ROCK THE BELLS - Ein Erlebnisbericht
Pharaohe Monch, Supernatural, Scratch (the legendary Roots Crew), EPMD, De la Soul, Pharcyde, Nas... klingelt da etwas?
Ein Line up das einem feuchten Consciousness Traum gleicht, brachte mich zur Überlegung statt des normalen Freitag-Abend Programms doch mal eine spontane Fahrt nach Prag einzuschieben.
Die Veranstalter des Hip Hop Kemps (Depo Crew, Bbarack) die zu einer echten Instanz in Sachen Hip Hop Veranstaltungen in Mitteleuropa geworden sind holten die Künstler der „Rock the Bells“ Tour für einen exklusiven Gig in die Tesla Arena nach Prag und bewiesen abermals guten Geschmack für ausgezeichnete Musik. So sicherte ich mir 2 Gästelistenplätze, packte meine bessere Hälfte und machte mich mit meinen 110 Pferdestärken in die wunderschöne Hauptstadt unseres Nachbarlandes.
Prague, i´m coming oder wie baut man eine Autobahn? Es stellte sich heraus dass Freitag nachmittag, am Tag vor Allerheiligen wohl doch nicht die beste Reisezeit darstellt, und so kostete es mich ca. 4,5 Stunden um die 250 km von Linz nach Prag zu bewältigen. Glücklicherweise fanden wir, nach Überwindung des Abend-Stadt Verkehrs auf Anhieb zur Location. Die ehemalige T-Mobile Arena mit einem Fassungsvermögen von über 10.000 Menschen bot eine würdige Kulisse für dieses Hip Hop Happening.
Kurzerhand quartierten wir uns im nahegelegenen 4-Sterne-Parkhotel für moderate 80 Euro (2 Personen, Incl. Frühstück und Parken) ein, verdrückten eine Marghertia, 2 Gin Tonics und 1 Kräuterzigarette um gestärkt das Marathon-Line up genießen zu können.
Als wir kurz nach 21 Uhr die Arena betraten waren schon ein paar tausend in- und ausländische Fans anwesend (den Akzenten zu Folge konnte ich Besucher aus Deutschland, Österreich und Tschechien ausmachen) und wir hatten gerade Pharaohe Monch verpasst, was mich nicht weiter deprimierte da ich ihn vor einem guten halben Jahr in Zürich performen sehen durfte, ich bin mir sicher er rockte die Crowd würdig und war für jeden Anwesenden ein genlungener Start des Abends.
Eric Sermon, Parish Smith aka EPMD waren mein erstes Highlight an diesem Abend. Gut ausgerüstet mit Whiskey-Cola war ich bereit die Reimkünste meiner Jugendhelden zu genießen. Als der Redman-Mentor Eric Sermon, mit einem „I Luv Hip Hop“ Hoodie die Bühne betrat hatte er sofort die Gunst des Publikums gewonnen und lieferte mit seinem Partner in Crime Parish eine solide Show ab, die Crowd dankte es den 2 Mikrophon Doktoren und spätestens bei „The Joint“ war die Stimmung am Siedepunkt und das Publikum gröllte lauthals den Refrain mit. De-de-de-de-de-de...it´s the..... Eric kündigte mehrmals das neue Album „We mean Business“ an und machte Lust auf mehr. Einziger Kritikpunkt der EPMD Show: Dj Scratch war nicht anwesend...
