Auftritt Kool Savas, die Zweite! Diesmal ohne viel Wirbel und Aufstand fand am Samstag, dem 1. Mai der österreichische Tourstop von Kool Savas, Ercandize und DJ Nicon statt. Welcher Ort wäre besser geeignet gewesen als der 10. Bezirk in Wien, Berlin-Rap inmitten der Ankerbauten :-) Impressionen des Abends gibt es hier.
Ich muss zugeben, ich war doch ziemlich gespannt auf den Auftritt des inzwischen durch massive Medienpräsenz weichgespülten und chartstauglichen Kool Savas, dem ehemaligen Enfant terrible des deutschsprachigen HipHops.
Der letzte Auftritt von Savas liegt ja jetzt doch ein Weilchen zurück und hat ziemlich viel Staub aufgewirbelt. Leider ist die damals angefachte Diskussion um Battle-Rap und die Grenzen des guten Geschmacks fade im Sand verlaufen und der Stil des Battle-Raps hat sich lebhaft weiterentwickelt. Doch das ist ein anderes Thema.
Ort des Geschehens am Samstag war die Kato-Halle im 10. Wiener Gemeindebezirk,
sonst eher im Mittelpunkt von türkischen Hochzeiten der Superlative. Als die Halle um 21:30 Uhr ihre Tore öffnete, verharrte schon eine ziemliche Menschenmenge länger vor dem Eingang. Hier gab es dann die erste Überraschung des Abends, das Publikum war durchwegs jünger und die harten WienX Gangsta :-) waren auch noch nicht angekommen.
Leider war der erste Eindruck der inneren Halle nicht der Beste; man strömte in die Halle, in der noch die normale Hallenbeleuchtung an war und gerade der Soundcheck im Gange war, und hatte irgendwie einen leichten Schulturnsaal-Flavour im Kopf. Zur Ehre der Veranstalter sei allerdings gesagt, dass sich der späte Soundcheck nicht vermeiden ließ, da Kool Savas und Co ihren Flug verpassten und erst zu spät in Wien eingetrudelt sind.
Unglücklicherweise musste ich feststellen, dass der Sound in der Halle grottenschlecht war, die MCs waren schlecht bis teilweise gar nicht zu verstehen, es war bloß ein lautes Gewummse und Gesumme. Unglücklicherweise deshalb weil einige Acts es durchaus verdienten hätten, akustisch verstanden zu werden.
Mein persönliches Highlight war nicht überraschend der Auftritt von Family Biz, der nach EMC folgte. Die Jungs von Family Biz hatten in der letzten Zeit quer durch die Bank immer gute Auftritte, die sich durch den offensichtlichen Spaß an der Musik und ein ungemein gutes Gespür fürs Publikum auszeichneten. Jetzt stellt sich nur die Frage ob es ein Verlust oder Gewinn war, dass ich auf Grund mangelnder Sprachkenntnisse höchsten ein Drittel der Texte verstehen konnte. Bezüglich Performance und Charisma auf der Bühne sind Family Biz jedenfalls meiner Meinung nach derzeit in Wien nur schwer zu überbieten.
Letzter Act auf lokaler Ebene waren Pervers, deren Nachteil es sicher auch war, dass sie direkt nach Family Biz an der Reihe waren. Nachdem ich schon etliche Perverse Shows gesehen habe, die allesamt mehr gerockt haben als ihr Auftritt am Samstag, war ich doch enttäuscht von dem Auftritt. Diesmal fand ich Pervers nicht überzeugend, die Jungs wirkten irgendwie lustlos und unambitioniert, der schlechte Sound tat noch sein übriges.
Gegen 0:45 herum gab es dann den Auftritt von Kool Savas. Ein Teil des Publikums wirkte schon etwas zermürbt und müde von dem langen Vorprogramm, grölte dann aber doch fleißig bei den Savas Sprechchören mit. Umringt von Bodyguards (!!) und im „Blitzlichtgewitter“ der Fotohandys betrat dann Savas die Bühne und versuchte zu rocken. Mich persönlich hat es nicht überwältigt, denn obwohl Savas an sich ein guter Entertainer und ein sehr kraftvoller MC ist, wirkte seine Show nicht. Dass ich kein großer Savas Fan bin ist klar, doch habe ich ihn schon um einiges besser erlebt. Er hatte neben den aktuellen Nummern auch seine alten „Aufreger“ a la „Lutsch meinen Schwanz“ im Programm. Offenbar erlebt auch Savas einen gewissen Ermüdungseffekt des Publikums, welches durch die vielen Nachfolger/Mitstreiter sich wohl an einiges gewohnt hat und sich nicht mehr so begeistern lässt. Und wie schon Anfangs erwähnt ist der Savas von heute definitiv „eingesoftet“, quasi brav geworden und damit auch für viele vielleicht nicht mehr so interessant wie früher.
Größtes Manko des Abends war leider eindeutig der Sound, der über allen Acts düster geschwebt ist und nur bei Savas geringfügig besser wurde, der hatte nämlich seinen eigenen Soundmann im Gepäck.
Positiv ist und war, dass die HipHopConnection als Veranstalter in letzter Zeit so aktiv ist, das ist sicher eine wenig gedankte Aufgabe und sollte keine Selbstverständlichkeit sein.
Noch eine kleine Bemerkung am Schluss: Ich finde es höchst traurig, dass es in Wien Leute gibt, die Veranstaltern wie der HipHopConnection durch den Diebstahl von Bühnen Equipment das Leben schwer machen. Gibt es keine Veranstalter, gibt es auch keine Acts zum Besuchen. Think about it.


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