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icon [INTERVIEW] Kayo - amStrom-Nachtrag

Lou_E, am 16.06.2011

pfeilreihe
 

Vor gut zwei Wochen feierte Kayo am Strom 2011 die Release-Party seines ersten Soloalbums „Des sogt eigentlich ois". Da das geplante Interview sprichwörtlich ins Wasser gefallen war, traf ihn Hiphop.at diesen Sonntag im Wiener Museumsquartier, um mit ihm über das Festival und sein Album zu sprechen. Mit dabei war auch MTS-Member & Freundin Nora MC.

Gleich zu Beginn baut sich ein Typ mit etwas irrem Blick vor uns auf und bringt herzhaft rülpsend sein Interesse zum Ausdruck. Abgang.

WTF?!

Nora MC | Angerülpst wurde ich noch nie...

Kayo | ...und wie er gschaut hat!

Lachen. Kopfschütteln.

Ein guter Start ins Interview. Weil wir eben noch darüber gesprochen haben - wie fandest du deine Release-Party am Strom?

Großartig. Eigentlich kann ich mir nicht mehr erwarten: Wenn man bedenkt, was man am Freitag noch erwartet hat, war eine super Stimmung und die Leute waren cool dabei. Einige CDs haben wir auch verkauft, von dem her hat es sich auf jeden Fall ausgezahlt, das Album dort zu releasen. Zum Glück hat das Wetter gehalten.

Du wärst auch am Strom gewesen, wenn du nicht dort gespielt hättest?

Auf jeden Fall! Ich find', es ist eine gute Sache und hoffe, dass es nächstes Jahr wieder stattfindet. Ich glaub' schon, dass es der Szene viel bringt und fortgesetzt werden sollte. Ich wär' auf jeden Fall hingefahren und hätte auch Eintritt gezahlt.

Glaubst du, am Strom hält sich? Grade dieses Jahr dürfte das Wetter ja ziemlich in die Kasse gfahrn sein...

Das ist reine Spekulation. Wir haben jetzt schon mit ein paar Veranstaltern gesprochen und es schaut natürlich schlecht aus, aber sie werden ihr Bestes tun, dass sies am Leben erhalten. Ihnen ist das ganze Ding natürlich auch sehr wichtig, sonst hätten sie nicht bis jetzt den Idealismus aufgebracht, um das zu managen. Es ist halt eine idealistische Gschicht, es verdient eh keiner was dran.

Zurück zu deinem Album: das hat ja doch ein bisschen gedauert...

Das ist einfach so passiert. Man hat ja trotzdem andere Sachen gemacht: Features, Kollabos, Alben und eine 12" habe ich auch in der Zwischenzeit released. Es ist immer irgendwas passiert, das heißt ich hab' zumindest jedes Jahr ein Feature gemacht. Warum ich speziell in den letzten 2 Jahren so einen Eifer aufgebracht habe, dass es endlich wirklich passiert, des waß i a ned.

Noras Augen weiten sich, ob des klitzekleinen PR-Fauxpax.

Der Großteil des Albums ist in den letzten zwei Jahren entstanden. Es hat halt alles zusammengepasst: Die Kreativität, die Muse kam.

Man könnte auch sagen, es hat einen Reifeprozess gebraucht...

Musikalisch auf jeden Fall. Jetzt bin ich zufrieden mit dem Album und rein aus musikalischer Sicht, bin ich sehr froh, dass ich es jetzt gedropped hab'. Natürlich haben mich die Leute inspiriert, die in den letzten zwei, drei Jahren released haben, dass ich wieder Gas geb. Wenn man sieht, dass in dem Land was weitergeht, dann will man auch nachlegen und mitziehen.

In der Zeit hast du sich sicher einige Tracks angesammelt: War's schwierig auszuwählen, was aufs Album kommt?

