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icon [INTERVIEW] Die Dephjoe-Story

jizza, am 03.12.2008

pfeilreihe
 

Dephjoe hat vor kurzem sein Debutalbum "Hey Playa" auf Supercity veröffentlicht. Davor war es lange Zeit ruhig um ihn, doch jetzt will er richtig durchstarten. Grund genug ihm ein paar Fragen zu stellen:

hiphop.at: Mitte Oktober hast Du im Wiener Planetarium den Release Deines Albums "Hey Playa" gefeiert. Nach langer Arbeit wurde Dein Baby von der Crowd gefeiert, ist Dir ein Stein vom Herzen gefallen?

Dephjoe: Es war für mich ein großartiger Moment, genau so wie er erleichternd war... Es ist ja kein Geheimnis das es richtig lang gedauert hat bis ich das Ding droppen konnte, und da is es dann eben schon großartig die Früchte seiner Arbeit auf diese Weise teilen zu können...

hiphop.at: Es hat lang gedauert bis es zum Release gekommen ist. Was waren die Probleme, und wie hast Du sie gelöst?

Dephjoe: Puuh, wo soll ich anfangen.. Vielleicht fang ich wirklich ganz vor an damit alles wirklich ganz klar ist, ich denke das bin ich einigen Leuten schuldig... Während der Arbeit an Bohemian Rapzodeez mit Saiko, hat Saiko mich auf Brenk aufmerksam gemacht.. Er hat mir Stuff vorgespielt der mich einfach weg gebombt hat, ich war sofort geflashed und wollte ihn kennen lernen, und mehr von dem Zeug hören. In dem Moment ist mir einfach bewusst geworden was ich machen wollte, wie meine Platte klingen sollte… Warum? - Das Zeug war sehr musikalisch und was für mich zusätzlichen Ausschlag gegeben hat, live mit Band umsetzbar, weil es von vornherein durch Brenks Produktionsweise bedingt sehr analoges Zeug war. Es hat zwar etwas gedauert bis wir uns dann wirklich kennen lernten, aber wir beide hatten von vornherein Bock drauf miteinander zu arbeiten, was dann auch passiert ist. Er hat sein Ding gemacht, und ich meins… Es war damals eine sehr produktive Zeit in der ich viele Tracks geschrieben hab...

Das war alles so in der Zeit des SuperCity Soundsystems, was auch einen gewissen Einfluss auf das gegeben hat, wo ich mit meinem Material hin wollte. Ich wollte eine Platte machen die stark von Instrumenten geprägt war, dabei die Beats von Brenk als Blaupause verwenden bzw. noch C- oder D-Teile beim rehearsen für die Arrangements entwickeln, Additiv sehen wie sich mit Instrumenten arbeiten lässt usw... Ich wollte ein klein wenig experimentieren und dabei einfach gute Musik machen, die meinen Anspruch erfüllt. Das Gangsta und Battle Ding war auch stark im Kommen und da würde mir ebenfalls klar, daß wenn man sich gegen all das durchsetzen möchte, man eine hochqualitative Alternative bieten muss, wenn man nicht auf den Bandwaggon aufspringen möchte oder so wie ich nicht will...

Als ich dann ein paar Tracks aufgenommen hatte, hab ich mit dem Labelshoppen angefangen. Ich bin von einem Kontakt zum nächsten um Unterstützung für meine Platte, meine Vision des Sounds, den ich haben wollte zu finden. Auch nach einem Studio hab ich gesucht, weil Buzz bei dem ich bis zu zum Zeitpunkt alles hab aufnehmen können, mit seinem Studio umgezogen ist. Die Produktion - wie ich sie vor hatte - war sehr intensiv von vielen Faktoren her. Hauptsächlich aber finanziell, weswegen es natürlich dann nicht einfach war jemanden zu finden, der es supportet. Besonders unter dem Gesichtspunkt des aufstrebenden Gangstertums, wie auch immer… Im Verlauf hab ich einen Verlagsdeal unterschrieben, durch den ich mir für den deutschen Markt einiges erwartet habe, was aber durch mein Nicht-Veröffentlichen-Können, nicht so zum tragen gekommen ist wie ich mir das gewünscht hab. Auf jeden Fall war ich in weiterer Folge auch viel in Deutschland um mit meinem Verleger nach einer Möglichkeit zu suchen, einen Deal zu finden. Das ganze hat sich über einen langen Zeitraum erstreckt, in dem Brenk und ich aus Frust an der Sache, uns auch anderen Projekten zugewandt haben. Ich hab mit Mezuian die Ep gemacht, und Brenk´s Produktionen haben immer mehr Abnehmer gefunden. Bei der Suche nach Labeldeal und Studio bin ich dann auf Kraans (De Lutin) gestoßen, dem mein Zeug sehr gut gefallen hat und sich kurzer Hand dann auch entschied mit mir zu arbeiten.

