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icon [INTERVIEW] Fuchs MC

Lou_E, am 22.10.2009

pfeilreihe
 

„ES IST ZEIT, dass ihr eure Aufmerksamkeit dem alten Fuchs schenkt." So lautete die Aufforderung, die über unser allseits beliebtes Kontaktformular in den Posteingang flatterte. Recht hat er: Wenn der rappende Reineke seinen Wald verlässt, sollte er das nicht unbemerkt tun. Am 17. Oktober, 2 Jahre nach seinem letzten Solo-Album „Higher Level", feierte Fuchs MC seine dritte Eigenkreation gemeinsam mit RTC- und Release-Kollege MC Schoko im Viper-Room. Vorab sprachen wir über das neueste Werk, über die Sinnhaftigkeit Gänxtah-Rap und Nachwuchsförderung und über seine Beziehung zu Big J und Kärnten.

Du hast am 17. Oktober dein dem Vernehmen nach „zweites" Solo-Album mit dem klingenden Titel "Showdown" veröffentlicht. Was steckt (thematisch) dahinter?

Von dem Gerücht, dass Showdown erst mein zweites Album wäre, hab‘ ich auch schon gehört. Das glauben viele. Offensichtlich ist in der Vergangenheit bei der Promotion so einiges schief gelaufen. Tatsächlich ist das mein drittes Album, wenn man das Seizu-Album „Lauter" und die nicht im Handel erhältlichen Demos und Mixtapes mitzählt, sogar mein 7. Longplayer. Dazu kommen dann noch zahlreiche Features und von mir produzierte Tracks auf Alben, die nicht unter Fuchs MC oder Seizu erschienen sind. Lange Zeit war‘s mir egal, ob und wieviel die Leute von meiner Musik mitbekommen. Das hat sich allerdings im Laufe der Jahre geändert, wie man merkt.
Showdown war erst nur der Titel für den Track zusammen mit den beiden „Spielernaturen" Adem Delon und James Bonz. Der Track war ursprünglich für das RoofTop-Album geplant, das ja bekanntlich leider nie erschienen ist. Als Albumtitel steht Showdown für das Konzept, das dahinter steckt. Ich lege hiermit alle meine Karten auf den Tisch und zeige alle Facetten meines Könnens. Auch musikalisch: Tracks mit Live-Band, Synthie-Beats, samplelastige Instrumentals, gesungene Hooks... Es ist eine Art „Best of 2006-2008". Lyrische, stilistische und musikalische Vielfalt, auf einem Album vereint, das dennoch „wie aus einem Guss" klingt und somit beweist, dass all die Versprechen meinerseits, von wegen „Wir arbeiten bereits an dem nächsten Bomben-Album, das bald rauskommen wird", doch keine leeren Worte und somit nur ein Bluff waren.

Am Anfang des Snippets erwähnst du die gescheiterten Releases der letzten Jahre: Kommt da der Frust durch?

Es gab 2 Alben - 2006 das RoofTopClique-Album und 2007 das zweite Seizu-Album - die geplant waren und dann doch nicht erschienen sind, obwohl wir voreiligerweise in Interviews bereits stolz davon erzählt hatten. Bei RTC war es leider nicht möglich, einen gemeinsamen Nenner zu finden unter dem alle genügend Platz haben, um ihre Vorstellungen zu verwirklichen. Egal, welcher Vorschlag, es hat immer jemanden gegeben, der das nicht so machen wollte. Bei rund 20 Personen ist es schwer, sich zu einigen, wenn es am Anfang an einer gemeinsamen musikalischen Vision fehlt, die als Ziel dient, auf das alle gemeinsam hinarbeiten wollen. RTC ist halt nur eine Clique von befreundeten MCs, DJs und Producern, etc., die sich untereinander unterschiedlich gut kennen und unterschiedlich viel miteinander zu tun haben. Das C stand nie für „Crew", weil das waren wir nie. Live ist es nicht aufgefallen, weil wir immer einen geschickten Mix aus „Greatest Hits" und gemeinsamen Feature-Nummern gebracht haben. Aber ein gemeinsames Album haben wir nicht zusammengebracht. Nur einzelne Tracks, dann hat sich jeder wieder seinem eigenen Scheiß gewidmet und die in dieser Zeit begonnenen Nummern sind teilweise vergessen worden. Manche haben‘s aber auch auf andere Alben geschafft, 6 davon auf „Showdown".
Bei Seizu war die fehlende Zeit das Problem. Wenn eine Band gemeinsam an was Neuem arbeiten will, muss man sich gleichzeitig dafür Zeit nehmen, was leider ab einem gewissen Punkt nicht mehr möglich war. 2007 ließen sich die Terminkalender von den Bandmitgliedern, die damals bis auf mich alle berufstätig waren, nicht mehr koordinieren. Wir haben, so wie bei RTC statt einem ganzen Album, nur ein paar Tracks zusammengebracht. Sicher frustriert mich das, wenn meine Pläne scheitern, obwohl ich von meiner Seite her alles Erdenkliche getan habe, damit das Projekt ein Erfolg wird. Was soll's?! Mach ich halt nur mit den Leuten Musik, die auch genug Zeit und Motivation dafür haben.

