Ein geschichtsträchtiges Konzert. Ausverkauftes Haus in der linzer Kapu. Die 2 Performer Stic.Man und M1 stürmen um ca. 1 Uhr den vollen Kapu Saal um das Publikum mit einem Querschnitt ihres bisherigen künstlerischen Schaffens zu verzaubern. Höhepunkt der etwas 70 minütigen Show war zweifelsohne der All Time Classic "it´s bigger than Hip Hop" (eine Momentaufnahme davon könnt ihr unter folgendem Link sehen: http://www.youtube.com/watch?v=T-4HuPPSkNA) Wir trafen die zwei sympathischen Rapper M1, Stic.Man und deren Dj Mike Flow nach ihrem ersten und einzigen Österreich Konzert zum Interview:
JK: Ich habe gehört ihr 2 habt euch auf der Universität in Florida kennengelernt und dort Wirtschaft studiert, stimmt das? Erzähl uns doch von dieser Zeit, M1:
M1: Ich glaube das ist ein weitverbreitetes Gerücht, dass ich Wirtschaft studiert habe, das ist cool. Ja, ich war inskripiert auf der A&M University of Florida, aber ich spreche hier nur über mich, M1. Ich kam damals von New York nach Tallahassee/Florida, um dort zu studieren. Ich möchte sagen, dass ich liebend gerne Wirtschaft studiert hätte, aber ich habe nicht die geringste Ahnung davon. Ich studierte wie es ist Student zu werden und ein Klon des US-amerikanischen Arbeitssystems zu werden. Ich lernte der Beste zu sein, das lernten sie mir dort, und als ich mir darüber im klaren war, wollte ich nicht mehr hingehen.
Stic.Man: Ich habe in Tallahassee gewohnt. Am Campus hast du gratis Stuff bekommen, ich habe die Girls ausgecheckt, war auf Party´s usw. Ich habe mich selbstständig weitergebildet. Am Psychologie-Departement hatten sie einen Kurs namens: „Black Psychology“ und die Lehrenden dort ließen mich daran teilnehmen. Also lernte dich dort, stahl Bücher aus der Bibliothek, bekam gratis Essen bei der Cafeteria, um nur einige meiner Hustle´s aufzuzählen. Ich traf auch M1 dort, bei einem Kurs der 5 Percenters, es ging um die „Supreme Mathematics“ (Knowledge, Wisdom, Understanding, Culture, Power, Equality, God, Build or Destroy, Bron, Cipher) ich schrieb die Codes gerade an die Tafel, als er reinkam und sagte: Yo, das ist mein Motto! So trafen wir uns damals.
JK: Stic.man, du hast schon mit Big Pun kollaboriert, erzähl uns doch bitte wie diese Zusammenarbeit zustande kam!
Stic.man: „The Rain and the Sun“ war eigentlich ein Grobentwurf für „Let´s get Free“ (erstes Album von Dead Prez, 2000, Loud Records) der noch nicht ausgereift war. M1 ist übrigens auch drauf, der mit der tiefen Stimme. Wir waren damals bei „Loud“ (Label) und spielten unsere Sachen vor und Pun war auch zufällig dort und meinte: „Yo, was ist das? Ich muß das haben, ich geb euch das Geld jetzt gleich!“ Wir dachten uns das ist eine gute Gelegenheit und der Track kam dann auch auf seine Debut LP (Capital Punishment, 1998, Relativity Records)
JK: Also hast du davon die Platinum Auszeichnung zu hause hängen?
Stic.man: Ya Diiiig.
JK: Ihr habt heute bei eurer Show gesagt ihr wollt keine Rapper als politische Führer und habt dabei Diddy und Jay-Z genannt. Ihr hattet Jay-Z ja am Remix zu „Hell Yeah“, wie steht ihr zu ihm als Künstler und persönlich?
M1: Nevermind, ich rede auf der Bühne immer zu viel. Ich möchte sagen ich mache gerne „echte“ Sachen mit „echten“ Leuten. Egal wo du herkommst.
JK: Ist Jay-Z „echt“ (real) ?
M1: Definitiv. Es gibt sicher einige Punkt im Leben bei denen wir verschiedene Sichtweisen haben aber ich verstehe ihn als „echten“ Menschen, der so viel Wert hat, für afrikanische Menschen, für Hip Hop, es war eine Ehre und ein Privileg mit ihm zu arbeiten. Ich habe ihn heute auf der Bühne im Kontext mit gewählten politischen Führern genannt, die die Zukunft von jungem Leben mitentscheiden, und dafür sind Rapper meiner Meinung nach einfach nicht geeignet. No Way. Politische Angehörigkeit hat immer auch etwas mit Imperialismus zu tun, der seine Macht von der Versklavung und Knechtschaft von schwarzem Blut generiert hat. Es ist gut wenn du über Wiedergutmachung für das afrikanische Volk sprichst, aber wenn es um den immer gleichen Prozess geht, sind wir dagegen. Ich bin mir auch sicher Jay-Z hat Sachen getan die er gerne rückblickend anders gemacht hätte. z.B. Hätte er nicht 1 Mio. Dollar der FEMA (Federal Emergency Management Agency) gegeben um bei Katrina mitzuhelfen, sondern wie ich 20.000 Dollar, mehr konnte ich nicht auftreiben, der Malcolm X Grass Roots Organisation um ganz gezielt in Missisippi zu helfen. Er meinte dann auch: „Wow, so hätte ich es auch machen sollen!“ Also jeder lernt von jedem. Mein Punkt ist nur weil du ein Mikrofon in der Hand hältst, heißt das noch lange nicht dass du das afrikanische Volk in irgendeiner Weise führen kannst. Nichtsdesto trozt, Big Respect everybody who is doing what they re doing!