Die angesprochene DEPH´N´MEZ EP…
Ohne Ergebnis für die Suche, dafür aber mit guten Aufnahmen bin ich nach Wien zurück und hab dort weiter gemacht. Ich bin zwar immer wieder in Berlin gewesen, aber es hat sich leider nix ergeben. Teilweise weil ich einfach in Wien war, und andererseits weil ich einfach Sounds hatte, die nicht dem Trend entsprachen. Es hat dann wieder zwei Jahre gedauert bis ich das Material, das ich in Berlin aufgenommen hatte, auf CrackedAnEgg raus bringen konnte. Traurig aber wahr… Die EP sollte als Teaser für die in Folge erscheinende LP sein, was dann aber wieder nicht zustande kam, weil ich mich mit dem Label verkracht hab. Es gab verschiedene Ansichten zum Marketing und Deadlines, und so ist der Deal geplatzt. Das hat mich wieder nach hinten geworfen. Ich hab versucht in Erscheinung zu treten wo ich konnte, aber bei vielen Angeboten die ich zur Zusammenarbeit bekam, war mir das Niveau einfach zu niedrig. Abgesehen davon waren alle Anderen, und ich meine alle anderen Rapper, auf einem anderen Film als ich, so das sich eine Zusammenarbeit von vorn herein ausschloss. So viele gute Leute gibt es in Wien halt nicht.

Alles in allem war die Zeit nicht ganz einfach für mich, ich hab oft darüber nachgedacht es ganz sein zu lassen. Es ist nicht leicht sich nach jedem Rückschlag wieder zu motivieren, wieder zu schreiben, ein Studio zu suchen usw. Vor allem dann nicht wenn man kaum was zurück bekommt mit dem man den Motor wieder auftanken könnte. Letztendlich hab ich dann im Mella, den ich eigentlich schon zwei drei Jahre zuvor kennengelernt hatte, jemanden gefunden mit dem ich nicht nur musikalisch gevibet hab, sondern der auch die Möglichkeit besass zu recorden.
Mit ihm konnte ich arbeiten, nahezu so wie ich es mir vorgestellt hab. Das einzige was gefehlt hat war ein vollwertiges Studio in dem man Musiker hätte aufnehmen können. Wir haben recorded, recorded und recorded, auch über Beats die nicht von ihm waren, wie die von Brenk. Die beiden waren sich zuvor auch schon über den Weg gelaufen, und hatten die Idee zum SoulCats Team, wo die beiden mich dann dazu geholt haben als logische Konsequenz des Geschehenen. Das war ca. Anfang 2007 wo ich eben verstärkt mit Mella gewerkt habe. Anfang 2008 kam dann Supercity das Label auf dem Brenk seine Gumbo raus bringen konnte, und nach einigen Diskussionen war dann auch klar, daß ich mein Album dort raus bringen würde. Es gab ein paar Unstimmigkeiten von wegen wann, die wir aber schließlich auch klären konnten.
Der Rest ist denke ich allgemein bekannt und Geschichte…
Unterm Strich hab ich einfach zu lange nach einer Möglichkeit gesucht das Projekt unter meinen Bedingungen durchzuziehen, und hab zu wenige Abstriche und Kompromisse gemacht…

hiphop.at: Wie lange hast Du am Album im Endeffekt gearbeitet? Sind alle Texte neu oder hattest Du Sachen in der Schublade, die Du jetzt ausgepackt hast?