Ein ambivalentes Markenzeichen, dass sich die RTC da zugezogen hat: das Ungleichgewicht zwischen Größe/Bekanntheitsgrad und Output ;)

So ist es nun auch wieder nicht. Es gibt zur Zeit drei aktuelle RTC-Releases: A.Geh und Funky Cotletti als WPB mit „Freunderlwirtschaft", MC Schoko - „Gift schmeckt bitter" und mein eigenes Album „Showdown", die alle in den letzten Monaten erschienen sind. Die einzelnen Mitglieder der RTC sind als Feature-Artist auch auf den CDs vertreten. Nur unter dem Namen RoofTopClique ist noch nie ein Tonträger erschienen, aber es ist auch nichts Derartiges geplant. Am realistischsten ist noch eine RTC DVD mit Liveauftritten, Interviews und allen Videos von der Clique. Aber das wird noch dauern. Zur Zeit gibt es auch keine Gigs als RTC-Kollektiv...

Zurück zum Album: Schon im Snippet merkt man die soundtechnische Verbesserung - was ist diesmal anders?

Es war mir wichtig, dass das neue Album wieder ein Stück besser klingt als das letzte. „Showdown" wurde von N-Jin abgemischt, der auch einen Großteil der Tracks aufgenommen und produziert sowie die von mir produzierten Sachen aufgefettet hat. Gemastert hat das Ganze DJ Buzz von den Waxos. Ein gutes Studio-Team, bei dem ich auch in Zukunft bleiben will.

Deine Fans sehen dich als Vertreter von Rap mit Herz und Hirn. Thematisch widmest du auch eine Nummer dem Gänxtah-Rap: Wie siehst du die diesbezügliche Entwicklung in Österreich und Deutschland?

Sicher gehören Übertreibung, Politiical Incorrectness und maskulines Gehabe auch zum Hiphop dazu. Mit Provokation verschafft man sich Aufmerksamkeit und am besten verkaufen sich immer noch Sex & Crime und der Reiz des Verbotenen.
Wenn der durch solchen Hiphop ausgelöste Kommerz-Boom dazu führt, dass einerseits die Kids gar nicht mehr wissen, dass es auch andere Arten von Rap gibt und andererseits die breite Masse denkt, alle Hiphopper wären so hinnich drauf wie die Typen auf MTV und Viva, dann muss ich mich von dem Ganzen distanzieren. Ich bild‘ mir nicht ein im Ghetto zu leben, nur weil meine Gegend für österreichische Verhältnisse „gefährlicher" ist als andere Stadtteile. Sicher auch in Österreich gibt es Drogen, Gewalt und Kriminalität, aber in Wahrheit ist es fast nirgendwo sonst so schön friedlich und sicher wie bei uns. Wenn man mal schaut, wie‘s im Rest der Welt zugeht... Das Hauptproblem bei deutschsprachigem Gängstarap ist die fehlende Authentizität und die daraus resultierende Lächerlichkeit. Nur 1 von 100 Gängstaräppern rappt da über Dinge, die mit der Realität seiner Lebensumstände zu tun haben. Die restlichen 99 wissen in Wahrheit gar nicht, wovon sie da reden. Der Großteil steckt noch in der Pubertät und lebt in einer Fantasiewelt. Es ist ärgerlich, wenn solche ungewollt-lustigen Kasperln dann viel mehr Aufmerksamkeit bekommen als jeder ernsthafte Künstler.
Deshalb finde ich den aktuellen deutschsprachigen Gängsta-Rap-Boom schlecht.