Das Mitglied der legendären Roots Crew: Beatbox-Wunderkind Scratch und der Freestyle-Weltmeister Supernatural waren bei dieser Tour wohl eher als Pausenfüller eigeplant und so endete ihr Showcase traurigerweise schon nach energiegeladenen 10 Minuten. Ob dies an Atmungsschwierigkeiten von Scratch oder an dem dicht gelegten Line up lag, weiß nur der Veranstalter. Jedenfalls legte Supernat Freestyles ab die zweifelsohne wie Texte klangen, und Scratch erzeugte mit seiner Beatbox Instrumentals die wie eingespielte Beats klangen. Kurz: Killer!( besonders die „A Millie“ Vokal Version von Scratch)
De la Soul, Mitglieder der Native Tongue Family, brachten an diesem Abend jeden Anwesenden zum Schwitzen. Mit einer fulminanten und publikums-einbeziehenden Show stellten sie einen meiner persönlichen Höhepunkte des Abends dar. Mit der etwas abgedroschenen Right-Side, Left-Side Strategie, bewiesen sie abermals dass auch alte Rezepte heute noch gut schmecken. Die Crowd dankte es den 3 Vollblut Entertainern, und schwebte in Ekstase, was meiner Einschätzung nach auch viel mit den unzähligen J Dilla Beats in kausalem Zusammenhang stand. J Dilla wurde wiederholt an diesem Abend gehuldigt, und speziell De la Soul machte es sich zur Aufgabe den verstorbenen Größen Tribut zu zollen, jedoch nicht nur den altbekannten Rappern wie: Biggie, Big L, Big Pun, 2pac usw... sondern speziell auch den Vorreitern der Hip Hop Kultur: James Brown, Luther Vandross, Miles Davis, Isaac Hayes... Ehre wem Ehre gebührt.
Pharcyde die wie EPMD bei dieser Tour ihre Reunion feiern sollten entäuschten mich an diesem Abend leider auf voller Länge. Auch dem Publikum merkte man an dass sie wenig bis gar nicht von der Performance der Kalifornier überzeugt waren, fehlender Applaus, keine wippenden Hand-Kopf Kombinationen und keine Text Rezitationen so wie bei den vorangegangenen Bands konnten verzeichnet werden. Vielleicht lag es daran dass alle schon so gespannt auf Nasty Nas waren, Pharcyde konnte jedenfalls niemand von den aufklappbaren Sitzplätzen reissen.
Um 23:55 war der große Moment gekommen. Schon seit Stunden spekulierte ich wen Nas als Dj mitgenommen hatte und so war meine Überraschung umso größer als der ex-Eminem und Jay-z Dj GREEN LANTERN die Bühne betrat. Der auch als Produzent („Number One Spot – Ludcris“) tätige New Yorker fungierte übrigens auch als Back up MC für die One-God-Show. Nas der mich schon damals schwerst durch seine Abstinenz am Splash Festival entäuscht hatte konnte nun alles wieder gut machen und das tat er auch. Mit einer Hit Armada die von „if i ruled the world“ über „street dreams“ bis zu seiner neuen Hit-Single „Hero“ reichte bediente er wohl jeden Geschmack. Sowohl Tracks seines ersten Albums „Illmatic“ sowie Nummern seines kontroversen „Untitled“ Albums standen auf der Tracklist. Auch wenn Tracks oft nur angespielt, bzw nur die Hook oder die erste Strophe performt wurden, war diese mit knapp über 30 Nummern gespickte Show, ein Feuerwerk an Straßen Hymnen. Zeitlich wäre es sich in den 60 Minuten auch einfach nicht ausgegangen jeden Track bis zum Ende zu spielen. Einige Bemerkungen am Rande: Auch Halb-Götter wie Nas vergessen ihre Texte. Auch einer Hip Hop Legende wie Nasir Jones geht nach etwa 45 Minuten Solo Performance die Puste aus (oft konnte er nur noch Versatzstücke seiner Strophen performen und seine Stimme überschlug sich wiederholt). Als dann Kelis spontan für ein kurzes Augenzwinkern die Bühne betrat war für mich alles aus und vorbei, wobei ich schon erwartet hätte ein Duett von den Turteltäubchen zu hören... Iss nisch! Naja macht nix, mit „One Mic“ verabschiedete sich der Königinnen-Brücken-Native (wohnt Nas noch in Queens?, ich bezweifle es stark) nach exakt 60 Minuten und bildete somit den perfekten Abschluss für diese sehr gelungene Rock The Bells Veranstaltung.
Rock the Bells ist Beweis dafür dass Hip Hop noch immer lebt und die Old School noch immer genügend Anhänger hat, wirklich schade dass wir es nicht schaffen solche Veranstaltungen in Österreich zu realisieren. Im Context Hip Hop Events können wir uns nämlich ne Riesenscheibe von unseren tschechischen Nachbarn abschneiden. In diesem Sinne: Lass die Glocken läuten.


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