Dephjoe: Anfangs hab ich schon mit dem Ziel eine LP fertig zu bekommen Tracks geschrieben und aufgenommen, aber nachdem sich die Lage, was das Veröffentlichen anging so lange und schwierig gestaltet hat, wurden manche Joints einfach alt, Konzepte neu überdacht und verworfen usw. Irgendwann in der Zeit hab ich dann einfach aufgenommen, natürlich immer mit dem Ziel Album, aber das Konzept für dieses hat sich immer wieder verändert. Zunächst sollte es ein Album werden das die Puccini Oper La Boheme als Kern hatte, und auch in Akte gegliedert sein sollte, dann kam Strictly Vi(e)ntage, und so weiter und so fort. Wir haben irgendwann einfach nur gemacht, und ich hab parallel dazu versucht einen Deal zu bekommen. In dieser Phase haben Brenk und ich - jeder für sich - uns ständig weiter entwickelt. Ich hab mich gesanglichen Dingen gewidmet, und mit Songstrukturen gearbeitet, und Brenk hat Tag und Nacht produziert wie ein Irrer und so sein Game verbessert.  Schlussendlich war´s dann einfach so das ich wirklich viele Songs zusammen hatte, teilweise dann eben auch von Mella mit dem Brenk und ich nun ja die SoulCats bilden, Main Loop, oder auch Buzz, die ich dann zur Auswahl hatte für die Platte.

Ich hab mich schon davor dazu entschlossen der Platte ein relativ synthetisches Gewand zu geben, und hab dann - die für mich besten - Joints und Interludes unter dem Gesichtspunkt rausgepickt. Manche von den Dingern sind schon lange in der Schublade wie Hey Playa, M.A.R.S, und wieder andre hab ich in den letzten Atemzügen der letzten Produtkionsphase geschrieben und aufgenommen wie Genesis. An den Tracks für HEY PLAYA hab ich effektiv so ca. 1 Jahr gearbeitet.

hiphop.at: Wer hat alles am Album mitgearbeitet?

Dephjoe: Vorwiegend das SoulCats Team, also Brenk, Fid Mella und ich. Mit Mella hab ich auch einen Großteil des Materials aufgenommen, und das unter Umständen die nicht weit entfernt von "Ghetto" waren. Dann waren noch Main Loop, Naturtalent und Stephan von Klangfabrik mit im Boot, genau so wie Buzz der neben seinem Joint ("Bei dir"), auch noch das Mastering der Platte oder besser CD gemacht hat. Weitere Unterstützung erhielt ich durch die Gastmusiker Radsch und Schmolli, die mir jeweils Stuff für gewisse Joints eingespielt haben, das war´s..

hiphop.at: Wie bist Du auf diesen "Detroit-Sound" gekommen?

Dephjoe: Mir hat der klassische New York Sound nicht mehr so viel gegeben, und weil ich eigentlich schon immer eine Soulaffinität hatte, und ich dann die ersten Slum Village Joints gehört hab, war ich angekommen. Die teilweise äußerst minimalen Beats, der jazzige Umgang mit den einzelnen Komponenten des Sounds und vor allem der Groove waren einfach überzeugend. Und dann kam noch die soulige Komponente ins Spiel die aber ganz anders zum Einsatz kam als man's bis dahin gekannt hat. Das hat wie gesagt meinen Nerv getroffen und in die Richtung hab ich dann einfach gearbeitet.

hiphop.at: Hattest Du dabei im Hinterkopf, dass so etwas im deutschen Rap-Sprachraum noch nicht wirklich da war? Kennst Du andere deutschsprachige Artists, die diese Schiene fahren?

