolg mit Blockstars und plötzlich bekommst du von so vielen Menschen Texte geschickt...
Sharon: Sogar ich!
Dragan: Es wird dir mehr bewusst, wieviele Leute sich damit beschäftigen und etwas damit erreichen wollen.
Man hat euch relativ wenig Musik machen gesehen. Der Fokus war auf etwas anderem...
Dragan: Das liegt natürlich an der Produktionsfirma, die das Ding macht. Einerseits denke ich mir, man hätte mehr Musik zeigen können. Andererseits konnten uns durch so ein Format die Leute besser kennenlernen. Aber dafür wurden ja so Dinge wie der Besuch bei einer Plattenfirma gezeigt.
Benjamin: Die Leute haben vorab anscheinend eine komplette HipHop-Show erwartet, ich habe mir auch mehr Musik in der Sendung erwartet...
Was ist das für ein Gefühl sich selbst im Fernsehen zu sehen und die Umstände unter denen man gewohnt hat? Und wie war es permanent gefilmt zu werden?
Sharon: Es ist mir teilweise gar nicht mehr aufgefallen.
Dragan: Das ist das Gruslige! [Lachen] Am Anfang denkst du dir: Ok, ich kontrolliere meine Emotionen, aber das gelingt dir nicht. Du gewöhnst dich so sehr an diese Kameras, dass du mit denen schlafen gehst, aufwachst, beim Kochen – die filmen dich und du kochst so als würdest du alleine essen.
Störte es euch die Art und Weise wie ihr im Fernsehen präsentiert wurdet? Konkretes Beispiel: Als du, Dragan, zurück nach Hause gekommen bist, lief im Hintergrund Celine Dion.
Dragan: Das heutige Fernsehen ist modern geworden - das ist halt die Sache. Du kannst die Sendung rausklatschen ohne irgendeine Musik, ohne irgendeine emotionale Stütze oder irgendwas, aber wie fasst der Zuschauer das dann auf? Ich würde sagen, dass ist einfach eine Sache des Fernsehens. Stell die Frage jedem Rapper in diesem Land und frag ihn: „Hey, würdest du das so machen, dass es emotionaler ankommt? Dass jedermann versteht, was du damit meinst? Oder würdest du drauf scheißen?" Der würde sagen: „Ich würde doch lieber die Musik reinschneiden!"
Wobei es ja auch ruhige/melancholische HipHop-Tracks dafür geben würde...
Benjamin: Das ist richtig, das ist ne Rap-Show...
Sharon: Wenn es gut ist, ist es gut - egal aus welchem Genre!
Sido sagte, dass er euch nicht wegen euren musikalischen Qualitäten, sondern wegen eurem sozialen Background ausgesucht hat...
Sharon: Er wollte halt helfen! Das war sein großes Anliegen.. und wen er jetzt jemanden hilft und dem geht es supergut, was muss er dann noch helfen?
Benjamin: Es war halt so: Sido hat gesagt: „Du hast nicht das Supertalent, aber ich kann dich hier so nicht weiterleben lassen!" Und dann hat er irgendwie gekuckt, dass er da einen Job checkt. Man hatte ja auch sechs Wochen Zeit sich zu entwickeln. Deshalb wurde auch Nazar vorbeigeschickt, damit er da dem ein oder anderen hilft. Es hat sich also schon ein bisschen was entwickeln können.
Dragan: Ich sag's mal so: Wenn es 100%ig um den sozialen Hintergrund gegangen wäre, dann hättest du sicher neun Michaels in der Show gehabt. Das war eben so eine Herzenssache, wo er helfen wollte. „Ich hab die Mittel, den Namen und den Ruf, um da helfen zu können!" Natürlich weiß er selbst, wenn er uns jetzt einen Plattenvertrag ermöglicht, dann nur weil wir ein Talent haben. Ich glaub kaum, dass eine Plattenfirma wirklich auf sowas eingeht, wenn kein Talent vorhanden ist. Es sind ja dann Ausgaben, die sich nie decken werden.
Ihr habt euch also im Bezug auf euer Können nicht auf den Schlips getreten gefühlt?
Dragan: Nein, es wurden ja auch unsere Qualitäten angesprochen. Was ich z. B. gesehen habe in der ersten Folge, wo der mit in dem Auto gesessen ist mit dem Laptop und gesagt hat: „Wir fahren jetzt zu Dragan - das ist ein guter Rapper!" Das ist für mich also ok. Er hat sich meinen Text angehört und meinen Flow, und das hat ihm gefallen.
Wie steht ihr zu den Vorwürfen, die auch von eurer ehemaligen Kollegin gekommen sind, dass die Show nach Skript ablief?
Marko: Gelaber! Wenn es mal Streit gab, haben die gesagt: „Kommt, setzt euch hin und redets mal drüber!" Aber du hast jetzt nie ein Blatt in der Hand gehalten, auf dem stand: „Dragan sagt: ..." Mich hat man auch in der letzten Sendung ein bisschen weinen gesehen - glaubst du wirklich mir könnte jemand vorscrippten, dass ich weine?! [Lachen] Ich bin ein sehr emotionaler Mensch - mir sieht man auch jede Emotion an. Aber Dragan hat auch geweint...
Dragan: Ja, das stimmt...
Benjamin: Ich war der einzige, der nicht geweint hat! [Lachen]
Marko: Ja, Mann! Ich bin stolz auf dich! [fist bump]
Interview/Foto: Gregor K.
(Danke an Jan von der Message, dessen Artikel wichtige Unterlage für das Interview war.)

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