Es war doch ein ungewohnter Anblick gestern im Volksgarten in Wien: Der harte Kern der Wiener HipHop Szene fröhlich schäkernd zwischen Goldketterl behangenen R&B Schönheiten. Grund dieser doch eher seltenen Konstellation war der Besuch von Dj Cash Money, einer der bekanntesten Club Djs der Welt und einer der Vorreiter in Sachen Dj-ing.
Dj Cash Money, DMC Champion of the World im Jahr 1988, war Freitag, den 5.10.2001 im Wiener Volksgarten zu Gast. Cash Money, der oft irrtümlich mit der Erfindung des Transformer Scratches [D.J. Spinbad hat ihn erfunden und Cashmoney und Jazzy Jeff unters Volk gebracht] in Verbindung gebracht wird, nennt sich gerne No. 1 Club Dj of the World . Der aus Philadelphia stammende Dj stand Anfang der 80er Jahre lange im Schatten von Jazzy Jeff, der zu Cashmoneys Anfangszeiten Philadelphias bekanntester Hiphop Dj war. Erst nach dem Cashmoney mit Hilfe von Jazz, der ihm einige Promoter vorstellte, immer bekannter wurde, gelang es ihm auch in N.Y. Fuß zu fassen.
Cash Money war einer der ersten Artists aus Philadelphia, der bei Sleeping Bag Records aus N.Y. unter Vertrag genommen wurde. Sleeping Bag war Anfang der 80er ein sehr bedeutendes Hiphop Label, bekanntester Act aus dem Hause Sleeping Bag waren wohl EPMD. 1988 brachte Cashmoney zusammen mit Marvelous sein Album "Where´s the Party At?" auf Sleeping Bag heraus, welches unverdient leider in den Wirren des 80er Jahre Hiphops etwas untergegangen ist.
Inzwischen hat Cashmoney sein eigenes Label namens AllWorld und ist gerade dabei, sein neues Album fertig zu stellen. Zum Thema "ITF oder DMC" befragt, meinte Cash gestern nur "Mir als DJ ist das ganz egal, du gehst nur hin, um deine Skillz zu zeigen, egal ob die Organisation sellout ist oder nicht..."
Seinen guten Ruf schätzt er sehr und bemüht sich, sein Wissen und seine Erfahrung weiterzugeben, wie er das allerdings genau macht, hat er uns nicht verraten. Obwohl - each one teach one - für sich spricht ...
Seine Skillz muß er definitiv nicht verstecken. Die ersten 10 Minuten waren meiner Meinung nach auch die besten 10 Minuten des Abends. Ob es an den genial ausgewählten Platten, seinen perfekt sitzenden Scratches oder diversen Akrobatik-Einlagen lag, kann ich nicht beantworten. ;) Das RnB Publikum war anscheinend voll in seinem Element und machte seine Show begeistert mit, auch einzelne Heads waren kopfnickend zu beobachten ;). Cash Money machte mehrere Abstecher in andere Musikrichtungen, mischte neuen R&B Stuff wie zB. Eve genauso wie mit alten Hiphopschinken oder auch Funk Sachen. Zeitweise bin ich mir vorgekommen wie damals im More, (Das More ist einigen vielleicht schon/noch ein Begriff) obwohl auch hier die Auswahl eher kommerziell ausgerichtet war. Neben ODB oder Luniz war zB. auch "Gangsta´s Paradise" - noch nie erschien mir ein Lied so passend - zu hören. Nach der ersten halben Stunde fand ich seine Show allerdings ein wenig abflauend. Was mir persönlich gut gefallen hat war, dass seine Musikauswahl sehr vielschichtig war, obwohl eben auch sehr kommerziell. Tatsache ist allerdings, dass das im Vogelgarten vorherrschende Publikum mit deepem Undergroundshit wohl nicht viel anfangen hätte können. Alles in Allem hat sich Cashmoney wunderbar seiner Umgebung angepaßt und das gemacht, was einen guten Club Dj ausmacht: Gute Stimmung!
Und in seiner Plattensammlung würden sicher einige mal gern in Ruhe diggen :)


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