Dephjoe: Ja und Nein… Wie Anfangs schon erklärt wollte und will ich Sound machen der mein Innerstes widerspiegelt, und eben auch meinem musikalischen Verständnis wie Vorlieben entspricht. In dem Detroit Sound fand ich eben das, und gleichzeitig war es damals auch etwas das kaum bis gar nicht wahrgenommen wurde, worin ich die Chance für mich sah einer der ersten, wenn nicht sogar der erste mit derartigem Sound im deutschsprachigen Raum zu sein. Der einzige den ich kannte der auch dermaßen auf den Sound geflashed hat war Brenk, und ihn hab ich Produktionsmäßig auch ein bißchen in die Richtung drängen müssen. Er hatte seine einzigartige Formel bereits, war was Drums angeht aber irgendwie noch stark Loop orientiert. Es waren vorwiegend sehr detailreiche Instrumentals bzw. Dopebeats-Cuts die ich so ohne Raps hören wollte. Nach und nach sind dann immer mehr Beats gekommen wie die, für die er heute so bekannt ist, und wir hatten unsren Sound bzw. ich die Beats die ich brauchte. So wie ich das beobachte gibt es neben mir keinen anderen deutschsprachigen Rap-Musiker der gleiches oder auch nur ähnliches macht. Natürlich gibt es Leute wie Afrob oder Sammy, oder auch ein Max Herre die schon mit Leuten wie Black Milk oder Wajeed gearbeitet haben, aber all die genannten Künstler haben unterschiedliche Zugänge zu ein und demselben Sound, der ja in sich auch verschiedene Spielweisen hat. Von der samplelastigen Original Drumz and Breakz-Ecke bis hin zur Synthieverliebten, Elektro-, fast schon Techno Fraktion.

hiphop.at: Der Klassiker unter den Interviewfragen: Was war zu erst da? Die Raps oder die Beats?

Dephjoe: Das war total unterschiedlich…Manche Ideen hab ich schon lang mit mir rum getragen und hab nach einem passenden Beat dafür gesucht, wieder andere Joints hab ich auf Beat geschrieben. Die Idee zu "Wie macht sie das" zum Beispiel ist mir beim Fortgehen, beim beobachten einer Gruppe von Mädls gekommen. Bei "Wege die wir gehen" hab ich den 1 Verse on the spot bei einer Session mit Mella bei ihm zuhause geschrieben, wo er auch gerade dabei war den Beat zu bauen. Das war auch denk ich der erste Joint den wir in unsrer Phase der Studioarbeit fertig hatten. Das war rückblickend betrachtet auch die schönste Zeit in der Produktion, weil wir nicht auf "Timetable" gearbeitet haben, sondern einfach Musik gemacht haben. Da sind teilweise wunderbare Sachen passiert.

hiphop.at: Vor Jahren hätte Dich die Szene in der Luft zerrissen, weil Du Deine Hooklines selber singst. Warum glaubst Du ist die Szene heute entspannter, was so Gradwanderungen angeht?

Dephjoe: Vielleicht ist die Szene so wie ich auch einfach gewachsen bzw. erwachsen geworden, zumindest ein gewisser Teil. Abgesehen davon bin ich ja auch nicht der erste Rapkünstler der seine Hooks selbst singt, und so gewisse Genres zusammen führt. Die Leute sind also in gewissem Maß bereits daran gewohnt, und trotzdem bring ich es auf eine ganz neue Weise. So wie vorher niemand im deutschsprachigen Raum. Ich denke das generell die Akzeptanz für Künstler, die sich außerhalb des Gangsta- und Strassen-Dings bewegen nun wieder größer geworden ist, was Qualität zu einem immens hohen Faktor macht, genau so wie das Neuartige oder Polarisierende des Sounds.

hiphop.at: Warum hast Du auf Features (Ausnahme: L'enfant Terrible) verzichtet?

Dephjoe: Weil es mir wichtig war aus dem Schatten der mich umgebenden Acts endlich mal raus zu treten, und das konnte ich meinem Empfinden nach nur mit einem Album schaffen das mich und nur mich zeigt. Ich wollte auch keine deutschen Kollegen oder Freunde drauf haben um damit ein Signal zu senden oder so was. Mein Gefühl war - und ist - das ich da was Spezielles habe, das ohne Hilfe ins Rennen gehen kann. Es sollte auch nicht das werden, was sich vielleicht alle erwarteten, ein Album von und mit den üblichen Verdächtigen, obwohl klarerweise sie alle, sofern ich mein Ursprungskonzept finanziert bekommen hätte, mit von der Partie gewesen wären, was die Umsetzung mit Instrumenten im Studio sowohl als auch auf der Bühne angeht. Wir müssen da nicht um den heißen Brei herumreden, das sind die ersten Adressen, was diesen Sound angeht in Österreich, und wahrscheinlich nicht nur hier. Mit meinen Jungs vor allem die Twins, Buzz und Bionic, die ja nun ohnehin unter andren die Besetzung von DEPHJOE live ergeben..

