Fast ein Jahr ist es nur her, als uns die US Rapper Declaime und Grand Agent das letzte Mal Anfang 2001 in Österreich (B72, Wien und Kapu, Linz) im Rahmen der "Superrappin´ Tour" beehrt haben. Am 30.12.2002 konnte man beide zusammen mit Group Home dank des HHC-Silvester-Specials im Wiener "Planet Music" noch einmal erleben.
Obwohl ich bei Ami-Acts normalerweise immer sehr vorsichtig bin und auch in diesem Fall meine Zweifel hatte, pilgerte ich dennoch am Abend vor Silvester Richtung "Planet Music". Dort angekommen, hatte sich schon eine regelrechte Menschenmasse (dank der milden, überhaupt nicht winterlichen Abendtemperatur) vor dem Eingang versammelt. Innen sollte es nicht viel anders aussehen.
Da der offizielle Beginn für 22 Uhr angekündigt war, begann auch das eigentliche Konzert, nach einer musikalischen Vorwärmphase durch die DJs Profile, Takeonedoe und Mezuian, relativ spät. Zeit genug für das eine oder andere Bier, Smalltalk, Goalgetter-Stand...
Während manche US-Rapper überpünktlich beginnen, dann gerade mal 60 Minuten spielen und den Verspäteten im Publikum böse Überraschungen bereiten, lassen sich andere wiederum viel Zeit, bevor sie auf die Bühne schlendern oder wanken. Es wird behauptet, dies läge am übersteigerten Genuss von Marihuana oder österreichischem Bier, das die Reim-Artisten tief in die Polstermöbel des Backstage Bereiches drückt und ihnen Aufstehen und Auftreten erschwert.
Bei Konzert-Beginn war das "Planet Music" dann aber schon so sehr mit Menschen gefüllt, wie ich es lange nicht mehr bei einem HipHop Konzert in Wien erlebt habe. Das lag vermutlich auch an dem wirklich ideal gelegenen Termin: Schüler und Studenten hatten Weihnachtsferien und am nächsten Tag Silvester.
Irgendwie überrascht war ich dann aber, als Declaime, Grand Agent und Group Home (bzw. Lil´ Dap) gleichzeitig die Bühne betraten und auch zusammen den gesamten Auftritt bis zum Schluß gestalteten.
Declaime kommt aus Las Vegas (Nevada), ist Member der "805 Crew" im Umfeld von Lootpack und der Likwid Crew, da er seit unzähligen Jahren mit Madlib und Tash befreundet ist. Und wie sich das im "friendship business" gehört, liefert auch Madlib Beats für Declaime, der sich wiederum z.B. mit Album-Gastauftritten und Cover Gestaltung (z.B. vom Lootpack Album) revanchiert. Der Rapstil Declaims ist aufgrund der manchmal etwas quakigen Stimme für manche (wie auch meine Wenigkeit) vielleicht gewöhnungsbedürftig und auch die durchwegs chilligen Beats verleiten wohl mehr zum Abhängen am heimischen Sofa oder als musikalische Untermalung beim Konsum nicht ganz legaler Rauchwaren.

Der eigentliche Grund, der mich wirklich ins "Planet Music" gezogen hat, war jedoch Group Home (aka Lil´ Dap und Melachi The Nutcracker) aus Brooklyn (New York City), von denen dann doch leider nur Little Dap kam. Dass sie zur Gang Starr Foundation (rund um DJ Premier und Guru) gehören, ist unüberhörbar und bürgt für qualitativ hochwertigen HipHop. Da auch normalerweise Little Dap die meisten Rap-Parts über hat, war es auch an diesem Abend nicht weiter verwunderlich, dass die musikalische Stimmung bei seinen Solo-Auftritten insgesamt meist zurückhaltend, melancholisch, und düster wirkte und die Beats bloß eine tragende Fläche für den textlichen Überbau darstellten. Einzig Little Daps hohe Stimmlage mag vielleicht für den einen oder anderen gewöhnungsbedürftig gewesen sein. Da sich Group Home gerne als Sprachrohr des Ghettos sehen, verwundert es auch nicht weiter, hin und wieder politische Argumente in Little Daps Lyrics wiederzufinden und so durften dann natürlich auch Klassiker wie "Livin´Proof", "Supa Star", "So Called Friends" oder "The Realness" nicht fehlen. Brooooooklyn Zoo!!!!!

Fazit:
Auf jeden Fall eine sehr nette und gelungene Silvester Einstimmung und ein wirklich langer Auftritt aller Acts, der den Eintrittspreis mehr als gerechtfertigt hat, auch wenn Group Home nicht vollständig vertreten war. Das "Planet Music" mag zwar an sich ein netter Veranstaltungsort sein, aber die Ursprünge als "Rock House" kann es noch immer nicht ganz verbergen, da der Tontechniker an diesem Abend meiner Meinung nach nicht viel mit HipHop anzufangen wusste: Die Stimmen der MCs konnte man leider meist nur sehr schwer verstehen und dadurch viele Lyrics nur erahnen. Alle, denen monotone Rap-Produktionen aus Amerika auf den Sack gehen und die innovative Rap-Acts bevorzugen, werden an diesem Abend voll auf ihre Kosten gekommen sein. Dieses Konzert, so geteilt manche Meinungen auch sein mögen, war eine Rückkehr zum Ursprünglichsten aller HipHop Prinzipien: lyricism.
Leider flaute die Stimmung im Publikum an manchen Stellen hin und wieder etwas ab, da sich der eine oder andere vielleicht mehr Party Stimmung erwartet hätte. Dennoch ein Abend an dem man Rapper auf der Bühne erleben konnte, denen Star-Gehabe noch fremd zu sein scheint und denen man ihre oft verkündete Liebe zu HipHop noch abnimmt. Nach vielen enttäuschenden Konzerten diverser US-Rap-Acts in den letzten Jahren ein wahrer Genuss. Dank an HHC für einen netten Pre-Silvester-Abend.
Foto-Quellen:
Bild 1: Groove Attack
Bild 2: Groove Attack
Bild 3: www.woolknitt.com