Stic.Man: Ich möchte sagen: Maximum Respect für Jay-Z. Ich sage das weil ich wirklich viel lernen kann von seinem Erfolg, von seiner Art Ideen zu artikulieren, seine Business und Entrepreneur Schritte: sein eigenes Label zu haben, eigene Deals abzuschließen usw. In Bezug auf Conscious Lyrics denke ich: Du mußt nicht zwingend irgendetwas positives in deiner Musik sagen, du kannst auch einfach nur Scherze machen, du kannst wie ein Komödiant sein. Was du mit einem Einkommen und deiner Zeit machst, zeigt wofür du einstehst. Und nicht jeder genießt die Selbe Bildung, nicht jeder hat die gleiche Agenda. Aber ich denke Rapper werden deshalb so oft als politische Figuren instrumentalisiert, weil das System insich so schwach ist, sodass jeder der berühmt und bekannt ist eine Führerperson sein kann.
JK: Ihr thematisiert den Schwarz-Weiß Konflikt in Amerika, das schlechte Bildungssystem, ihr sprecht von einer sozialen Revolution. Heute habt ihr on stage von 6 erschossenen Polizisten in Oakland gesprochen und das Publikum hat es gefeiert. Denkt ihr nicht es ist gefährlich Morde zu glorifizieren?
Stic.Man: Ja bevor diese Polizisten ermordet wurden starb Oscar Grand. Es kann nicht gefährlicher werden als es schon ist. Was wir machen ist aufzuzeigen dass wir nicht alleine sind. Wenn du unter einem Nationalen, Regionalen, Lokalen Regierungssystem lebst das nichts dagegen macht, dann möchte ich die Leute ehren die die Eier haben dagegen etwas zu tun, egal unter welchen Konsequenzen. Denn wenn du wartest darauf, dass es legal wird dich selbst zu beschützen bist du ein toter Motherfucker!
JK: Aber ihr sagt nicht: Tötet jeden Cop!?
Stic.Man: Ich sage überhaupt niemand etwas zu tun zu dem er nicht fähig, qualifiziert oder bereit ist. Ich sage nur: „Sei kein Opfer. Lass dich nicht von der Polizei umbringen.“ Du hast das Recht, mit allen Mitteln die nötig sind, zu leben. Jeder hat dieses Recht, ich werde mich dafür nicht entschuldigen und ich denke das hilft uns sicherer zu sein.
M1: Du hast schon von diesem viel thematisierten Schwarz-weiß Konflikt gesprochen, das war jedoch nie das Thema bei Dead Prez. Wenn du etwas gegen die Polizei sagst, bist du automatisch gegen weiße Leute? Ich versteh den direkten Zusammenhang von Polizei und weißen Leuten nicht. Ich habe nie gesagt: „Tötet alle weiße Menschen“. Wenn wir das System adressieren dann ist es das System der „white Power“.
JK: WASP?
M1: Nicht nur weiße anglosächsische Protestanten, was in Amerika als White Power angesehen wird. Das alles ist nur ein Nebenprodukt des großen Systems namens....
JK: Money!
M1: Exactly. Die Entschuldigung dafür dass Europa reich werden konnte ist dass schwarze Menschen minderwertig sind. Deshalb sind weiße anglosächsisch Protestanten in der ganzen Welt übergeordnet. Blondes Haar, blaue Augen. Es ist immer um „der Unterdrücker gegen die Unterdrückten“ gegangen. Dann kann man von Klassen sprechen die in direktem Zusammenhang dazu stehen, hier beginnt dann die Diskussion erst so richtig. Dead Prez hasst nicht weiße Menschen. Dead Prez hasst „White Power“ , Rassismus und den ganzen Bullshit, sei es Politik, Krieg, das alles ist „White Power“ und die Leute kritisieren uns dafür, dass wir gegen dieses System ankämpfen. Aber ich werde mich dafür nicht entschuldigen, bis sich etwas ändert, denn das bedeutet Freiheit für mich.
JK: Was steht in Zukunft an? Ein Mixtape mit Dj Green Lantern, das neue Album „Information Age“? Was kommt auf uns zu?
Stic.Man: Wir haben einige Sachen am Teller. Dead Prez, Boss up Inc. Bei uns geht es darum uns selbst zu stärken, „Bossing up!“ Wir wollen nicht nur Platten machen sondern uns selbst weiterentwickeln und wachsen. Das ist die Nummer 1 auf unserer Agenda. 2 Alben werden 2009 veröffentlicht: „Pulse of the People“ ein Mixtape Album mit Dj Green Lantern, wir hatten wirklichen Spaß bei diesem Projekt, hard shit, fun shit, live shit. Danach kommt unser neues Studio Album „Information Age“ Das wird unser Jahr. Ich habe auch einige Bücher veröffentlicht (The Art of Emcee-ing, Martial Arts...), meine Frau hat ein vegenes Kochbuch geschrieben. Die Zukunft birgt mehr Demut, Bescheidenheit und Kraft.
M1: Deadprez.com, Information Age, Pulse of the People!
Dj Mikeflow: Black Power, Sunshower, representing RBG Shit, June 23rd is the date for The Pulse of the People. Get that! All day every! Ya betta know that, and we the fuck outta here!


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