hiphop.at: Bei der Releaseparty bist Du mit dem Supercity-Soundsystem, Naturtalent und LC aufgetreten. Wirst Du in Zukunft nur mit Ihnen auftreten oder sind auch Sologigs geplant? Wie hast Du LC und Naturtalent kennengelernt?

Dephjoe: Grundsätzlich gilt es zu verstehen das ich ein Band Act bin. Ich habe aber verschiedenste Setups untern denen ich auch zu buchen bin. Eine davon ist klarerweise Two Turntables & A Mic, dann gibt es noch ein Unplugged Set, eines mit Dorian Concept und Buzz, und ein abgespecktes Bandpaket. So wie ich bei der Releaseparty aufgetreten bin, werde ich wohl nur können wenn ich den Support von den Leuten bekomme, sprich die Leute meine Platte kaufen, und Promoter mich sukzessive verstärkt buchen, weil die Leute mich sehen wollen. Mein Wunsch ist es natürlich im Grossen Setup zu spielen, aber es gibt wie erwähnt viele Möglichkeiten. Naturtalent hat mich vor längerem, zirka vor 2 Jahren, auf Myspace kontaktiert, und gefragt ob ich nicht mal was mit ihm machen wolle, er arbeite gerade an einem Projekt bei dem er mich gern dabei hätte. Das Eine ergibt das Andere, wir lernen uns in Wien kennen, waren so ziemlich einer Wellenlänge und los gings. Im Sommer war ich dann bei ihm, und wir haben dort auch noch eine Woche lang aufgenommen, und von dort war's dann nicht mehr weit auf die Releasepartybühne. LC hab ich auf meiner Suche nach Backroundsänger/innen wieder aufgestöbert. Sie kannte ich noch von ihrem alten Projekt Da Chillaz.

hiphop.at: Apropos Auftritte, was ist da in Zukunft geplant? Wird es eine Tournee geben?

Dephjoe: Ich beziehungsweise meine Booking Agentur Miooow ist bemüht mir Konzertreihen und Einzelshows zu besorgen, aber wir alle wissen wie´s da draußen aussieht. Wenn du keinen wirklich großen Namen hast, musst du quasi nehmen was kommt damit du deine Platte überhaupt live vorstellen kannst. Es war leider auch auf Grund der Situation in der ich war nicht möglich alle Vorlaufzeiten so wie man sie arbeiten muß, abhandeln zu können. Das fängt bei der PR an und hört aber nicht beim Booking wieder auf, da gibt es einfach irrsinnig viel zu bedenken. Trotz der Tatsache, daß ich nicht schon ein halbes Jahr vor dem eigentlichen Release das Booking anfangen konnte, spiel ich doch noch ein paar Show dieses Jahr. Zum Beispiel am 4.12. im B 72, da wieder mit Band. Aber einfach auf die Myspace oder Supercity-Seite schauen, da sind immer alle Dates eingetragen.

hiphop.at: Drehen wir das Rad der Geschichte mal ein bißchen zurück. Was hat sich in Deinen Augen am Rapbiz zwischen Deinen Anfängen und heute geändert?


