Am 04.11.2006 huldigte man in der Postkutsche im salzburgerischen Mattsee in Form einer (be)rauschenden Party dem Mundart-Rap. Grund genug, zwei, auf dem zur Zeit outputreichsten, österreichischen HipHop-Label Tonträger Records gesignte Acts vors Mikro zu bitten: BumBum Kunst und Benedikt Walter (beide Engelstaub) über Tonträger, ihre Solo-Alben "Perpetuum Mobile" und "Transylvanien - Der Dorn der Liebe" und die linz-wienerische (imaginäre) Hassliebe.
Warum "BumBum Kunst"?
BumBum Kunst | Ein Freund von mir konnte meinen richtigen Namen Konstantin nicht aussprechen und nannte mich immer Kunst. Das ist irgendwie geblieben und hat nichts mit der Kunst an sich zu tun. Mit "BumBum" wollte ich ausdrücken, dass ich ich auf political correctness und was sonst so von Tonträger erwartet bzw. an Tonträger kritisiert wird, scheiß. Mir ist das egal, ich mach, was ich mir denk. Tonträger steht für leiwanden Rap und da kann man im Vorhinein nie sagen, was man zu erwarten hat und das keine Themen fallen, an denen man sich reiben kann.
Erzähl ein bisschen was über die neue Platte "Perpetuum Mobile".
BumBum Kunst | Mit Ausnahme des fröhlicheren "Perfect MC", sinds eher düstere Nummern mit vielen Synths und viel Bass. Die Beats, bis auf "Koin" von Dokta GC, habe ich alle selbst produziert.
Und was darf man bei dir erwarten?
Benedikt Walter | Bei mir darf man wie immer auf das Unerwartete warten: darke Beats mit heller Untermalung meinerseits, eher langsamere Nummern, Storytelling und abstrakte Konzepte wie zum Beispiel Zahlenmathematik und Philosophie, Primzahlen oder andere Wunder. "Transylvanien - der Dorn der Liebe": ich forsche an der Wahrheit des Universums und allen seinen Widersprüchen und versuch, die in meine Musik einzubauen und trotzdem die Wahrheit zu zeigen.
Man kennt dich von früher noch unter Ohvo. Warum bei dir der neue Name?
Benedikt Walter | Es war so, dass ich so zufrieden war mit dem, was ich erreicht habe und mir sozusagen ein neues Ziel stecken musste mit dem neuen Namen als Symbol. Namen sind aber eigentlich nicht wichig. Es geht mehr um die Kreativität, die durch den Namen aus dir rausgelockt wird.
Jede Person besteht ja aus verschiedensten Personen, wobei das linke Auge die Gefühlsseite repräsentiert und die rechte Seite die kalte Logik, den Verstand. Dawzischen gibt's natürlich tausende bis Millionen Gesichter, die ein Mensch zeigen kann und die er vielleicht auch selber erst finden muss. Manche sind kulturbedingt eingepflanzt, andere wiederum kommen von dir selbst. So probier ich halt, dass ich diese Gesichter über die Musik selber kennenlern... und das ist eine unendliche Aufgabe.
Jeder mit jedem - ist Tonträger der neue Swingerclub?
BumBum Kunst | Nein, das ist einfach Freundschaft. Bei uns gibt es diese Form von extremen Konkurrenzdenken nicht. Wir mögen uns alle, machen gemeinsam Platten und da gehört das einfach dazu, dass man gemeinsam Nummern macht. Wo die dann draufkommen und wie sie veröffentlicht werden, sieht man dann eh. Ich finde, das ist ein relativ gutes Erfolgskonzept, weil so ständig was rauskommt, einer den anderen anspornt und man dadurch besser wird.
Benedikt Walter | Da kann ich nur zustimmen. Tonträger Records besteht ja auch in erster Linie aus verschiedenen Personen, von denen jeder seinen eigenen Film laufen hat, jeder seine besonderen Eigenschaften wie jeder Mensch - darum ist das auch sehr unterschiedlich. Linz ist aber auch so klein, dass man sich immer wieder trifft, nicht so wie vielleicht in Wien, wo sich das doch verrennt. Bei uns sind auch nicht soviele Parties auf einmal und wenn, dann trifft man dort immer wieder dieselben Leute und mit der Zeit lernt man die auch alle kennen, speziell die Rapper, die man sowieso öfter zu speziellen Anlässen wie Aufnahmen, Hiphopveranstaltungen oder Auftritten sieht. Und natürlich entwickeln sich dann je nach Person oder Individuum stärker oder schwächer ausgeprägte Beziehungen. Man darf sich das nicht vorstellen wie Sonne, Sand und Meer, alles tralala und hippie juhu, da das Team ja aus lauter Männern besteht und jeder auch wieder für sich kämpft, weil der Mensch eben als Individuum gebaut ist. Das ist für mich aber kein Widerspruch zur Teamfähigkeit: ich möchte sowohl mit anderen rappen, aber eben auch alleine.
