Average und Huckey releasten diesen Frühling eine EP mit einem Konzept, das in dieser Form bisher nicht existierte. Die Geschichten des "Struwwelpeters" wurden auf sechs Tracks und fünf Remixen neu interpretiert.
Ich traf die Beiden bei ihrer Releaseparty von „Ganz schön hässlich“ im Wiener Fluc. Da dieses Lokal nicht wirklich einen Backstageraum hat, saßen wir schlussendlich im bösesten „nach dem Saufen"-Fast Food Laden worldwide.
Erklärt doch mal die Idee eine komplette EP lang, ein Buch zu interpretieren...
Huckey: Wir haben schon vor Jahren ausgemacht diese EP zu machen. Ursprünglich hätte es eine 2-4 Tracks Geschichte sein sollen. Eigentlich ist dann der Max (Anm.d.Red. „Average“) auf die Idee gekommen den „Struwwelpeter“ zu intepretieren. Den kennt in Österreich auch (fast) jeder und daher kann man sich damit auch gut identifizieren.
Average: Damals als wir beschlossen haben diese EP zu machen, habe ich mich noch nicht über so gscheite Bücher drüber getraut und das war eben eins der wenigen Bücher die ich gekannt habe. (lautes Lachen in der Runde)
Huckey: Die Geschichten sind voller Leid, Trauer, Moral und so. Man kann sie wirklich auslegen in alle möglichen Richtungen.
Wiedermal ist die Österreichische Producer-Elite vertreten...
Huckey: Wir wollten bei jeder Geschichte einen anderen Producer haben. Wir hatten das Glück lauter tolle Menschen zu kennen dich sich an diesem Werk beteiligt haben.
War zuerst Beat da oder Text?
Average: Das war ganz verschieden. Bei manchen war zuerst der Text da und wir haben uns gedacht „Da würd der Loco leiwand passen“ oder bei nem andren „Da wollen wir den Whizz Vienna“. Es war aber auch umgekehrt der Fall.
Huckey: Man muss sagen, dass die Geschichten davor ja schon da waren und diese geben eine gewisse Grundstimmung vor. Daher hat man bereits ein gewisses Auswahlkriterium.
Also ihr habt den Producern schon gesagt wie der Vibe sein soll?
Average: Ja zum Beispiel eben, dass wir für diese Nummer einen Representer Beat brauchen oder eben was Deepes.
Ihr habt ja sechs gleichwertige Remixe auf die EP draufgepackt von sehr unterschiedlichen Beatbastlern. Habt ihr euch Leute für die Remixe ausgesucht von denen ihr bereits wusstet sie werden einen komplett anderen Beat machen und damit einen Kontrast zum Original setzten?
Huckey: Na haben wir garnicht gemacht, die produzieren von selbst schon sehr unterschiedlich.
Url, wie hast du die Cut Auswahl getroffen?
Url: Ja, der Max hat mir zwei Tage Zeit gegeben. Ich habe mir eine Kiste gepackt mit Platten die passen könnten.
Also hast du dich einen Tag lang hingesetzt und Platte nach Platte durchgehört?
Url: So kann man das sagen, ja. Im Keller eingesperrt und... Die Idee dahinter war auf jeden Fall auf die Reimrhythmik einzugehen. Umgesetzt sieht man das unter anderem bei dem Track „Nach Oben“, wo ich die Cuts so gesetzt habe, dass sich wie bei dem Buch, das in Kreuzreimen geschrieben ist, nur die Enden der ersten und letzten Zeilen reimen.
Erfrischend ist es auf jeden Fall, dass du überwiegend deutsche Platten zum Cutten genommen hast.
Url: Ich find einfach bei deutsch gerappten Nummern sollten auch die Cuts von deutschsprachigen Platten kommen. Das finde ich am stimmigsten und aussagekräftigsten.
Ihr habts zwei Features oben, Kamp und Flip. Beim Flip ist es ja sehr naheliegend (Anm.d.Red.da auch der Beat von ihm ist)aber habt ihr Kamp genommen weil ja der Beat von Whizz eh schon da war?