Nein. Von den etwa 30 entstandenen Skizzen, habe ich die 14 besten ausgearbeitet. Es war sehr dynamischer Prozess - meu do, meu do - verschiedene Bausteine, aus denen sich das Ganze ergibt und konkretisiert. Es ist kein Konzeptalbum, das am Reißbrett entworfen wurde, sondern nach und nach hat es sich so zusammengefügt. Daher glaub' ich, dass es sehr vielfältig und lebendig geworden ist.

A propos Konzept: Gab's eines zu dem Cover?

Das überlass' ich dem Betrachter. Es lässt sicher Interpretationsspielraum zu und den will ich jetzt nicht zerstören (lacht).

Bist du wirklich so ein Perfektionist, wie's die lange Wartezeit und der gleichnamige Track am Album vermuten lassen?

Nein, es ist eigentlich nicht schlimm. Wenn man sich die Nummer „Perfektionist ich" anhört, gibt's ja auch das Statement in der Hook, dass nämlich genau dieser Perfektionismus oft hinderlich und nicht förderlich ist. Mittlerweile bin ich echt weniger perfektionistisch veranlagt als früher und es ist echt nicht so schlimm, oder?

Das „Nein" von Nora kommt etwas zögerlich, aber doch bestimmt. Rasch ergänzt um „Auf jeden Fall ein gutes Mittelmaß".

Bei manchen Tracks ist es halt ganz extrem, weil sie das auch erfordern. Bei Sachen wie „Limmericks" bin ich dann schon streng und schau drauf, dass sich das durchzieht, während ich andere eher locker angehen kann. Der Track, auf den die meisten Leute grade flashen, „I kenn di doch nu ned amoi", ist beispielsweise am schnellst, in zwei, drei Stunden, entstanden. Von dem her, würd' ich mich auf keinen Fall als zwanghaften Perfektionisten bezeichnen, aber es ist halt auch ein Aspekt meiner Persönlichkeit, der manchmal zum Vorschein kommt.

Wenn man in Punkto Perfektionismus ein paar Abstriche macht, fällt's auch leichter, ein Album fertigzubringen...

So ist es! Das Album wär' sicher nicht entstanden, wenn ich die höchsten Ansprüche, die ich an den Tag gelegt habe, durchgezogen hätte und somit ist von vom Schreibprozess her schnellen bis langwierigen Tracks alles oben. Es wär' es sicher nicht fertig geworden, wär' ich zu sehr auf jeden Wort herumgeritten. Aber das find' ich auch cool, diese Spontanität gehört meiner Meinung nach zur Musik dazu und daher passt's so, wie's ist.

Was war dir bei der Auswahl der Features und Produzenten wichtig?

Leute, mit denen ich über Jahre zusammen gearbeitet habe, wollt ich natürlich unbedingt im Boot haben. Die älteren Tracks vom Album sind teilweise schon zwei Jahre alt, sprich Jack Untawega, Flip, BauXL usw. aber die wollt' ich auch unbedingt draufpacken. Die Producer kenn' ich vergleichsweise noch nicht so lange, aber auch da hatten wir ziemlich schnell einen ziemlich guten Draht zueinander. Die kennen halt meine Musik schon ewig, genauso wie ich ihre und daher konnten wir extrem schnell einen gemeinsamen Nenner finden, auf menschlicher wie musikalischer Ebene. Glückliche Fügung. Dass es natürlich ausgerechnet Leute sind, die sich untereinander auch alle gut kennen...

Der typisch österreichische Swingerclub...

So ist es. Im Grunde kennt eh jeder jeden irgendwo, solang man nicht grad irgendwo Beef laufen hat.

Was ist dein persönlicher Lieblingstrack auf dem Album?

Puh, gute Frage! Weil's so vielfältig ist, ist das schwer zu beurteilen, weil jeder Track gewisse Seiten hervorkehrt, von mir bzw. dem, was ich machen will.

Kayo überlegt ein bissl, während Nora & ich Witzchen über die Dokumentation der „Überlegzeit" reißen.