Bei der diesjährigen Hiphop Connection wurde ein Teilnehmer (Winchester) während der Battle-Jausn auf Grund seiner Lyrics von der Bühne „entfernt". Wie stehst du dazu?

Zensur bringt nix, sie geht meist nach hinten los und bewirkt das Gegenteil des erwünschten Effekts. Oft sagen MCs, die provozieren wollen, Dinge, von denen sie selber nicht überzeugt sind, nur um verboten zu werden. Damit die Leut‘ nachher über sie reden, so wie wir jetzt übern Winchester. Es war klar, dass die Leute von der Arena keine extrem sexistischen, rassistischen oder homophoben Aussagen dulden werden. Für Arena-Verhältnisse waren die an diesem Abend eh tolerant. Nur mit dreimal „schwul" als Beschimpfung in nur einem einzigen Satz hat er halt den Bogen überspannt und genau das wollte er oder er hat einfach nur zu viel Berlin-Rap gehört, was weiß ich. Zensur ist der Feind der künstlerischen Freiheit. Doch mit Kunst hatte das Ganze eh wenig zu tun. Ich bin auch gegen solche Texte, aber auch gegen Zensur, also gegen alles.

Du hast bei diesem Battle gegen Appletree jede Menge positive Resonanz bekommen. Mit welchen Lines hast du das Bäumchen gefällt?

Es waren nicht einzelne Lines, mit denen ich gepunktet habe, sondern das Gesamtding. Meine Bühnenpräsenz, die Rhetorik und natürlich meine Stimme. Während viele Konkurrenten das Publikum mit monotonen Beschimpfungen im Zeitlupentempo gelangweilt haben, gab‘s bei mir melodiöse Ragga-Parts kombiniert mit Freestyle-Rap und zynischen Zwischenbemerkungen. Am Anfang habe ich mit der Crowd geredet, ihre Sympathie gewonnen und sie auf meine Seite gebracht, bevor ich mich dann meinem Gegner gewidmet habe. Der Apple ist ordentlich ins Schwitzen geraten, er hatte rasch das Gefühl, dass ihn das Publikum nicht mag und genau das hab‘ ich ihm ins Gesicht gesagt. Er hatte den Fehler begangen, den Battle gegen mich auf die leichte Schulter zu nehmen. Er war schlecht vorbereitet und hatte mir schon bald nichts mehr entgegenzusetzen. Ich hab‘ triumphal gewonnen, weil er im Augenblick total versagt hat. Nachdem er dann von der Bühne geflüchtet ist und ich ohne Gegner dagestanden bin, hab‘ ich mir halt den Big J vorgeknüpft, den ich sowieso noch nie leiden konnte, was die Leute auch sehr witzig fanden. Meine letzten Worte waren: „Du (Apple) und Big Gay, ihr seid beide extrem schlecht. Big Gay wüsste gern wie das Sperma von The Game schmeckt, ihr wärt ein schönes Paar, ihr seid beide Looser. Ich bin ein Gewinnertyp, so wie Yakuza!" Das war im Übrigen auch schwulenfeindlich und tiaf, aber wenigstens lustig.

Reizthema "Big J"?

Er überschätzt sich selbst, wenn er glaubt, er wär als Host für so einen Battle geeignet. Er hat sich das wie bei „Feuer über Deutschland" vorgestellt, er als Savas und wir als potenzielle Optic-Army Rekruten. Nur so läuft das nicht. Er hat nichts Herausragendes geleistet, das ihn über die anderen MCs stellen würde. Er ist genau so ein mittelmäßiger, erfolgloser Nachwuchsrapper wie alle anderen MCs, die dort teilgenommen haben. Er überschätzt sich ebenso, wenn er glaubt, er wäre als Entertainer oder gar als Idol geeignet, dem andere zujubeln. Beim AmStrom-Festival wollte er mir die Retourkutsche verpassen, nur kaum wer hat‘s mitbekommen. Er ist direkt nach mir aufgetreten und das Publikum ist vor ihm geflüchtet. Während es bei mir zumindest in den ersten Reihen noch ordentlich abging, suchten bei ihm die Leute skeptisch Distanz oder gingen sich gleich ein Bier holen. Weil wieder mal alles nicht so gelaufen ist, wie er sich das vorgestellt hatte, fing er an das Publikum zu beschimpfen, worauf ihn Flowin Immo, der Host des Festivals, von der Bühne geworfen hat. Da gab‘s nichts mehr hinzufügen. Er ist halt ein Wappler.