Average: Na es war so, dass der Whizz gesagt hat: „Ihr kriegtsn Beat nur wenn mei Freind, der F. Kampelmühler mitrappen derf“. (Gelächter)
Naa .. der Kamp passt einfach perfekt zum Titel „Daumenlutschter“da er ja ein bissi gestört ist und auch Zwangsneurosen hat.
Gibt’s österreichische Alben die für dich immer zeitlos bleiben werden?
Huckey: Also da muß ich sagen, auf jeden Fall das Kamp-Album (Anm.d.Red. „Versager ohne Zukunft, 09). Diese Platte ist jetzt schon ein Classic, obwohl sie gerade erst rausgekommen ist. Natürlich gibt’s einige die auf jeden Fall sehr cool sind. Unsere Alben teilweise natürlich auch so wie „Gediegen“ (97) oder „Gegenüber“ (99).
Kennt ihr Wiener Sachen die euch gefallen außer Kamp?
Average: Den Whizz Vienna kenn i... den Appletree, der ja jetzt ein gutes Mixtape gemacht hat. (Anm.d.Red. die Denkpausen werden länger) naja und dann halt Kamp (lacht)... ah und natürlich Digga Mindz, der erstens auch der EP oben ist und zweites für mich einer der besten Producer in Österreich ist. Ich möchte aber generell jetzt mal den Demolux nennen, der wirklich einer meiner Favourites in Österreich ist.
Huckey: Mir gefallen sehr viele Sachen und die müssen ja auch nicht immer aus Linz sein. Ich versuch immer die Augen offen zu halten.
Wie sieht’s aus mit zukünftigen Tonträger-Releases? Raptoars Album ist jetzt auch bei euch rausgekommen.
Huckey: Das ist gut dann kann ich mal etwas erklären. Tonträger ist zumindest für mich nicht wirklich ein Label sondern eine Plattform. Wir betreiben in dem Sinn auch keine „richtige“ Labelarbeit. Wir möchten den Künstlern damit eine Basis bieten, ein wenig Struktur und eine Vertriebsmöglichkeit.
Wie wählt ihr dann die Artists aus?
Huckey: Na in dem mas einfach gut finden. (grinst)
Gibt’s da auch Meinungsverschiedenheiten unter euch, ihr werdet ja nicht alle immer den gleichen Geschmack haben...
Huckey: Ja, es hat schon Diskussionen hier und da gegeben. Natürlich, ich mein z.B. als ich sagte „Hey machma eine Def Ill-Maxi“ und das ging dann damals aus ein paar Gründen nicht, klar ist schade. Bei den meisten Dingen sind wir uns aber immer einig.
Was motiviert euch Musik zu machen? Ich denke in Österreich denken die wenigsten sie werden wirklich damit viel Geld verdienen also...
Huckey: Also ich glaube wir sind froh wenn wir das Geld der gesamten Produktion wieder einspielen können.
Average: Liebe. Die Liebe zur Musik.
Macht man das nicht auch um sich zu verewigen und ein Stück Musik zu haben, das einen an eine bestimmte Zeit einfach erinnert?
Average: Auf jeden Fall. Genauso deswegen wars klar ein Vinyl zu machen. Huckey und ich haben etwas gemacht und Vinyl wird ja nicht so schnell kaputt.
Huckey: Sobald mich etwas interessiert kann ich einfach nicht aufhören und dann steiger ich mich auch sehr hinein...
Langsam driften wir ab und Huckey und ich fangen an von ungeliebten Gemüsesuppen zu reden und mir wird von ihm erzählt, er habe noch nie Gurken gemocht...
Wollt ihr in Zukunft wieder etwas zusammen machen oder euch nach dieser EP nie wieder sehen?
Huckey: Jetzt warten wir erstmal die Reaktionen ab... (grinst)
Letztes Statement?
Average: Checkts euch das aus. Wenn ihr Musik macht, beschäftigt euch bitte mehr mit dem ganzen Ding. Also denkt nach, macht etwas Neues!
Huckey: Ja... vielleicht steckt in jedem irgndwo ein bisschen ein Struwwelpeter. („Awww“ rundherum)
Url: Den Käufern sage ich Danke. Den Nicht-Käufern- ihr seid ganz schön hässlich!





Funk it up VII






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