BumBum Kunst | Gerade bei Engelstaub zum Beispiel ist es so, dass man sich immer wieder zusammenraufen muss, um auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. BW macht eben eher abstrakte Sachen und mir taugen Synthiebeats und Battlerap mehr. Da muss man halt schauen, dass man das alles unter einen Hut bringt, dass man auf der selben Welle ist und das wird uns hoffentlich auch gelingen.
Wann kann man mit einem neuen Engelstaub-Album rechnen?
BumBum Kunst | Sobald die Releaseparty war (02.12.2006) und alle Sachen draußen sind, werden wir mit dem neuen Album anfangen. Ein paar Nummern haben wir schon gemacht und das Ding wird vielleicht Ende nächsten Jahres bzw. Anfang 2008 rauskommen. Das wird dann der 2. Teil vom ersten Film ("Im Jahr des Drachen" 2005) werden.
Wie weit kommt man mit Mundartrap außerhalb Österreichs?
BumBum Kunst | Nicht weit. Bayern geht vielleicht gerade noch, aber das wars dann auch. Aber das ist wurscht! Darauf wird gschissn!
Hassliebe Linz-Wien. Alter Hut? Oder ist das etwas, dass für euch Relevanz hat?
BumBum Kunst | Von meiner Seite ist da gar nichts dran. Wer leiwand ist, ist leiwand - wurscht, woher er kommt.
Benedikt Walter | Für mich ist da eigentlich schon was dran. Hiphop ist doch eine Battle-Kultur: man kämpft gegeneinander in Form von Wort, Djing oder Akrobatik wie beim Breakdance oder indem, dass man einfach die geilsten Bilder malt. So gesehen ist natürlich Konkurrenz da, aber das hat jetzt nichts mit Linz oder Wien zu tun - das liegt in der Natur des Spiels.
BumBum Kunst | Wenn jetzt irgendein Linzer sagt, Linz ist die leiwandste Hiphopstadt und dort gibt's die besten Rapper, dann ist das halt Battle, wo sich keiner angegriffen fühlen muss. Das sagt man mit einem Grinser im Gesicht und die, die sich da extrem angesprochen fühlen, sind selber schuld oder mit ihrer eigenen Leistung nicht zufrieden.
Benedikt Walter | Das muss jeder MC für sich selbst entscheiden, inwiefern er die Projektionsfläche Rap mit der Realität vergleicht. Und ich glaub, wenn man noch nicht so alt ist, kann man das leicht verwechseln. Was ich in meinen Texten sag um zu provozieren, sag ich, um sozusagen Widersprüche in der Natur aufzuzeigen. Wenn jemand den Widerspruch noch nicht so verarbeitet hat, kann ich mir schon vorstellen, dass man das falsch versteht.
Aber grundsätzlcih hab ich keine negativen Energien gegen Wien. Ich bin gern dort und es taugt ma voll, aber ich möchte natürlich auch der geilste Rapper Österreichs sein.
Und ich möchte mich noch einmal ausdrücklich dagegen verwehren, dass man einzelne Zeilen aus Texten nimmt und so tut als wär es das ganze Lied. Man soll sich das ganze Lied anhören und wenn da eine Zeile ist, wo gebattelt und persönlich angegriffen wird, dann war des dem MC wichtig das zu sagen, in einer Zeile. In Linz ist die Liebe daheim - aber auch der Hass, wie in jeder Stadt. Das ist in Wien nicht anders, nur sind dort die Umgangsformen andere als in Linz. Durch die Größe der Stadt wirds anonymer, kälter...
BumBum Kunst | ...und oberflächlicher.
Letztes Statement?
BumBum Kunst | Scheißt's eich ned au!
Benedikt Walter | Peace!





Funk it up VII