Es ist echt schwer: Wenn ich jetzt „I woa a amoi jung" sag, dann werd ich wieder an der Melancholie aufgehängt. Naja, sagen wir als musikalische Gesamtprodukte am ehesten „I woa a amoi jung" oder „I kenn di doch nu ned amoi" - die zwei Tracks gefallen mir am besten.

Weil du von vielen Seiten gesprochen hast: Du wirst aber immer als der Lyricist, der für den serious shit zuständig ist, gesehen. Ist da ein Track mit den Vamummtn ausgleichsweise notwendig?

Nooootwendig... (zieht das Wort skeptisch in die Länge)

Es war ja kein gezielter Move von mir. Sie haben mich gefragt, ob ich ein Feature machen will und nachdem ich damals das eine oder andere von ihnen kannte, dachte ich: Ja, auf jeden Fall! Ich wollte mich connecten und suche grundsätzlich eher das Gemeinsame als das Trennende.

Gibt's denn mehr Trennendes als Gemeinsames? (lacht)

Mit jedem Artist verbinden einen gewisse Sachen und bei anderen Dingen fährt man wieder seinen eigenen Film. Für mich hat sich die Frage nie gestellt. Ich hab das Feature gemacht, ich steh' dazu, ich werd' in Zukunft wieder was mit ihnen machen und seh' da nicht wirklich Erklärungsbedarf. Die Nummer sagt eigentlich eh schon alles: Damma si zam.

Verstehe. Themenwechsel: Warum sollte man das Album kaufen?

Sowohl auf produktions- als auch raptechnischer Seite beinhaltet das Album einfach geballte Erfahrung österreichischen Hiphops. Man hört einfach, dass etwas herangereift ist. Es ist eine spannende Gschicht und repräsentativ für das, was ich mach' und was österreichischen Hiphop 2011 ausmachen kann. Ein State of the Art Album österreichischen Hiphops, wenn du so willst, von dem sich sicher manche eine Scheibe abschneiden können. Ich stell hohe Ansprüche an meine Musik und ich bin extrem zufrieden, daher sollt' man's kaufen. Checkt's mein Snippet aus, hört's euch die Tracks auf iTunes an, kaufts das Album auf www.kayo.at. Dort kann man auch das Vinyl bestellen, das in zwei Wochen kommt.

Was sagst du btw. dazu, dass man dein Album mittlerweile schon wieder gratis downloaden kann?

Ah, kann man schon? Mich haben schon Leute gedisst, dass es nix werden kann, weil's noch nicht auf Phatrap steht, was sicher an meinen loyalen Fans liegt. Man kann's leider nicht verhindern und ich denk mir: Dinge, die man nicht verhindern kann, da bringt's auch nix, sich groß Gedanken darüber zu machen. Es hat ja nicht nur Nachteile...

Sicher, aber grad bei einem Markt wie dem österreichischen, wo vielleicht 600 Leute Rapalben kaufen...

Natürlich, aber ich spür trotzdem viel Solidarität, auch von ganz jungen Leuten, die im Netz schreiben „Hey, das Album wird fix checkt, weil das taugt ma einfach und das muss ma supporten". Die haben irgendwie das Bewusstsein, auch wenn's nur die Minderheit ist. Man kann nichts dagegen machen, außer zu hoffen, dass die Leute Rap supporten, auch wenn sie's downloaden können.

Wie geht's bei dir jetzt weiter?

Ich bin auf jeden Fall schwer motiviert, 2012 wieder nachzulegen. Fürs erste geht's mal daran, Konzerte zu spielen und Promo zu machen, um das Bestmögliche rauszuholen. Sprich: Eine Minitour durch Salzburg, Linz und soweit es geht, beackern wir auch die anderen Bundesländer. Den nächsten Gig spielen wir am Donauinselfest, am 24. Juni. Jetzt wird auf jeden Fall rausgeholt, was geht und dann wieder nachgelegt. Ich hab's ja nicht nur gemacht, damit ich auch endlich ein Album draußen hab', sondern, weil ich wirklich hungrig bin und der Hunger hört nicht auf.

Danke!

 

Photo Copyright: Claudio Farkasch


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