Dephjoe: Ich denke da muss man deutlich unterscheiden. Bei uns in Österreich hat sich kaum etwas bis gar nix geändert. Es gibt weder mehr Möglichkeiten für Künstler, noch ist irgendein Indielabel besonders erfolgreich gewesen das aus Österreich kommt. Natrülich hatten wir unsere Spitzen, aber für die Künstler in Gesamtheit ist es nicht besser geworden. Eher sogar im Gegenteil: Einige von den Shows bzw. Festivals oder ähnlichem sind weggefallen. Die Radiostationen sind uns auch nicht mehr gewogen als sie es früher waren, von Print oder andren klassischen Medien ganz zu schweigen. Selbst einschlägige Medien legen eine Attitüde an den Tag bei der man sich schon fragen muss ob den Betreibern dieser Medien die Wechselwirkung zwischen dem worüber sie schreiben und sich selbst überhaupt bewusst ist. In manchen Fällen muss man schon von "Oaschpudderei" sprechen, nur damit man die Coverage bekommt die man auch verdient. Nicht nur, weil man schon wer weiss wie lange dabei ist, sondern auch weil das was man vorstellen möchte, eine Qualität besitzt die in meinem Fall vom Mitbewerb in gewissen Kategorien nicht mal Ansatzweise erreicht wird. Das ist Österreich.

In Deutschland hingegen hat sich sehr viel verändert was diese Aspekte angeht, wie wir alle mit Sicherheit mitbekommen haben. Das Biz ist härter geworden, es ist wichtig in welchem Camp du aufgestellt bist. Fast jeder in Deutschland glaubt nun rappen zu müssen, oder sieht es einfach als besseren Job an als bei Aldi an der Kassa zu stehen, womit er auch sicher recht hat. Das alles erhöht auch das Level der Competition. Das Bewusstsein für Kultur scheint komplett abhanden gekommen zu sein bis auf vereinzelte Lichtblicke die Originality mit neuen Ansätzen verbinden konnten. Nach dem Kollaps der Musikindustrie sind alle rigider geworden in ihrem Umgang, mit Geld und den Künstlern selbst. Zu meinen Anfangszeiten gab es wenn man das so sagen kann, auch noch etwas wie Romantik, die ich bei den Jungen nur selten wenn überhaupt finde.

hiphop.at: Du hast um die Jahrtausenwende von der Kunst halbwegs leben können. Dann auf einmal nicht mehr. Wie ist Dir der Schritt zurück ins normale Leben mit einem Job gelungen, bzw. wie fühlt man sich dabei?

Dephjoe: Wenn ich ehrlich bin hab ich diesen Schritt nie wirklich gemacht. Ich war immer zumindest mit einem Bein auf der Bühne, und hab jeden Job den ich gemacht hab auch nicht lange behalten. Dafür bin ich nicht gemacht. Gejobbt habe ich - klar - aber ich wusste immer das ich hier nicht bleiben würde, und habe sicher dabei auch Entscheidungen getroffen, die nicht gut für mich waren. Wie zum Beispiel zu kündigen bevor sich wirklich was eindeutig Besseres ergeben hat. Ich kann dir sagen das es sich auf jeden Fall Scheisse anfühlt wenn du ein "Rap-Life" geführt hast, wieder in den Berufsalltag zurück zu kehren.

hiphop.at: Viele Leute haben Dir zu Beginn Deiner Karriere auf die Schultern geklopft und viele haben Dich danach dann wieder enttäuscht. Wie bist Du damit umgegangen?


Dephjoe: Ich bin ein sehr emotionaler Mensch, sehr feinfühlig, weswegen mir solche Dinge in Vergangenheit natürlich nahe gegangen sind. Mit der zeit habe ich gelernt mit solchen Dingen umzugehen, und gewisse Dinge nicht für voll zu nehmen, sondern mir selbst Antworten zu geben.
Wenn ich nach einer Show das Gefühl hatte das es nicht gut war, aber jemand mir auf die Schulter klopfte und mir gesagt hat das er es dope fand, hat das trotzdem nicht meinen Tag gerettet.

hiphop.at: Wer oder was hat Dir in der schweren Zeit geholfen?


Dephjoe: Nach vorne schauen, das hat mich über Wasser gehalten. Der Glaube an mich selbst, und an meine Musik. Auch wenn ich mal echt unten war, nur noch schwarz um mich, hab ich irgendwann wieder was gefunden, was mich hat aufstehen lassen und weiter marschieren. Natürlich hat es auch Menschen gegeben die für mich da waren, welche mir auch über die Zeit geholfen haben. Ohne schaffst du es nicht, bei kaum was im Leben.

hiphop.at: War diese schwere Zeit hilfreich um jetzt noch Mal durchzustarten? Welche Lehren hast Du aus der Vergangenheit gezogen?

