Was hat Hiphop mit Fleisch zu tun? Eigentlich nichts und doch alles. Zumindest wer im letzten halben Jahr die deutsche Raplandschaft im Auge hatte, kam an einer Crew von Fleischverehrern nicht vorbei: K.I.Z. Mit ihrem blutigen, teils skurrilen Humor haben sie für die dringend nötige Abwechslung in der Szene gesorgt. DJ Sil-Yan spricht über Erfolg, österreichisches Fleisch und die aktuelle Tour.
Wie war die Resonanz auf euer Album "Hahnenkampf"?
Sil-Yan | Die war ausgesprochen gut! Wir sind in Deutschland in die Top Ten gechartet und in der Juice waren wir nicht nur Album des Monats, sondern wurden von der gesamten Hiphop-Szene in die Top 20 der erfolgreichsten und beliebtesten Deutschrap Alben aller Zeiten gewählt.
Man könnte es gut und gerne als sozialkritischstes Album seit 1998 bezeichnen. Wie war die Herangehensweise?
Sil-Yan | Wir haben immer den Anspruch, Dinge zu tun, die keiner vor uns gemacht hat. Wir wollten Sozialkritk und Humor miteinander verbinden und natürlich zeigen, dass wir die besten sind.
Offenbar habt ihr mit dem Album den Nerv der Zeit getroffen: wie erklärt ihr euch den Erfolg?
Sil-Yan | Ich denke, es war der richtige Moment für uns. Die Leute stehen auf Gewalt und Brutalität und auf Extreme. Aber plumpes Gangstertum ist auch langweilig geworden. Bei uns gibt es viele Querverweise und Metaphern, versüßt mit viel Gewalt und Humor.
Was steht release-technisch zukünftig auf dem Programm? Wirds auch wieder ein Mixtape geben?
Sil-Yan | Ende Mai erscheint unsere Live DVD und Live CD „Hahnenkampf". Begleitet werden die Releases von der Single „Hölle" feat. Bela B. von den Ärzten. ein Mixtape ist erst mal nicht in Planung. aber wir arbeiten schon am neuen K.I.Z. Album. Das soll im Herbst erscheinen.
Wie war die Tour bis jetzt? Dein witzigstes, krassestes, härtestes Tourerlebnis?
Sil-Yan | Die Tour lief super: die Konzerte waren fast immer ausverkauft und einige Shows mussten hochverlegt werden. Mein witzigstes Erlebnis war unsere Vorgruppe Chorus 86, DJ Reckless und MC Protz. Einfach zum totschießen! Am krasseten war, als ich bei einer Schow zwischen Bühne und Boxen in den Graben gestürzt bin, ca. drei Meter. Habe mir aber nur mein Schienbein aufgeschlagen.
Tourleben vs. Studio? Was bevorzugst du?
Sil-Yan | Beides ist toll, aber live spielen macht mir als DJ natürlich mehr Spaß. Da habe ich mehr zu tun und trage auch viel mehr Verantwortung. Das gefällt mir.
Wie gefiel dir der Auftritt in Wien?
Sil-Yan | Ich spiele immer gerne in Wien, ich bin selbst halb Österreicher, deshalb ist es fast wie zu hause zu spielen. Die Wiener gehen auch richtig gut ab. Das macht Spaß. Lasst es krochen!
Bei eurer Kannibalisten-Ehre: konnte österreichisches Fleisch euren Ansprüchen genügen?
Sil-Yan | Das Fleisch war ausgezeichnet, wir hatten nur ein Problem mit euren kalten Lammspießen. Unser Manger musste von denen kotzen.
Wo wir gerade bei Österreich sind: da gabs doch mal eine Geschichte mit Big J. Was kannst du dazu sagen?
Sil-Yan | Da musst du Tarek mal persönlich fragen. Ich kann dazu nichts sagen.
Zurück zur Musik: euer letztes Album ging ja über Universal. Hat das Aus von Royal Bunker persönliche/berufliche Konsequenzen für euch?
Sil-Yan | Nein, das denke ich nicht. Staiger wird auch weiterhin zum Team gehören und als Berater der Crew fungieren. Ob wir jetzt ein eigenes Label gründen oder ganz zu Universal gehen steht noch nicht fest.
Wenn man so will, kann man eure Musik wertfrei als "Disco-Rap" bezeichnen: woher kommen die musikalischen Einflüsse? Was hört ihr privat?
Sil-Yan | Wir hören viel Ami Rap wie Ludacris, Mobb Deep, Kurupt, aber auch deutsche Sachen wie Savas, Mach One oder Tua. Zudem hören wir auch Beatsteaks, die Ärzte oder Reinald Grebe.
Wie beurteilst du die raptechnische Entwicklung in Deutschland?
Sil-Yan | Der größte Teil hat sich sehr langweilig in die Dipset Richtung entwickelt und nur ein kleiner Teil versucht was Eigenes zu schaffen. Ich hoffe das ändert sich bald.
Abschlussstatement/Shoutouts
Sil-Yan | Wir drehen gerade das Video zu „Hölle" mit Bela B., das wird die Bombe, in Kürze auf MTV!
Bam, Oida!


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