Back2Topic: Kritische Reaktionen gab es, weil das Battle vorbereitet wurde. Wie siehst du das?

Pfffh, warum nicht? Die bei „Feuer über Deutschland" bringen auch nur vorbereitete Texte. War ja kein Freestylebattle und es war auch nicht verboten zu freestylen. Außerdem ist Acapella freestylen so eine Sache. Das geht nie lange gut. Ich mach‘ beim Freestylen an passender Stelle immer kleine, ganz kurze Denkpausen, wenn dann kein Beat zum Orientieren beim Wiedereinstieg da ist, komm‘ ich früher oder später aus dem Takt. Das geht allen so. Leider hat die Vorbereitungszeit bei vielen auch nix geholfen. Ihre Parts waren deshalb nicht sinniger, viele haben nicht im Takt gerappt und bei manchen hatte man den Eindruck, dass sie es nicht mal versuchen? Teilweise war das voll Slam-Poetry-mäßig, nur halt ohne Poesie, nur Po-Vokabular.

Praktisch kämpfst du ja dagegen an und setzt mit Coolesterin Records auf Nachwuchsförderung: Wie sorgst du für Frischfleisch?

Ich leite Rap-Workshops für den Kultur- und Sportverein der Wiener Berufsschulen und auch im Jugendzentrum Pantucekgasse in Simmering. Ich helfe den Jugendlichen beim Texten, recorde mit ihnen erste Demos und helfe ihnen so gut es geht, die ersten Schritte in Richtung „Karriere" als MC zu machen. Ich mache das schon lange im Auftrag von verschiedenen Vereinen. Es ist auch vorgekommen, dass Talente, die ich beim Workshop kennengelernt habe, bei mir auf Coolesterin Records gleich ein Album veröffentlichen. Der bekannteste meiner ehemaligen „Schützlinge" ist MC SeZar von der Dialektika Crew.

Themenwechsel: Was verbindet dich mit Kärnten?

Die mögen mich nicht, weil ich auf ihren Volkshelden Jörg Haider immer noch genauso schimpfe wie damals, als er noch lebte. Man muss sich nur mal die Kommentare auf Youtube zu „Der Nachruf" ansehen. Die Tatsache, dass er sich in da Fettn dastessn hat, macht den durch ihn zu Lebzeiten angerichteten Schaden auch nicht mehr gut. Aber ich weiß nicht, ob man das als Verbindung bezeichnen kann.

A Sau bleibt a Sau - söbst tot. Abschließend: Wo wird man dich nach deiner Release-Party noch live sehen?

Der Termin am 17. war als Auftakt für eine kleine Österreich-Tour geplant. Leider wurden die Termine in Linz und im Burgenland verschoben. Geblieben sind: 14.11.09 @ Culture Factory in Lustenau, 21.11.09 @ Riverhouse in Fieberbrunn und 22.11.09 @ B72 in Wien.


Kommentare

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kanns mir nicht fertiglesen..

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posted by Cuntmaster_Dookie
der Interviewte kommt mir viel zu arrogant rüber.. und wer ist er schon.. außerhalb der Szene kennt ihm auch keine Sau, egal wie lang er sich darin schon aufgehalten hat und was released hat.. Hätt mich sonst schon eigentlich interessiert..

Aber bei Leuten die sich durch Eigenlob inszinieren, dreh ich zu aller Erst mal ab ( im Rap kann ichs verstehen.. is Kunst oder auch nicht) im Interview in diesem Maße.. geht nicht. nicht bei mir.

??

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posted by zukunft
wann lädt endlich wer das aplle vs fuchs battle online!
dieser warda typ hat das doch sicher...aber der fürchtet wohl, dass er nicht mehr backstage darf!

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posted by sebokill
tolles interview

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posted by tripa
sehr interessantes interview mit klaren aussagen!
apropos medienarbeit: die coolesterin-homepage hätt wohl dringend eine aktualisierung notwendig :)
was ist eigentlich aus confusiee geworden? rappt der noch?
bin am 22. auf jeden fall im b72!

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posted by ScOOp
likes this

nachruf

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posted by mirac
ist super!!

gutes interview

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posted by zukunft
ein sehr ehrlicher mc, der keine angst hat auch mal die pappm aufzureissen.
das aplle battle ist jetzt schon legendär.