Dephjoe: Alles im Leben was dir widerfährt soll dir was sagen, mit dem kannst arbeiten. Aus dem Negativen kann man auch sehr viel Kraft schöpfen, um zum Beispiel eben wieder durchzustarten. Aber ich hatte niemals das Gefühl das ich weg bin. Natürlich hatte ich nicht am laufenden Band Releases aber durch Konzerte und die Features die ich gemacht hab, hab ich auch gezeigt, daß mit mir noch zu rechnen ist. Ich hab in der Zeit gelernt kompromissbereiter zu sein, auch mal nach Links abzubiegen, selbst wenn ich mir gedacht habe, daß ich nach rechts will. Ich hab gelernt das man Projekte besser schnellst möglich abschließt, weil sonst der Wille aller Beteiligten darunter leidet. Was mir noch bewusst geworden ist, ist das man sich genau aussuchen muss mit wem man wirklich arbeitet, und ob das eine Dauerhafte Sache ist. Nichts isr beschissener als mit jemandem im Studio zu sitzen, der dein Zeug nicht wirklich fühlt, oder nicht versteht wo du musikalisch hin willst.

hiphop.at: Viele Künstler verbinden ihre Erfahrungen oft mit ihren Raps. Auf Deinem Album findet man aber nichts Autobiografisches. Wieso?

Ich denke das meine Songs sehr wohl auch Autobiographisch sind. Wer genau zuhört weiß was für ein Mensch ich bin, weiß womit ich mich beschäftige. Der kann aus meinen Zeilen meine Erlebnisse raus lesen, ohne das ich sie konkret angesprochen hab. Wenn ich einen Song wie "Du bist wie" schreib, dann kannst Du Dir sicher sein das ich da über eine Frau schreibe, die es auch tatsächlich gegeben hat. Genau so wie bei "Tief unten". Die Form in der ich über mich erzähle ist nur so unterschiedlich von denen die Du bis jetzt kanntest, das Du nach Komponenten suchst die enthalten sind, jedoch in anderer Weise verwoben als bei den meisten anderen Künstlern.

Ich war immer auf der Suche nach Eigenständigkeit in dem was ich tue, und so hab ich sie für mich gefunden. Es ist eine Frage des Ansatzes. Ich kann Dir bis ins kleinste Detail erzählen was beim letzten Muttertag passiert ist, oder zu Weihnachten wo es mit unter Tradition sein kann das Familien aneinanderknallen. Für mich ist es aber wichtiger darüber zu schreiben, was es bei mir bewirkt hat, welche Konsequenzen ich daraus ziehe, oder was es für mich und mein Leben, und somit auch für Andere, bedeutet oder bedeuten könnte.

Alle haben sich ein „Depri-Album“ erwartet, ein typisches Lyricist-Ding und ich hab einfach das Gegenteil gemacht. Auf diesem Album speziell wollte ich auch entgegen der Erwartungshaltung von vielen, eben weniger Verkopftes drauf haben. Ich wollte ein Album machen, das keiner von mir erwartet, teilweise eben eher clubbigen Shit. Auf jeden Fall auch mit der Ausrichtung auf eine breitere Öffentlichkeit, wobei ich mich aber in keinster Weise verbogen hab. Ich hab das gemacht wozu mich mein Talent und meine Interessen bewegt haben

hiphop.at: Glaubst Du, dass man als HipHop-Artist in Österreich jemals von seiner Kunst leben können wird?

Dephjoe: Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber so wie ich es nun sehe, glaube ich nur bedingt daran. Als österreichischer Rap-Künstler wirst Du wahrscheinlich immer Deutschland und die Schweiz mit ins Kalkül ziehen müssen, weil du sonst einfach auf der Strecke bleibst. Und selbst wenn Du so schlau bist dich nicht nur auf Österreich auszurichten, wirst Du immer noch mit der Ignoranz unserer Nachbarländer zu kämpfen haben.
Natürlich wünsche ich mir, daß es geht, nicht zuletzt um Meinetwillen, aber wenn überhaupt wird es sicher noch ein bis zwei Rapgenerationen geben müssen, bevor man diese Frage auch eindeutig positiv beantwortet bekommt, wenn überhaupt.

hiphop.at: Jetzt bist Du bei Supercity gelandet, einem Label was von Deinen Bühnenkollegen betrieben wird. Ist es schwer Freundschaft und Geschäft zu trennen?

