Wieder war ein Jahr vergangen und die Vorfreude auf mein viertes SPLASH, dass grösste, jährliche HipHop-Festival groß. Vorbereitungen treffen, Urlaub nehmen, ... usw. - dies alles versprach ein relaxtes HipHop-Wochenende in Chemnitz. Daß im Endeffekt doch einiges anders kam, könnt ihr meinem persönlichen Impressionen-Reisetagebuch entnehmen ...
„Alle Jahre wieder“ ... oder so ähnlich könnte man diesen Festival Review beginnen und doch war dieses Jahr alles wieder etwas „anders“, etwas „mehr“, etwas „pompöser“ als im Jahr zuvor.
Ich muss gestehen ... ich hatte schon vor meiner Abfahrt Richtung Chemnitz Bedenken bzw. Befürchtungen bezüglich der Ausmaße des diesjährigen Splash-Festivals, zumal fast täglich irgendwelche Werbejingels auf sämtlichen TV-Musiksendern liefen und auch die Akkreditierung der Presse dieses Jahr erst ein paar Tage vor dem Festival über die Bühne ging. Dies gepaart mit dem derzeitigen HipHop-Hype lies schon auf ein Mega-Event schließen und sollte sich dann im Endeffekt auch bewahrheiten.
Hier meine persönlichen Eindrücke von vier Tagen am Stausee in Chemnitz ...
Schon in den diesjährigen Splash-Aussendungen wurde bekannt gegeben, dass man nicht mit dem Auto zum Festivalgelände zufahren könnte, weil sämtliche Zubringerstrassen für den „Normal-Verkehr“ gesperrt werden. Stattdessen hatte man einen zentralen Parkplatz in Chemnitz eingerichtet, von dem aus die Besucher mit Shuttle-Bussen zum Festivalgelände gekarrt wurden.
Dies und die Befürchtung vor einem Massenansturm am Freitag lies uns schon am Donnerstag die siebenstündige Fahrt nach Chemnitz antreten, wo wir nach kurzem Zwischenstop in Linz gegen 15 Uhr ankamen. Also zuerst zum zentralen Parkplatz, um eine Zufahrtsgenehmigung zu ergattern. Was dann folgte, waren Irrfahrten über Feldwege, sowohl plan- als auch orientierungslose (aber teils recht freundliche) Securities, dann endlich mit dem Auto am Festivalgelände angekommen, Diskussionen um Parkbewilligungen. Stunden später – man konnte es kaum glauben – endlich alle „Amtswege“ erledigt, Zelt aufgebaut und der erste Rundgang über das Areal.
Hier war nichts mehr so wie noch die Jahre zuvor. Das was letztes Jahr die HipHop-Bühne genau am Stausee war, war dieses Jahr die Reggae/Ragga-Bühne und dort wo sich letztes Jahr einen Teil des Zeltplatzes befand, stand nun eine Mega-Bühne. Von den ersten Eindrücken einer Art „Lieblosigkeit“ richtig geschockt, wollte in dem Moment keine richtige Festival-Stimmung aufkommen. Hier glich alles eher mehr einer Großbaustelle, als einem gemütlichen Festival-Gelände. Bagger und Schlamm wohin man auch blickte und auf der anderen Seite riesige Lehmhaufen. Dazwischen Unmengen an Verkaufsstandplätzen und drei riesige Festzelte für HipHop, Reggae und Drum & Bass, was mir sehr den Eindruck eines Jahrmarktes vermittelte.
Nach dem ersten Rundgang ging es auch schon relativ bald Richtung Zelt, um für den nächsten Tag fit zu sein.
Der nächste Tag sollte auch schon früh für uns beginnen, als wir zwar freundlich, aber doch bestimmt von einem Mann der Security geweckt wurden, der uns und unseren mittlerweile zahlreichen Nachbarn erklärte, wir mögen die Zelte sofort wieder abbauen und mit dem Auto das Gelände verlassen. Wieder folgte ein stundenlanges Umherirren, die Suche nach den Verantwortlichen und einem genehmigten Zeltplatz. Nachdem all diese bisschen nervenaufreibenden Anfangsschwierigkeiten beseitigt waren, wir endlich alle Genehmigungen und einen Zeltplatz hatten, begaben wir uns auch schon auf das Festivalgelände, um das Hereinströmen der Massen mitverfolgen zu können.
Gegen 12 Uhr wurden dann endlich die Tore geöffnet und der erste Teil der rund 30.000 Besucher strömte auf das Feld, um kurz darauf der musikalischen Eröffnung des Splash mit der Karlsruher Crew Aufnahmezustand beizuwohnen. Da es den Rahmen eines Festival-Reviews sprengen würde, wenn ich alle Auftritte jetzt einzeln und ausführlich beschreiben müsste, möchte ich nur eine kleine musikalische Kurzfassung meiner Eindrücke der drei Tage schildern:
Musikalisch gesehen eigentlich nicht viel neues, wenn man von der erfreulichen Tatsache absieht, dass dieses Jahr nun auch endlich die zwei österreichische Crews Texta und Kamp mit am Start waren. Beide konnten mit ihren Shows das internationale, aber doch vorwiegend deutsche Publikum sofort begeistern und sorgten für gute Stimmung.
Method Man & Redman hatten ja abgesagt, dafür kam nun aber doch Kool Savas und Nico Suave.
