Am 17.12.2009 besuchten die Detroitianer Frank Nitty (Frank´n´Dank) und Illa J (J.Dilla´s Bruder) gemeinsam mit der Djane J-Heart aus Los Angeles die leider viel zu spärlich besuchte Kapu in Linz. Frank Nitty stellte neue Solo Nummern vor, während Illa J auf den Instrumentalen seines verstorbenen Bruders eine schöne Mischung aus Gesang und Rap präsentierte. Wir sprachen mit den Künstlern über den legendären "Hip Hop Shop", die "Dilla Legacy" und Zukunftspläne.
JK: Detroit City in the place to be! Wir alle haben schon vom legendären „Hip Hop Shop" gehört. Ihr beide seid dort gewesen, könnt ihr uns etwas darüber erzählen?
FN: Es war eigentlich ein Geschäft, eröffnet von „Maurice Malone", die hatten dort „Maurice Malone Gear" usw. „Proof" war sozusagen Geschäftsführer dort. Er war immer an der Vorderfront der Underground Szene, er war Host für die verschiedensten Parties und samstags machte er Open Mic Sessions im Hip Hop Shop, die ausschließlich für Hip Hop Heads und Mc´s ausgelegt waren. Dort wurden dann die Kleiderständer zur Seite geräumt um Platz für die B-Boys, Cyphers etc. zu machen. Es war kein sehr großes Geschäft, es war ziemlich klein, aber immer so gefüllt, dass das Publikum bis hinaus zum Gehsteig stand. Für Hip Hop Leute war dies dort ein zentraler Treffpunkt, dort wurde Geschichte geschrieben. Wenn du dir die Typen ansiehst, die heute noch relevant sind, die „Young Cats" ausgenommen, dann waren die alle damals dort. Von Frank´nDank, Slum Village, D 12, Royce, Eminem sowieso, er war ja quasi Proof´s bester Freund. Proof setzte das alles in Gang, er hatte auch einige andere Parties, deswegen nannte man ihn auch den Botschafter, bzw. den Bürgermeister für Hip Hop. Keiner machte so viel wie Proof, er wollte jedem seinen „Shine" geben, keine Plattenverträge oder dergleichen, aber einen Plattform für Kunst. Zu dieser Zeit war Hip Hop zu machen noch nicht so „cool" wie heute. Heute ist es „in", Hip Hop zu machen, damals waren wir damit die Außenseiter. Keiner bekam einen Plattenvertrag, wir lebten einfach unseren Traum. Einen eigenen Platz zu haben wo man jedes Wochenende das machen konnte wozu man unter der Woche keine Zeit hatte, dafür waren Proof und Maurice Malone verantwortlich. Der Hip Hop Shop war wirklich ein legendärer Ort, gerade für mich als Artist aus Detroit.
JK: Das klingt so als hätte es damals eine große Hip Hop Community gegeben. Wie ist das heutzutage in Detroit, gibt es eine große Hip Hop Szene, arbeiten die Leute zusammen?
FN: Detroit ist wirklich sehr groß. Und ich meine, ich und Illa, wir sind auf der ganzen Welt unterwegs. Ich lebe quasi „on the road", bin also eigentlich „off the scene", aber sogar wenn man nicht dort ist, bekommt man mit, dass sich etwas tut - die neuen Acts zeigen uns Respekt und schätzen uns für das, was wir vor ihnen gemacht haben, die Dilla Legacy. Detroit ist definitiv ein heißes Pflaster, es tut sich wirklich sehr viel, wir bekommen vielleicht nicht immer den „Shine", den wir verdienen, aber das wird sich auch noch ändern. Es gibt dort immer jemanden Neuen, einen Illa J, oder den nächsten aufkommenden Rapper, der´s drauf hat. Die Aufmerksamkeit und den „Shine" zu bekommen, auf nationalem bzw. internationalem Level ist wieder eine andere Geschichte, es ist harte Arbeit, ich bin der lebende Beweis dafür, ich bin jetzt schon seit 13 Jahren im Spiel und glaube, noch nicht alles erreicht zu haben, es gibt noch so viel mehr zu tun. Detroit ist auf jeden Fall ein heißes Pflaster für Musik.
JK: Illa J, du hast dein Album „Yancey Boys" veröffentlicht, ausschließlich produziert von deinem Bruder J Dilla. Wusste er über das Projekt Bescheid und wie kam es zu diesem Album?