Dephjoe: Eigentlich nicht, manchmal diskutiert man einfach, und es kann auch sein das Du mit gewissen Entscheidungen dann nicht so konform bist, aber das wird unter einem andren Gesichtspunkt entscheiden und hat nix mit den Freundschaften zu tun, die wir mittlerweile ja auch schon recht lange führen

hiphop.at: Wo hast Du bei dem Produkt "Hey Playa" noch Deine Finger im Spiel?

Dephjoe: Nachdem Supercity kein Label in herkömmlicher Form ist, bei dem Dir verschiedene Agenden abgenommen werden, einfach überall.
Teilweise hatte ich Hilfe von meiner Freundin die selbst eine Agentur namens "Crunchtime" mit zwei Partnern führt, aber sonst habe ich alles alleine machen müssen. Ich wünschte es wäre andres, aber heute is es einfach so, daß Du Dich um alles selbst kümmern musst, was nicht nur Positives wie volle Kontrolle bringt, sondern auch Dich von Aufgaben ablenkt, die nicht minder wichtig sind in der Phase des Releases. In Wirklichkeit muss man da versuchen den Job eines mindestens 5-köpfigen Teams zu erledigen, solltest aber dabei deine Show konzipieren und proben, generell kreativ arbeiten, wobei Du dann an deine Grenzen stößt in physischer wie mentaler Weise.

hiphop.at: Was sind Deine/Eure Erwartungen für das Album? Habt Ihr schon erste Reaktionen von den Verkäufen?

Dephjoe: In Zeiten wo Leute keine Kohle mehr für Musik ausgeben, sind meine Erwartungen den Umständen entsprechend. Ich erhoffe mir einen gewissen Achtungserfolg, und daß die Platte als das gesehen wird, was sie ist. Nämlich ein Meilenstein für den gesamten deutschsprachigen Raum, was von einigen Kritikern auch bestätigt wird. Für erste Meldungen was den Verkauf angeht ist es noch etwas zu früh, das wird man erst zu Jahresanfang wirklich werten können denke ich.

hiphop.at: Wird das Album auch im Ausland veröffentlicht?


Dephjoe: Ja, das Album erscheint auch in Deutschland und der Schweiz und ist digital natürlich weltweit zu beziehen.

hiphop.at: Du hast viele Erfahrungen gemacht. Was rätst Du einem jungen Künstler, wie er seine Karriere angehen soll?

Dephjoe: Bedacht und mit Plan.. Verlass Dich nicht auf herkömmliche Strukturen, nichts ist mehr so wie es mal war. Und wenn Du nicht bereit bist Haus und Hof zu riskieren, such Dir besser einen guten Job oder wander aus, oder mach Volksmusik: Schlager funktioniert auch… ;)

hiphop.at: Wo siehst Du Dich in fünf Jahren?


Wenn ich ehrlich bin, keine Ahnung. Wir werden sehen wie sich die Musikwirtschaft, Musik und die Welt generell weiterentwickeln. Ich hab auf jeden Fall noch Bock Musik zu machen, ich will noch weiter experimentieren. Es kann aber auch sein, daß ich ganz woanders lande, was anderes mache.

hiphop.at: Deine letzten Worte...

Dephjoe: Dont hate the PLAYA, hate the Game.


Kommentare

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wirklich langatmig

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posted by bonita senorita
hätte man sicher ein biisssiii kürzen können, aber viel inhalt sehr wichtige sachen werden gesagt, super!

respekt an euch beide dafür

AW:

wirklich langatmig

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posted by jizza
  kurz sind nur meine reviews ;-)

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posted by Drebin
sehr langatmig.
aber ein gutes interview.
dephjoe glänzt mit intelligenten aussagen.

3 von 5 dp

nice

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posted by ScOOp
*gleich mal bohemian rapzdodeez aufleg*