Zu den Highlights des Festivals zählen sicherlich die Auftritte von Biz Markie, Fünf Sterne Deluxe, Samy Deluxe und Eins-Zwo, wobei wohl eher die Zuschauermassen beeindruckten als die dargebotenen Standard-Shows. Enttäuschend z.B. die US-Legende Biz Markie. Er ist sicherlich nach wie vor ein begnadeter Entertainer, aber meiner Meinung nach – wie bei den meisten Ami-Acts – wenige bis keine musikalische Highlights. Musikalische Defizits werden mit Blödelei und Rumgegröle a la Bierzeltstimmung kaschiert, mit der ja auch einige deutsche Acts derzeit liebäugeln.
Sicher ein Highlight des Events war - neben dem mitreißenden Auftritt der Berliner Combo Seeed am Freitag auf der Reggae-Bühne – das „Tommy Boy Special“ im HipHop-Zelt am Samstag, wo Tony Touch und Prince Paul für ausgelassene Stimmung sorgten.
Was soll man aus drei Tagen Festival mitnehmen, außer einen Haufen an Eindrücken der unterschiedlichsten Art? Das Wetter – obwohl recht wechselhaft - hatte ja dieses mal wirklich mitgespielt. Man konnte nach dem ersten Tag sogar den einen oder anderen Sonnenbrand entdecken. Am Sonntag war es sogar so heiß, dass viele das Schwimmen im Stausee oder Sonnenbaden auf der Wiese den vormittäglichen Auftritten vorzogen, während wieder andere sich in einem der raren schattigen Plätzchen sammelten.
Die Stimmung des Publikums am diesjährigen Splash war im Gegensatz zum letzten Jahr wirklich sehr friedlich und der Grossteil der Security, obwohl zeitweise von der ganzen Situation überfordert und ratlos, war mehr als freundlich. Auch die Polizei hielt sich – trotz installierten Überwachungskameras und „Schnellgericht“ – sehr im Hintergrund, um schon im Vorfeld jede Provokation zu vermeiden.
Positiv erwähnen möchte ich auch die Einrichtung eines eigenen Pressezeltes, welches sämtlichen Komfort, den man sich auf einem Festival nur wünschen kann, hatte (z.B. Handy-Ladestation, Internetanschluss, PCs, Interview-Couch, ...).
Was die Stimmung jedoch trübte war sicherlich die ungünstige Lage der Hauptbühne. Ersten die Größe, weil man von weiter hinten nur mehr ganz kleine Gestalten erkennen konnte, die vor allem bei kleinen Crews vollkommen in der Unendlichkeit der Bühne untergingen. Zum Zweiten der Lärm von allen Seiten, weil gleichzeitig zu den Auftritten auf der Hauptbühne aus sämtlichen Zelten, die parallel zum Publikum standen, irgendwelche ohrenbetäubenden Sounds erklangen, die vor allem den Zuschauern an der Seite das Gefühl eines undefinierbaren Soundmixes a la 12-Ton-Musik vermittelten.
Ein weiteres Manko war der schlammige, baggergepflügte Untergrund vor der Hauptbühne, der nicht gerade zum Chillen einlud. So hatte man nur die Wahl entweder den Auftritten stehend zu folgen oder mit dem schlammigen Lehmboden Bekanntschaft zu machen.
Von den konfusen, sich stündlich ändernden Regeln Backstage möchte ich erst gar nicht reden. War jedoch auch ein Punkt, der viele Leute dieses Jahr verärgert bzw. enttäuscht hat.
Einer der interessantesten Vorfälle am Splash war sicherlich der Zwischenfall mit MC Rene contra Azad. Näheres wird man in den nächsten Tagen sicher im Gossip lesen können.
Andererseits der Zwischenruf eines uns wohl bekannten Wiener-Zuschauers beim Kamp Auftritt: "Fester du Sau!" was sogleich mit einem "Schwatteln" von der Bühne beantwortet wurde und sprachlose und vollkommen verwirrte Deutsche zur Folge hatte.
Fazit:
Für den „normalen“ Festivalbesucher insgesamt ein recht teurer Spaß, wenn man alles zusammenrechnet, weil man in diesem Jahr für so ziemlich alles bezahlen musste.
Auch war dieses Jahr nichts, mit gemütlich auf der Wiese chillen und dem Sound der Bühne lauschen (außer vor der Reggae-Bühne), was dem Festival in den Jahren zuvor aber doch das gewisse Splash- Flair gegeben hatte. Klar, man musste sich dieses Jahr auf einen Massenansturm von HipHop-Süchtigen vorbereiten, aber dem eingefleischten Splash-Besucher vermittelte es doch das bittere Gefühl von Lieblosigkeit und großem Business.
Dazu fällt mir nur ein EINS-ZWO Zitat ein: „Weniger ist mehr.“
Auf jeden Fall hat es gut getan, nach einem Jahr des Wartens wieder alte Freunde zu treffen, ein wenig Gedankenaustausch über die Grenzen hinweg betreiben und neue Kontakte knüpfen zu können. 4x war ich nun mittlerweile schon am Splash, doch ob ich nächstes Jahr wieder nach Chemnitz fahren werde, steht in den Sternen. Im Moment würde ich sagen: „Nein – nicht mehr meine Welt!“ Die Gemütlichkeit ging irgendwo im HipHop-Hype verloren. Ob sie wiedergefunden wird, wage ich jedoch stark zu bezweifeln. Schade eigentlich!