IJ: Ich veröffentlichte dieses Album am 4ten November 2008. Wie es zustande kam? Ich kannte Mike Ross (Präsident des Indie Labels „Delicious Vinyl") von Delicious Vinyl durch meine Mutter, jeder, der mit meinem Bruder arbeitete war in ständigem Kontakt mit meiner Mutter. Als wir uns dann einmal trafen, gab er mir eine CD von meinem Bruder mit Produktionen die zwischen 1995 - 1997 entstanden sind. Er wollte damals eigentlich ein Compilation Album machen, mit verschiedenen Artists, die mit meinen Bruder gearbeitet haben, das war Anfang 2007. Das nächste Mal sprach ich dann Anfang 2008 mit ihm, ich kontaktierte ihn, weil ich ihm den Song zeigen wollte, den ich geschrieben hatte. Er kam vorbei und ich spielte ihm den Song „Sunshine" am Keyboard vor, man kann sich das auch online ansehen, naja, und dieser Song verhalf mir dann eigentlich auch zu meinem Deal. Ich spielte ihm dann noch mehrere andere Songs vor, performte dann anschließend in seinem Club, das war am 7ten Februar 2008, dem Geburtstag meines Bruders. Ich performte dort also mehrere Songs und er meinte dann zu mir, ob ich nicht alleine das Album fertigstellen wolle.
JK: Das war also grundsätzlich seine Idee?
IJ: Ja, Mike Ross von Delicious Vinyl, Shout out an ihn an dieser Stelle.
JK: Apropos Delicious Vinyl. Du bist auf einem Indie Label mit Masta Ace, Pharcyde etc. Wie seht ihr das Mainstream - Independent Verhältnis von Hip Hop in Amerika?
FN: Es gibt einfach so viele verschiedene Arten von Musik zurzeit. So viele verschiedene „Typen" von Hip Hop. Es gibt Wale, der Songs mit Lady Gaga macht oder auf der anderen Seite Gucci Mane. Darauf folgend gibt es dann Talib Kweli, Madlib, die Artists, die Touren machen, Platten verkaufen, also die Sachen, die auch die Major Artists machen. Hip Hop ist einfach geschäftsorientierter geworden. Die „smarten" Künstler müssen verstehen, ihren Vorteil aus Touren, Merchandise und all diese Sachen zu ziehen, und das hat nichts mit Plattenverkäufen zu tun. Wenn die Labels etwas mitdenken, dann treiben sie ihre Künstler auch in diese Richtung - Touren zu machen, Merchandise zu entwickeln, die bekommen ja dann auch ihren Anteil, aber lasst die Künstler auch daran teilhaben, um etwas daran zu verdienen. Wenn sie das nicht machen, dann wird die Industrie daran leiden, denn die Künstler gehen alle Independent. Es wird ernst. Aber die Industrie ist in einer tollen Position, es ist vielleicht komisch das zu sagen, in einer Zeit in der die Plattenverkäufe stetig sinken, aber es gibt einen Platz für Independent Künstler Geld zu machen, ohne notwendigerweise einen Major Deal zu unterschreiben. Einnahmen und Werbung sind dabei auf jeden Fall ein Thema. Aber das kannst du dir zusammen sammeln, wenn du und deine Homies jede Woche einen 50er beiseitelegt, bis ihr genügend zusammen habt, um einen Publizisten und eine Radiopromoterin zu engagieren, um dann Platten rauszubringen, ich meine du musst arbeiten! Da kommt der „Hustle", der „Grind" her, ich habe in Dilla´s Keller jahrelang gearbeitet, bevor ich meine erste Platte rausbrachte. Wir hatten hunderte Songs, die wir im Auto pumpten und die sonst niemand hörte. Es ist auf jeden Fall ein „Hustle", ein „Grind". Ich komme gerade von der Bühne und sollte eigentlich relaxen aber ich sitze hier und arbeite, das ist wichtig.
JK: Welche Projekte sind in Planung und was können wir in Zukunft von euch erwarten?
IJ: Was die Solo Projekte angeht ist „Yancey Boys" draußen und ich habe gerade mein zweites Album fertig gestellt, ich muss es nur noch mixen und mastern lassen, Frank (Nitty) fungiert dabei als Executive Producer. Bei dieser Platte konzentriere ich mich mehr auf meine Singer/Songwriter Seite und introduce dabei mein Alter Ego. Es wird neue Sachen von den Cake Boys geben, Que-D, Dank, Frank, alle arbeiten an neuen Sachen. Ich freue mich auf 2010, das wird ein gutes Jahr werden.
FN: Er hat eigentlich schon alles gesagt. Ich arbeite gerade an meinem Solo Projekt mit Delicious, ich muss noch herausfinden welche Richtung wir dabei gehen werden, ich würde euch gerne ein paar der neuen Songs davon vorspielen. Es wird neue Musik von Frank´n´Dank geben. Dankery Harv arbeitet an einem Solo Projekt mit Shablo, get that. Es kommt auf jeden Fall eine Menge auf euch zu!
JK: Wir sind gespannt! Danke für das Interview!
FN: Kein Problem, danke dir Bruder!


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